Ich hab genug von der unaufhörlichen Sexualisierung meines Körpers

Es ist eh schön, dass in Magic Mike der männliche Körper objektiviert wird. Das ist das, was mit uns 24 Stunden am Tag auf der Straße, in den Medien und überall passiert. Es muss aufhören.

Der einzige Moment, in dem ich mir wünschte auf dem Land zu leben, ist, wenn ich laufen gehe. Ich liebe die Möglichkeiten des Stadtlebens, aber beim Sport hätte ich gerne meine Ruhe. Letztens war ich wieder im Prater laufen. Um dorthin zu kommen, muss ich durch den 2. Bezirk. Auch abends sind da noch viele Leute auf der Straße, gerade in den wurligen Sommermonaten. Die Alternative wäre eine Laufroute auf dem hoch frequentierten Donaukanal, aber die Konsequenz ist dieselbe: Offensichtlich ist mein sich bewegender Körper eine permanente Aufforderung diesen zu kommentieren. Kussmünder, begutachtende Blicke, Zurufe.

Das war mein Moment

Dieser Moment sollte eigentlich für mich da sein, den Spaß an der Bewegung und meine Auszeit vom Alltag. Meistens trage ich ein Leiberl, das mein Bruder vor 10 Jahren ausgemistet hat und meine Haare wurden 5 Tage lang nicht mehr gewaschen. Nichts an meinem Habitus kommuniziert außenstehenden Männern, dass es gerade irgendwie in Ordnung wäre, meinen Körper in einen sexuellen Kontext zu setzen. Im weitesten Sinne sind diese Reaktionen eine Ausprägung des Patriarchats, in dem sich Männer die Kontrolle über meinen Körper und meine Sexualität aneignen. Ja klar, das mit dem „Aneignen“ klingt jetzt hart dafür, dass ich mich in Österreich eigentlich frei bewegen kann wie ich will, aber es sind Ausprägungen davon.

Es ist egal was ich anhabe, du Victim-Shamer


Denn selbst wenn ich mich nicht im verschwitzten Schlabberlook durch die Stadt bewege, selbst wenn ich aus modischen oder wie auch immer gearteten Gründen ein bauchfreies Top zum engen Rock trage, bin ich der einzige Mensch der Anspruch auf meinen Körper hat. Und ich habe das Recht, mich morgens anzuziehen, ohne dabei die potentiellen Reaktionen von Männern bedenken zu müssen. Die können nämlich verdammt unangenehm sein. Solche Blicke können sich ziemlich ekelig anfühlen. Und kein Mann hat das Recht, meinen Körper, nur weil er existiert, zu sexualisieren.


Boobs not bombs


Erst am Samstag gingen in Montreal Frauen auf die Straße für das Recht, oben ohne zu gehen. Wer hat je bestimmt, dass Frauenbrüste sexuell anrüchig sind und Männerbrüste nicht? War es Facebook? Instagram? Schön wär’s, denn dann wäre dieses Credo wohl etwas jünger und leichter aufzubrechen. Das sind tief verwurzelte Glaubenssätze, die etwas damit zu tun haben, dass Frauen die letzten 5000 Jahre über unterdrückt wurden, dass weibliche Sexualität von Männern kontrolliert und auf Reproduktion reduziert wurde. Das ist heute nicht mehr ganz so, aber Wurzeln sitzen tief. Und aus dieser Geisteshaltung, die mit einem schmierigen Kommentar beginnt, kommen auch all die sexuellen Übergriffe, die viel öfter passieren, als wir weitläufig annehmen.


Magic Mike ist gerade ein sehr beliebter Film, und im Gegenteil zu 99,9 Prozent aller Hollywood-Produktionen werden darin Männer zu Sexobjekten gemacht. Das könnte man jetzt als Stoß in die Gegenrichtung feiern, aber es handelt sich halt doch um einen gut bezahlten Schauspieler, der sich im Gegenteil zu Frauen in Alltagssituationen, freiwillig in diese Lage begeben hat. Ich würde echt gern einen Film machen, in dem ich strippend tanze, wenn das bedeutet, dass nie wieder eine Frau auf der Straße angegriffen wird.

 

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