"Ich brauche Zeit für mich" - Vater jammert über Kinderbetreuungspflichten

Nach der Arbeit noch das Kind umsorgen und bespaßen? Ist ja uranstrengend, beschwert sich ein Vater im Internet. Und erntet dafür wenig Verständnis.

Jungväter und ihre Sorgen

Let's be real: Es ist echt anstrengend, Kinder zu haben. Elternschaft mag erfüllend sein, sie ist aber auch richtig zeitintensiv. In einer idealen Partnerschaft teilen sich beide Eltern die Kinderbetreuung - ein Konzept, das so manchen Vater ziemlich zu überfordern scheint. Wie etwa jenen Mann, der unter dem Pseudonym #dadJan Hilfe in der Facebookgruppe Dad's Life gesucht hat.

"Hallo zusammen", schreibt der Mann hilfesuchend in die Community und erklärt seine Lebenssituation. Vollzeit arbeiten gehe er und der Kindergarten des Sohnes koste 300€. Eine Summe, die für viele Eltern nur schwer zu bewerkstelligen ist. Hier geht es aber nicht um leistbare Kinderbetreuung und politische Veränderung, sondern um eine ganz individuelle "Leidens"geschichte. "Meine Frau will auch arbeiten, wo ich natürlich erst mal nix dagegen habe!", schreibt der Mann und offenbart damit, dass er geistig eh nicht mehr in den traditionellen Ehen der 1960er steckt, wo der Ehemann der Ehefrau das Arbeiten noch verbieten durfte. Ein ganz toller Kerl also. (Achtung, das könnte gerade Sarkasmus gewesen sein.)

Das hier ist aber gar nicht das Problem des verunsicherten Vaters! Das kommt erst noch und geht so: "Ich [muss ihn] dann mittags 2-3 Mal die Woche direkt nach der Arbeit vom Kindergarten abholen und ihn dann auch unterhalten, essen machen etc. und ins Bett bringen, da der Job von meiner Frau bis mindestens 20 Uhr geht", klagt der Mann über den Alltag eines berufstätigen Elternteils. Ganz konkret: "Mein Problem bei dem Ganzen ist, dass es mir ehrlich gesagt einfach zu viel ist, da ich nach der Arbeit ziemlich kaputt bin und so gesehen keine Minute Ruhe habe! Außerdem will ich auch wieder ein paar Hobbys nachgehen."

Es ist also alles sehr dramatisch. Zum Glück hat der Mann einen Lösungsvorschlag: Seine Frau soll sich doch einfach einen Job suchen, dessen Arbeitszeiten besser zu den Öffnungszeiten des Kindergartens passen. Bitte was?

Der Alltag einer berufstätigen Mutter treibt dem Mann den Schweiß auf die Stirn

"Merkt der Mann was?", fragen NutzerInnen in den sozialen Netzwerken. Der Mann merkt natürlich nichts. Er beschreibt den Alltag beinahe jeder berufstätigen Mutter mit Schaudern und fragt sich, wie das eigentlich gehen soll. Die Realtität schaut halt so aus: Frauen leisten einen Großteil der unbezahlten Pflege-, Betreuungs- und Hausarbeit. Sie kümmern sich also um Kinder und ältere Verwandte, kaufen ein, kochen und putzen und organisieren das Familienleben. Diese Reproduktionsarbeit ist freilich nicht bezahlt. Und das hat weitreichende Folgen: Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, verdienen insgesamt weniger, haben schlechtere Karrierechancen und sind eher von Armut oder Armutsgefährdung betroffen. Die tatsächliche Lösung für dieses Ungleichgewicht liegt auch in einer gleichberechtigten Kindererziehung. In der haben Jammereien und Ansichten, wie die des klagenden Vaters, keinen Platz.

Die Väter in der Facebook-Gruppe sehen das zum Glück ähnlich. "Ein verantwortungsvoller Vater muss da durch", schreibt einer, "Ein Vater ist man eben 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr" meint ein Anderer. Einer diagnostiziert gar: "#dadjan hat folgendes Problem: Er ist nicht für die Vaterrolle geeignet, wenn er lieber Hobbies nachgehen will." Den meisten Postern fehlt das Verständnis für den jammernden Vater, sie nehmen ihre Rolle als Erziehungsperson ernst und tun zumindest im Internet so, als würden sie eine gleichberechtigte Erziehungsarbeit leben.

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