Ich-Bewusstsein

Jeder Mensch ist ein Individuum, das ist bekannt. Doch wieso ist das so? Sieht jeder Mensch die Welt aus einem anderen Blickpunkt? Wir verraten Ihnen die wichtigsten Facts.

Jeder Mensch besitzt ein Bild seines Selbst, das stabil und nur schwer wandelbar erscheint. Doch wozu ist es gut, ein "Ich" zu haben? Ganz einfach: Es ermöglicht uns, Gefühle und Handlungen zu steuern.

Während eine Person sich seit Monaten neben der Spur fühlt, viel grübelt und nicht wirklich weiß, wieso sie unter Beklemmungen und diesem Zustand leidet fühlt sich ein anderer dazu auserkoren, die Welt zu retten und fühlt sich außergewöhnlich begabt. Das Ich-Bewusstsein steuert unser Leben und vor allem, es steuert in welche Richtung es gehen soll.

Die Wissenschaften versuchen sich in verschiedenen Erklärungen, wie das Ich eigentlich entsteht und welche Auswirkungen es hat. Doch bei der Frage nach dem Kern unseres Menschseins sind sich die verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen alles andere als einig. Einig sind sie sich nur darüber, dass sich die menschliche Gattung vor allem durch ihr hoch entwickeltes Ich-Bewusstsein auszeichnet.

Außerdem ist man sich sicher, dass jeder Mensch die Welt höchst subjektiv wahrnimmt. Logisch eigentlich, denn man kann nicht erwarten, dass ein Millionär die Welt so sieht wie ein Sozialempfänger. Nachdem das Ich-Bewusstsein jahrhundertelang als rein geisteswissenschaftliches Problem galt, ist es in den vergangenen Jahren zunehmend zum Gegenstand knallharter empirischer Forschung geworden. Und deren Ergebnisse setzen Baustein für Baustein ein faszinierendes Bild des Ich zusammen.

Ob simple räumliche Maße oder komplexe soziale Eindrücke, etwa von dem Wesen unserer Mitmenschen oder dem Ablauf einer Situation - was wir wahrnehmen und wie wir es interpretieren, beeinflussen individuelle Faktoren: die Persönlichkeit, der eigene Körper, sogar Wünsche, Gefühle und Lebensumstände. Was immer das Ich ausmacht, prägt auch seinen Blick. Zu einem gewissen Grad ist die Welt, in der wir leben, für jeden eine andere.

Bisher wurde angenommen, dass das Ich-Bewusstsein in den Genen festgelegt ist. Ein Irrtum, denn die Persönlichkeit des Menschen ändert sich bis zu 30 Mal.

Durchgeführte Untersuchungen von Psychologen der University of California in Berkeley bestätigen, dass sich der Charakter eines Menschen erst im Alter von 50 Jahren festigt und nicht, wie bislang vermutet, schon mit 30.

Damit das Ich-Gefühl entsteht, müssen viele Areale des Hirns zusammenspielen. In den Cortex-Nervenzellen des Großhirns entstehen Inhalte des Bewusstseins und deren emotionale Bewertung. Als Motor des Ichs fungieren der Thalamus im Mittelhirn und die Formatio reticularis im Hirnstamm. Nur wenn sie funktionieren, sind Wachheit und Bewusstsein möglich. Sie arbeiten wie Dimmer, die das Bewusstsein mal mehr, mal weniger stark zum Leuchten bringen.
 

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