Hurts im Mode-Talk

Theo Hutchcraft und Adam Anderson stehen in erster Linie für ihre Musik. Als Synthie-Pop-Duo der Band Hurts sorgen sie stets für stilvolle Klänge. Jetzt auch mit neuem Album wie man weiß. Doch auch in Sachen Mode setzen sie bewusst Noten, nämlich ihre eigenen, wie sie im Modeinterview bestätigen.

Sie machen intelligenten Sound und sprechen darüber. Doch nicht nur von musikalischen Klägen werden die beiden Jungs von Hurts geleitet. Ihr Herz schlägt auch für die Mode und das zelebrieren sie. In Videos, mit Covers und auch im Alltag. Anstatt sich mit ihnen über die typischen Musik-Floskeln zu unterhalten, oder über ihr neues Album "EXIL", befragen wir sie einmal zu ihrer zweiten Leidenschaft - der Fashion.

Sonorous Stylenotes Hurts

Es ist Nachmittag. Also kurz vor dem Auftritt in der Wienern Arena. Und Hurts natürlich schon da. Sie geben Interviews, heißt es. "Noch fünf Minuten, dann haben die Jungs Zeit!". Also warte ich. Im Backstage-Bereich, wo es klassisch nach abgestandener Luft riecht und jeder Menge Endorphine im Raum schweben. Draußen scheint die Sonne. Noch, denn später, wenn es dunkel ist, wird die Bühne mit Licht überflutet werden ... doch zuvor kommen die Brit-Boys zum Talk. Wir sagen also: Platz nehmen und los geht´s:

Kate Fronius: Heute sprechen wir nicht nur über Musik - es ist ein Modeinterview, nur zur Vorwarnung. Deshalb hier die erste Frage an Euch: Wie stark seht ihr den Zusammenhang dieser beiden Welten - der Mode und der Musik?

Adam Anderson: Er ist definitiv sehr stark. Ich glaube es ist wichtig, wenn du eine Band oder ein Künstler bist, nicht nur deine Musik zu präsentieren. Denn man hat hier eine Möglichkeit eine ganze Phantasie zu teilen oder eine näher zu brignen. Ich sehe es auch als eine Art von Kommunikation und eine weitere Facette einer Band. So wie wir aussehen, wie wir uns präsentieren und so weiter.

Kate Fronius: Würdet ihr Style als Teil eurer Musik beschreiben, oder ist es eher ein Zusatzeffekt, ausgelöst durch Eure Persönlichkeiten?

Theo Hutchcraf: Beides ist wichtig. Stil und Musik, das sind wir einfach. Und wir wären, egal wie, solche Persönlichkeiten und würden so aussehen ... Aber es macht definitiv einen großen Teil der Band aus. Weil es uns beide ausmacht.

Adam Anderson: Er ist definitiv sehr stark. Ich glaube es ist wichtig, wenn du eine Band oder ein Künstler bist, nicht nur deine Musik zu präsentieren. Denn man hat hier eine Möglichkeit eine ganze Phantasie zu teilen oder eine näher zu brignen. Ich sehe es auch als eine Art von Kommunikation und eine weitere Facette einer Band. So wie wir aussehen, wie wir uns präsentieren und so weiter.

Kate Fronius: Das heißt, Ihr baut ganz bewusst eine Stilwelt um Euch herum auf?

Adam Anderson: Absolut!

Theo Hutchcraf: Ja, auf jeden Fall.

Kate Fronius: Steckt in Eurem Stil ein Grundgedanke?

Adam Anderson: Ich glaube, wir haben schon sehr früh damit begonnen uns in einer gewissen Weise zu inszenieren, schon als wir nicht berühmt oder bekannt waren. Wir haben es immer schon geliebt, sehr smart gekleidet zu sein und um so auch einen Weg einzuschlagen ernst genommen zu werden. Das hat uns natürlich auch geholfen eine gewissen Selbstsicherheit aufzubringen und Respekt von außen zu bekommen, selbst als wir noch kein Geld hatten und auch keine "Würde". Da hat das für uns begonnen. Als wir dann eine Platte bekommen haben und Videos gedreht haben, haben wir damit einfach weiter gemacht.

Theo Hutchcraf: Die Weg des Lebens sind verrückt - so wie wir uns entwickelt haben. Natürlich darüber gesprochen und alles basierte auf einer Art Styling-Strategie. Deshalb haben wir entschieden, es simpel zu halten, damit die Musik das Leben und die Farbe ist. Wir haben uns eigentlich absichtlich von diesem offensichtlichen Style-Effekt distanziert. Als wir damit jedoch an die Öffentlichkeit gingen, hatte das genau den gegenteiligen Effekt. Wir waren minimalistisch, um alles andere in den Vordergrund zu rücken und heraus kam genau das Gegenteil. Es ist wirklich sehr lustig, wie es sich letztlich entwickelt hat.

Kate Fronius: Wie würdet ihr also euren Style beschreiben - einfach nur minimalistisch, oder gibt es da noch mehr?

Adam Anderson: Wir tragen viel Schwarz.

Kate Fronius: Das ist mir schon aufgefallen.

Theo Hutchcraf: Wir mögen Simplizität. Und .... und ...

Adam Anderson: ... mit raffinierten Details. Ich mag sehr simple Kleidung, aber mit einem speziellen Twist.

Kate Fronius: Das könnte man auch als typisch Britischen Stil beschreiben, oder?

Adam Anderson: Auf jeden Fall!

Kate Fronius: Klassisch mit Highend-Finishes ... in diese Richtung?

Theo Hutchcraf: Es geht einfach um einen gewissen Chic. Wir machen jetzt Videos und da ist das sehr wichtig geworden. Das merkt man natürlich erst, wenn man mit Fotografen oder Regisseuren zusammenarbeitet.

Kate Fronius: Zu Euren Vorbilder zählen Depeche Mode, die Pet Shop Boys und Björg usw. - alles Bands, die Stark mit dem Effekt der Mode arbeiten. Habt ihr das Gefühl, dass Euch das mit ihnen verbindet?

Theo Hutchcraf: Das stimmt, man beurteilt jemanden dadurch. Eigentlich ist sehr eigenartig.

Adam Anderson: Ein Beispiel: Die Leute fällten bereits eine Entscheidung über uns, wer wir sind als wir das „wonderful life"-Video online gestellt haben. Zu diesem Zeitpunkt haben wir für rund sechs Monate keine Interviews gegeben und trotzdem wurden wir auf eine gewisse Weise bereits wahrgenommen - durch diese stumme Kommunikation der Mode.

Sonorous Stylenotes Hurts

Info: Das Cover des neuen Albums "EXIL".

Kate Fronius: Eure neue Platte ist schon visuell sehr melancholisch - ein optischer Schachzug, oder eine unbewusste Stilstrategie?

Adam Anderson:Richtig.Wir haben die Farben von eigentlich drei auf zwei reduziert. So sieht man nicht einmal mehr Grau auf dem Cover, vielleicht noch ein bisschen Weiß, aber hauptsächlich Schwarz. (grinst)

Theo Hutchcraf: Ja, die visuelle Seite ist sehr eigen. Das kommt aber schon alleine daher, dass wir jetzt wissen was Hurts ist. Und wir wissen wie wir damit umgehen sollen und dieses Album ist eine natürlich Steigerung daraus. Es ist nicht so, dass wir viel darüber geredet haben wie zu Beginn der Band, es ist auf natürliche Weise gewachsen. Das ist schön.

Kate Fronius: Und wie würdet Ihr heute Hurts beschreiben?

Adam Anderson:...puhhh.. das ist wirklich schwierig. Das ist so, als ob jemand sagt: Beschreiben Sie sich selbst!

Kate Fronius: Aber wenn Ihr beispielsweise drei Wörter dafür hernehmt - welche wären das?

Theo Hutchcraf: Hurts ist auf jeden Fall dunkler geworden. Nicht unbedingt auf eine schlechte Art. Es geht mehr darum, dass wir uns über unsere Grenzen hinausentwickelt haben.

Kate Fronius: ... sensibler?

Adam Anderson:Nein, gar nicht! Wir sind auf jeden Fall gewagter. Jeder Aspekt der Band ist jetzt gewagter, als beim ersten Album. Wir sprechen hier von dem natürlicheren Weg, so wie wir uns eben inszenieren. Mit mehr Statements. Wir zeigen jetzt mehr, worin unsere Interessen liegen.

Theo Hutchcraf: ... dunkler, gewagter, dramatischer.

Kate Fronius: .. die perfekten drei Worte! Aber ich muss noch auf ein anderes Thema zurückkommen. Das Wort Hipster steht derzeit überall im Raum - wie steht Ihr dazu?

Theo Hutchcraf: Also ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht wirklich, was ein echter „Hipster" ist. Naja, nicht so genau zumindest ...

Adam Anderson: Ja, was ist ein „Hipster" eigentlich ...

Kate Fronius: ... Ganz banal gesagt, es sind Leute, die Nicht-Mainstream-Mode mögen. Nerd-Brillen, Jute-Taschen tragen und so weiter. Aber eigentlich geht es um mehr - um eine Einstellung. Es geht darum Intellekt zu besitzen, der Mode und dem Leben gegenüber. Jeder beschreibt den „Hipster" heute anders ...

Theo Hutchcraf: Für mich sind Hipsters eigentlich nur Menschen, die Musik und Mode mögen. Der Term "Hipster" ist ja oft sehr schlecht behaftet - und das kommt natürlich daher, dass es, wie überall, auch hier echte und „fake-ones" gibt. Jene die wirklich Brillen tragen und alte Kameras mögen. Und die Falschen, die nur wollen es nur mögen (lacht).

Kate Fronius: Seht Ihr Euch selbst als Teil einer solchen Subkultur?

Theo Hutchcraf: Wir versuchen das Beste dem entgegen zu wirken und nicht in eine Kategorie zu fallen. Wir strengen uns da wirklich sehr an.

Kate Fronius: Um Euren Werten und Eurer Welt treu zu bleiben?

Theo Hutchcraf: Genau, das ist der Plan. Es ging uns immer darum wer wir sind. Als Menschen, ob vorher oder jetzt. Wir wollten schon immer als Individuen wahrgenommen werden.

Adam Anderson: Eigentlich in jedem Aspekt im Bezug auf die Band. Anfangs sollten wir einmal sollten wir einmal so, dann so aussehen. Wir haben jetzt das zweite Album heraus gebracht und haben diesen Forderungen nie entsprochen. Ich glaube, wir haben es geschafft unser eigene Ecke in der Welt zu finden, oder besser gesagt: unsere „Tasche", wo wir hineinpassen. Eine dunkle, wagemütigere, tiefere Tasche (lacht).

Theo Hutchcraf: Ich würde uns als eine Newton-Fotografie beschreiben.

Kate Fronius: ... ein schönes Bild, wortwörtlich! Noch eine Frage: Habt Ihr bestimmte Styleregeln, denen Ihr folgt?

Adam Anderson: Unser Fokus liegt auf Basics, würde ich sagen. Welche, die wirklich passen. Männer machen nämlich all zu gerne den Fehler, Dinge zu tragen, die ihnen nicht perfekt sitzen. Deshalb lieben wir auch maßgeschneiderte Kleidung. Da passt alles wie angegossen und die Materialien sind einfach herrlich. ... Also Basics, die passen.

Theo Hutchcraf: Außerdem gibt eigentlich nie einen Grund oder Anlass, nicht smart gekleidet zu sein. Man ist einfach niemals zu smart. Man kann eigentlich nie zu overdressed sein, für welchen Anlass auch immer.

Kate Fronius: Und Eure liebsten Outfits - in Schwarz natürlich wie wir jetzt wissen?

Adam Anderson: Bei mir ist es ein Mantel. Ein Dries van Noten-Mantel. Er hat mich mehr gekostet, als alles, wofür ich bis jetzt Geld ausgegeben habe. Aber er ist einfach perfektund wie für mich gemacht. In meiner Vorstellung ist er das perfekte Kleidungsstück, dieser lange Mantel ... ich liebe ihn.

Kate Fronius: ... der vom Cover?

Adam Anderson: Ganz genau! (grinst)

Kate Fronius: Und Dein Lieblingsteil, Theo?

Theo Hutchcraf: Hmmm... Also es gibt da ein Teil, das ich wirklich schon ewig habe. Es ist ebenfalls ein Mantel. Einer von Dior Monsieur-Mantel. Er ist wirklich sehr alt, um genau zu sein. Ich habe ihn von einem Charity-Shop und er hat mich nur 15 Pfund gekostet. Ich habe ihn in der Gegend, wo meine Eltern leben, gekauft, als ich sie besucht habe. Das ist circa sieben Jahre her. Und ich habe ihn seither. Er ist einfach so brillant. Und immer wenn ich ihn trage, werde ich darauf angesprochen. Wenn ich den Leuten dann erzähle, woher ich ihn habe, kommt dann ein: ahhhhh..... und obwohl er so alt ist - er sieht noch immer so toll aus.

Adam Anderson: ... er trägt ihn wirklich ständig. (grinst)

Theo Hutchcraf: Ja, ich mag es nicht Teile wegzuschmeißen. Alles was ich habe, habe ich lange ...

Kate Fronius: Sehr aufschlussreich, danke Euch für Eure Zeit und einen wundervollen Auftritt.

... das ist jetzt genau eine Woche her. Und trotzdem überraschen und die Brit-Boys heute wieder mit einem schönen Stück. Nämlich ihrem neuen, aber auch sehr kontroversen Video. Wie die Band schon sagte: Das neue Album ist gewagter. Und auch das blaue Auge, dessen Spuren auch beim Konzert in Wien noch sichtbar waren, erklären sich hier. "BLIND" - ansehen auf eigene Gefahr ...

 

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