Hundetraining in Zeiten der Pandemie

Hundeschule

Tierheime vermeldeten während der Corona-Pandemie Rekordabgaberaten, seriöse Züchter waren kaum mehr in der Lage, die Nachfrage nach Rasse-Welpen abzudecken, was wiederum unseriöse Vermehrer auf den Plan rief. Wie hat sich dieser Hunde-Boom im Homeoffice auf Euch als Hundetrainer:innen ausgewirkt?

Bianca Oriana Willen: Es gibt hier wie immer, zwei Seiten der Medaille: einerseits kam es zu vielen unüberlegten Hundeaufnahmen, als Konsequenz füllen sich die Tierheime bereits wieder, da die meisten Menschen wieder regulär ihrer Arbeit nachgehen und den Bedürfnissen des Hundes nicht mehr gerecht werden können.

Auf der anderen Seite nutzten viele Menschen, die sich schon länger – also auch schon vor Corona - mit der Aufnahme eines Hundes beschäftigt haben, die Möglichkeit, endlich lange genug zuhause sein zu können, um einen Welpen oder auch einen Tierschutzhund in Ruhe einzugewöhnen. Diese Menschen haben meist auch einen Plan, der für die Zeit nach Corona ein artgerechtes Leben für den Hund bietet. Viele dieser Menschen haben wir ein Stück des gemeinsamen Weges mit Hund begleitet und bei auftretenden Problemen unterstützt.

Und ja, die Nachfrage war teilweise so hoch, dass wir diese kaum mehr abdecken konnten. Aber wir haben unser Angebot angepasst, Zusatzkurse geschaffen und konnten so alle InteressentInnen, die uns kontaktiert haben, abholen. Und während der Maßnahmen, die nur Einzeltraining erlaubt haben, waren wir mit Maske und entsprechendem Abstand bei den KundInnen und haben uns auch im Winter viel in Gärten aufgehalten…

Gibt es denn eigentlich spezielle Themen bei den sogenannten Corona-Hunden?

Tatsächlich gibt es die, ja. Man muss sich vorstellen, dass während eines Zeitraumes von fast 1,5 Jahren kaum Besuche zuhause empfangen wurden, es gab keine Gastronomie d.h. es war nicht oder zumindest nur sehr eingeschränkt möglich, mit den neu eingezogenen Hunden solche Alltagssituationen zu üben. Viele Kunden kontaktieren uns aktuell genau wegen solcher Themen und unsere Aufgabe ist es nun, mit diesen Mensch-Hund-Teams kleinschrittig „normale“ Alltagssituationen zu erarbeiten. Es ist ja jetzt auch auf den Straßen wieder viel mehr los, wir müssen unseren Hunden Zeit und Raum geben, sich an diese – für sie neuen Gegebenheiten – anpassen zu können. Wenn wir das nicht tun, kreieren wir uns eine ganze Generation unverschuldet hochreaktiver Hunde.

Wenn ich als Neuhundebesitzer auf der Suche nach einer passenden Hundeschule bin, werde ich mit einer Überfülle an Angeboten konfrontiert. Könntest du kurz zusammenfassen, was die besonderen Kennzeichen der Hundeschule Willenskraft sind?

Unser Training folgt einem ganzheitlichen Ansatz und ist darauf aufgebaut, dass bestimmte Parameter im Leben eines Hundes erfüllt sein sollen, damit Fortschritte überhaupt möglich werden. Wir sehen uns zu Trainingsbeginn gemeinsam mit dem Hundehalter/der Hundehalterin an, wie der Gesundheitszustand des Hundes ist (tierärztlich überprüft), welche Nahrung erhält der Hund und wie verträgt er diese, ist der Hund körperlich und geistig ausgelastet (oder vielleicht über- oder unterbeschäftigt), wie lange ist er täglich allein, hat er ausreichend Ruhephasen, welches Equipment wird verwendet etc.

Training kann nur erfolgreich sein, wenn alle Grundbedürfnisse des Hundes gedeckt sind. Ein kranker, übermüdeter oder dauergestresster Hund ist definitiv nicht in der Lage, Lerninhalte aufzunehmen.

Wenn wir in das gemeinsame Training starten, sind wir stets darauf bedacht, einen individuellen Plan für jedes Mensch-Hund-Team zu entwickeln. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, unsere Aufgabe als TrainerInnen ist es, herauszufinden, was für Mensch und Hund im Moment möglich ist und darauf aufzubauen.

Was ist mit Equipment gemeint? Das österreichische Tierschutzgesetz regelt ja umfassend, was erlaubt und was nicht erlaubt und somit tierschutzrelevant ist. Wenn ich jetzt für meinen Hund ein normales Halsband oder ein Brustgeschirr besorge, was daran kann Einfluss auf den Erfolg des Trainings haben?

Welche Trainingsausrüstung man verwendet, hat durchaus Einfluss z.B. auf das Verhalten des Hundes an der Leine. Wenn ich einen 12 Wochen alten Welpen, der bisher kein Halsband getragen hat, mit einem 1cm dünnen Halsband ohne gut aufgebautes Leinentraining an einer kurzen Leine führe, wird er durch altersgemäßen Überschwang öfter mal ins Halsband laufen, dies führt zu dem inzwischen wohl weitläufig bekannten Druck und Schmerz im Halsbereich. Und dies wiederum führt häufig dazu, dass der Welpe ungern an der Leine geht, weil er sich natürlich merkt, dass Leine gehen schmerzhaft ist. Oder nimm ein Brustgeschirr, das nicht gut sitzt, beim Gehen die Schulter einschränkt, ständig scheuert oder bei leichtem Zug auf der Leine nach hinten rutscht und auf die Lendenwirbelsäule drückt. All das führt nicht nur zu momentanem Unwohlsein des Hundes, sondern kann sich bei längerem Bestehen sowohl gesundheitlich als auch auf das Verhalten auswirken.

Ihr bietet auch viele Gruppenkurse an, ist es hier denn überhaupt möglich, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen?

Wir arbeiten in Klein- und Kleinstgruppen, d.h. wir bieten z.B. Welpenkurse mit maximal 4 TeilnehmerInnen und das Welpen-Alltagstraining oder Begegnungstraining mit nur 2 TeilnehmerInnen an. Natürlich ist ein Gruppentraining trotzdem nicht mit einem Einzeltraining gleichzusetzen, aber durch die geringe Anzahl der Mensch-Hund-Teams schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass spezielle Themen mitberücksichtigt werden können. Zusätzlich stimmen wir bei Welpen-Alltagstraining, Begegnungs- oder Junghundetraining die Teams schon im Vorfeld bestmöglich ab, um optimale Bedingungen für alle zu schaffen.

Die Willenskraft Akademie bietet seit 2019 eineHundetrainer-Ausbildungan. Welche Qualifikationen erlangen die AbsolventInnen im Zuge der Ausbildung?

Auch hier folgen wir dem ganzheitlichen Ansatz, der unsere angehenden Trainerinnen und Trainer nicht nur darauf vorbereitet, Hunde zu trainieren, sondern auch darauf, mit unterschiedlichen Menschen zu arbeiten und deren Bedürfnisse zu erkennen. Denn die Menschen sind es, die mit ihren Hunden zusammenleben, es würde keinen Sinn machen, wenn wir nur deren Hunde trainieren, wir trainieren das Team.

Um diese Aufgabe bestmöglich zu erfüllen, erhalten unsere Trainer eine umfassende Ausbildung rund um die Themen Biologie des Hundes, Ernährung, Hundeverhalten, Equipment, Hunde-Training in Theorie und Praxis sowie Schulungen zum Thema Persönlichkeitsentwicklung und Kommunikation.

Denn um bestmögliche Leistungen als Hundetrainerin und Hundetrainer zu erbringen, ist neben dem tiefgreifenden Verständnis der Hundepsyche und gewaltfreier Trainingsmethoden auch die Kenntnis und Entwicklung sowohl der eigenen Persönlichkeit als auch der vielfältigen Persönlichkeiten, mit denen wir im Training zusammenarbeiten, absolute Grundvoraussetzung.

 

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