Hubert von Goisern über Jörg Haider und den Film "Brenna tuat's scho lang"

Goiserns berühmtester Sohn erzählt von seinen Kampf mit dem anderen berühmten Goiserer, Jörg Haider, wie sich der Hallstätter Bürgermeister „ins Hemd geschissen hat“ und warum er den Film über sein Lebenüberhaupt nicht wollte.


WIENERIN: Der Film „Brenna tuats scho lang“ startet jetzt im Kino. Wie viel Bedeutung hatte es für Sie, diesen Film überhaupt zu machen?


Hubert von Goisern: Spontan gesagt: gar keine. Hage (von Goiserns Manager HageHein, Anm.) wollte den Film machen zu meinem 60er. Dann hat er ein Jahr lang dran gearbeitet, mich gebeten, mir den ersten Rohschnitt anzusehen - und ich hab gebettelt, es mir nicht anschauen zu müssen…


Weil?

Ja, weil: Es interessiert mich nicht. Erinnerungen haben etwas Intimes und die will ich eigentlich nicht öffentlich teilen. Und in dem Moment, wo man kritisch mit dem Erfolg umgeht, wirkt das total kokett in der Öffentlichkeit und wenn man unkritisch damit umgeht, ist es a deppat…


Also Sie dachten, Sie können nicht wirklich gewinnen…

Genau, also dachte ich: Je weniger ich damit zu tun habe, desto besser. Aber Hage hat mich dazu gezwungen, dass ich mir es ansehe - und ich war entsetzt. Aber dann hat Hage den Rosi (Markus Rosenmüller, Anm.) gefunden. Und in dem Moment hab ich mich irrsinnig gefreut, weil ich mag seine Filme, der Typ selbst ist so lässig und unkompliziert und gescheit und wachsam…


Und sind Sie jetzt zufrieden?

Ich hab ihn noch nicht gesehen..


Echt nicht?

Nein, aber ich freue mich, weil alle sagen, dass er lässig ist …


Ein sehr markanter Satz von Ihnen im Film ist: „Der Name von Goisern war eigentlich ein Racheakt an Goisern“. Wie geht es Ihnen heute mit Goisern?

Diese Aussage war schon ein bisschen Spiel mit dem Gedanken, dass man das es so interpretieren kann. Ich hab mich so genannt, weil ich damals Sullivan hieß – wie meine damalige Frau. Und ich dachte, ich kann diese Musik, die im Kern auf den Traditionen der Volksmusik aufgebaut ist, nicht als Sullivan spielen. Und wollte das auch nicht. Und es ist dann fast von selbst entstanden, dass bei den Ansagen im Roten Engel in Wien immer hieß: „Das ist der Hubert – von Goisern“, eher als Herkunfts-Bezeichnung. Ein Journalist hat das aufgeschnappt und so ist das entstanden. Erst im Nachhinein ist mir gekommen, dass ich Ihnen (den Goiserern, Anm.) da richtig was z‘fleiß tun könnte.


Aber das Hadern mit Goisern, mit der Enge, der Tradition – das kommt stark raus. Wie geht es Ihnen also heute mit Goisern?

Ich hab mich immer wohl gefühlt in Goisern, aber es gab einen kleinen Prozentsatz der Goiserer, der mit mir gehadert hat. Das waren erst einmal die Fundis aus der Volksmusik. Und dann gab es die politische Dimension. Das war in der Zeit, als Jörg Haider ganz oben war, er hatte in der Zeit in Goisern über 30 Prozent Wählerstimmen gehabt und ich hab an ihm kein gutes Haar gelassen. Bei jedem Konzert habe ich gesagt, dass ich mich schäme, dass er auch ein Goiserer ist. Und das fanden viele falsch - man beschmutzt keinen anderen Sohn. Und ich hab drauf gesagt: Der beschmutzt sich eh selbst, ich sag nur, schaut auf den Dreck. Das hat mich diese Sympathien gekostet. Aber jetzt ist er eh an die Wand gefahren – im wahrsten Sinne des Wortes und diese Volksmusik-Fundis sind auch schon fast alle ausgestorben - das heißt, es hat sich jetzt alles beruhigt.


Der Hallstätter See zieht sich wie ein roter Faden durch den Film, Sie wurden dort auf einer Zille gefilmt. Hallstatt hat ja eine einzigartige Geschichte als Weltkulturerbe. Grund genug für viele asiatische Touristen, es zu besuchen, China baute Hallstatt sogar 1:1 nach. Manche Hallstätter fühlen sich aber mittlerweile bedrängt durch die Touristen, weil Chinesen offenbar alles als Museum sehen und überall reingehen... Wie sehen sie diese Entwicklung?

Naja, man kann Leute nicht ausschließen, wenn sie sich etwas Schönes ansehen wollen. Es ist ein unglaublich malerischer Ort und hat viel Magie. Ich war bei einem Welterbe-Kongress in Hallstatt da war auch ein Sinologe, der hat über die chinesische Kultur gesprochen hat. Es gibt ja viele Leute, die fragen sich, warum das solche Ferkel sind beim Essen oder sich eben so benehmen - in Häuser zu gehen, überhaupt keine Distanz zu haben. Und der Sinologe sagte: Die sind so. Wenn man sie darauf aufmerksam machen würde, wären sie total betroffen und würden versuchen, sich anders zu benehmen. Nur sagen kann es ja niemand, wegen der Sprache. Er hat sich damals angeboten, Flugblätter in Chinesisch zu schreiben, die man auch in Speisekarten einfügen kann. Doch der Bürgermeister wollte das nicht, er hatte Angst, dass deswegen zehn Touristen weniger kommen würden.


Weil sie es als Bevormundung erleben würden….

Ja, vielleicht. Ich hab in Hallstatt gespielt und ein paar Plakate mit dem Titel „Freiheit für Tibet“ in Chinesisch drucken lassen. Der Bürgermeister hat sich ins Hemd geschissen und es war auch keiner bereit die Plakate aufzuhängen. Ich denke mir: Die sind da, das kann man ihnen doch sagen, denn zu Hause kriegen sie so etwas ja nicht einmal über Medien kommuniziert. Es ist doch auch eine Chance, dass man in die Kommunikation tritt. Aber es will keiner kommunizieren, es wollen alle nur kassieren.


Ihre Single „Brenna tuats guat“ katapultierte Sie wieder in die Charts, Sie haben den Zeitgeist getroffen, Verschwendung kritisiert. Sind sie ein Wutbürger?

Ich kann es sein, aber ich versuche es so wenig wie möglich zu sein, weil ich Wut ein ungutes Gefühl ist. Es kann mir keiner erzählen, dass er glücklich ist, wenn er wütend ist. Natürlich kann ich mich über das eine oder andere aufregen, aber meistens sind es eher Kleinigkeiten, die großen Sachen machen betroffen und traurig. Aber wenn man sich reinsteigert, kann man sich über alles aufregen. Ob es was bringt, weiß ich nicht.


Es setzt sicher Energie frei…

Ja, aber dann schreist herum in deinen vier Wänden oder draußen …


Sie haben das Mittel der Öffentlichkeit. Roland Düringer hat auch nicht in seinen vier Wänden im Wohnwagen in Niederösterreich geschrien, sondern seine Wut öffentlich gemacht und so Aufmerksamkeit erregt …

Mobilisieren hat schon seinen Sinn, aber besser finde ich es für mich, wenn ich cool bleibe und dann wirklich was sagen kann, wo sich wer anderer gscheit aufregt. Herumschreien bringt nichts, das macht einen selbst doch auch klein. Ich finde es viel besser, cool zu bleiben und den Finger in die Wunden zu legen. Und vielleicht noch nachzustierln ... bis die anderen schreien. Aber nicht ich.

Hubert von Goisern im Interview mit WIENERIN-Chefredakteurin Barbara Haas

Hubert von Goisern im Gespräch mit WIENERIN-Chefredakteurin Barbara Haas

 

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