How To: Wie klärt man Kinder im Jahr 2019 richtig auf?

Sind Aufklärungs-Gespräche heute noch notwendig? Unbedingt! Wann und wie ihr am besten mit der Sexualerziehung loslegt, erfahrt ihr hier.

Sperma

Preisfrage: Wann sollten Kinder aufgeklärt werden? A: Spätestens mit sechs Jahren, damit sie wissen, wie Babys entstehen. B: So mit 13, wenn sie in die Pubertät kommen. C: Gar nicht - sonst kommen sie noch auf blöde Ideen. Alles falsch, sagt Sexualpädagogin Bettina Weidinger vom Österreichischen Institut für Sexualpädagogik : "Die Vorstellung, dass es irgendwann den richtigen Zeitpunkt für ein 'Du bist jetzt erwachsen'-Aufklärungsgespräch gibt, ist ein Mythos. Aufklärung sollte laufend stattfinden. Das tut sie unausgesprochen sowieso."

HOW TO DO: Aufklärung

Ein zehnjähriges Kind hat - ob es den Eltern nun bewusst ist oder nicht - auf einer impliziten Ebene zehn Jahre lang Sexualerziehung durch sein Umfeld erlebt. Es hat mitbekommen, ob sein Körper etwas Wertvolles ist oder nicht, ob Geschlechtsorgane etwas Peinliches sind oder ganz normal und wie mit Beziehungen und Gefühlen umgegangen wird. Trotzdem gibt es natürlich Themen, die man ihnen gegenüber klar ansprechen sollte, und das schon ab dem Kleinkindalter. Was ist in welchem Alter wichtig? Ein kurzer Überblick:

Unter 6.

Kinder sollten erfahren, wie ihre Geschlechtsteile heißen, Körperbücher zum Anschauen bekommen, Geschichten über die Geburt kennenlernen und immer wieder hören, dass ihre Körper in Ordnung sind. Bei Bedarf ist es auch gut, ihnen die sozialen Regeln in Bezug auf Sexualität zu vermitteln, also zum Beispiel, an welchen Orten es akzeptiert ist, sich an Penis oder Scheide zu fassen, und wo man es besser lässt (etwa in der Öffentlichkeit).

6 bis 9.

Volksschulkinder mögen Fakten - daher Fragen wie "Wo kommen die Babys her?" klar und biologisch korrekt beantworten. Bettina Weidinger erklärt: "Volksschulkinder sehen das ganz pragmatisch mit einer Art wissenschaftlicher Neugier. Sie brauchen klare Antworten. Umschreibungen wie 'Wenn zwei Menschen sich ganz fest lieb haben' kann man weglassen." Auch, wenn es um das Thema Pornos geht, rät die Pädagogin dazu, einen ruhigen Kopf zu bewahren: "Pornos sind mittlerweile in den Volksschulen angekommen. Das heißt nicht, dass alle Kinder sie schauen, aber es kann sein, dass Ihres damit konfrontiert wird." Da panisch und verurteilend zu reagieren würde allerdings nur bewirken, dass das Kind nicht mehr darüber spricht. Genau das wäre aber wichtig.

9 bis 14.

Spätestens jetzt körperliche Veränderungen thematisieren und über Hygiene sprechen. Weidinger: "In der Zeit verändern sich die Kinder total schnell von süß und gut riechend zu weniger süß und nicht so gut riechend. Den Prozess muss man positiv begleiten." Das hat den bestärkenden Nebeneffekt, dass die Kinder ihre Körper besser kennenlernen und die Veränderungen gut ins Körperschema, also das innere Bild vom eigenen Körper, integrieren. Gut eignen sich auch Bücher, Broschüren und sinnvolle Online-Angebote, und wenn Themen auftauchen: normalisieren statt moralisieren.

14 Plus.

Wenn notwendig das Thema Verhütung ansprechen, aber nichts erzwingen. Wenn die Kinder nicht reden wollen, darauf achten, dass sie jemanden haben, an den sie sich wenden können. Zugriff zur e-card ermöglichen, damit sie selbst zum*r Arzt/Ärztin gehen können, und keine blöden Witze zu ihrem Liebesleben reißen -unpassend!

 

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