"Hört auf, Krankenpflegerinnen zu sexualisieren!"

Eine Krankenpflegerin aus Deutschland macht auf Twitter ihrem Ärger Luft. Und spricht ein wichtiges Thema an.

Ob als Halloween-Kostüm, in Pornos oder auf Werbeplakaten: die "Krankenschwester" wird seit Jahrzehnten zum Sexobjekt stilisiert. Dass das reale Auswirkungen auf den Berufsalltag von Krankenpflegerinnen hat, wird jedoch weniger häufig thematisiert. Die Krankenpflegerin Saskia macht deshalb auf Twitter ihrem Ärger darüber Luft, und erzählt von alltäglichen Übergriffen und Belästigungen.

"Schon während meiner Ausbildung gab es mehrere Situationen in denen ich durch Patienten belästigt worden bin. Aussagen wie ,Sie können mich ja auch mal daheim pflegen' sind da noch harmlos", schreibt die Pflegerin aus Heidelberg. "Übergriffe können subtil sein, zum Beispiel in der Form dass ein männlicher Patient es nicht für nötig hält eine Unterhose unter sein Flügelhemd zu ziehen und dies permanent offen zu lassen, so dass man jedes Mal beim Betreten seines Zimmers ,alles' sehen kann." 

Doch die Belästigungen seien meist weitaus schlimmer: "Kommentare die den Beruf herabsetzen und sexualisieren, bis hin zu körperlichen Übergriffen sind keine Seltenheit. Aber als wäre das nicht schlimm genug, kommt hier das wirkliche Problem", schreibt Saskia. Das Schlimmste daran sei nämlich, dass erwartet wird, Krankenpflegerinnen müssten das einfach so hinnehmen. ",Hab dich nicht so'  ist nur eine von wenigen Aussagen, die ich als Reaktion auf das Aussprechen/Ansprechen solcher Taten bekam."

"Krankenpflege ist nicht erotisch"

Victim-Blaming begegnet ihr daher häufig. "Ich will keine verzerrte Darstellung von Krankenpflegerinnen in Lackkostümen/Kleidchen, wenn ich ,Krankenschwester' bei Google eingebe. Und ich will dass es aufhört selbstverständlich zu sein anzügliche Bemerkungen in unserem Arbeitsumfeld zu äußern", fordert die Krankenpflegerin. "Krankenpflege ist nicht erotisch. Sie rettet Leben, sie ist eine Profession, sie ist die pure Verantwortung und ein Haufen voll Fachwissen. Sie ist nicht sexy und das soll sie auch nicht sein. Akzeptiert das endlich."

Mit Erotik habe der Beruf nämlich gar nichts zu tun. Vielmehr mit Burnout-Risiko, Stress und Unterbezahlung. Eine aktuelle Umfrage der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hat gezeigt: der Anteil der Krankenpflegerinnen und –pfleger, die sich bei der Arbeit oft gehetzt fühlen, liegt bei 80 Prozent. Der Anteil der Beschäftigten in der Krankenpflege, die „häufig Abstriche bei der Qualität ihrer Arbeit machen, um die Arbeitsmenge bewältigen zu können“, liegt bei 49 Prozent. Und nur rund ein Fünftel der Beschäftigten kann sich vorstellen, bis zur Pension so zu arbeiten.

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