Hört auf das Wort „Resting Bitch Face“ zu verwenden

Ja, wir schauen manchmal grantig, aber dieser Tatsache einen frauenspezifischen Namen zu geben, hat einfach nichts Emanzipatorisches.

„Wieso schaust’n schon wieder so grantig?“, „Lach doch mal!“ oder „Ist alles okay mit dir? Du schaust so traurig!“. Aufforderungen weniger grimmig zu schauen, können unterschiedlichen Ausprägungen eines bevormundenden bis besorgten Tons daherkommen, und sind – da sind wir uns glaub‘ ich alle einig – immer unnötig. Glücklicherweise wird es in letzter Zeit vermehrt thematisiert, dass weibliche Gesichter nicht nur zur Belustigung ihrer Beschauer in diese Welt gesetzt wurden, und es einfach niemanden etwas angeht, ob ich gerade Lust habe, zu Lächeln oder nicht. Männern wird einfach nicht permanent gesagt, dass sie doch mal lächeln sollen, weil wir nicht gelernt haben, dass ihre Körper unser zu objektivierendes Eigentum und ihre Emotionen unseren Bedürfnissen unterzuordnen sind. Hat was mit dem Patriarchat, männlichem Blick, weiblicher Sexualität zu tun… ihr kennt euch aus.

Niemand will mehr lachen

Darüber haben auch wir schon geschrieben, und wir freuen uns sehr, dass „Sag mir nicht, dass ich lächlen soll!“-Artikel gerade wie Schwammerl aus dem Boden sprießen (zum Beispiel hier, hier und hier) und diesen Sachverhalt zum Teil des medialen Diskurses machen. Was wir nicht so geil finden, ist, dass dabei oft das Wort „Resting Bitch Face“ verwendet wird. „Resting Bitch Face“ ist ein neumodisches Wort („neumodisch“ ist übrigens ein altmodisches Wort für Sachen, die im Internet geboren sind) für das Phänomen, dass manche Leute als sehr grantig wahrgenommen werden, wenn sie eigentlich neutral drein schauen. Diese „Leute“ sind meist Frauen, wie zum Beispiel Victoria Beckham und eigentlich auch alle anderen Vagina-besitzenden Personen auf diesem Planeten. Und eben Kanye West, aber das ist eine andere Sache. Zum „Resting Bitch Face“ gibt es mittlerweile eine ein bisschen pseudo-wissenschaftliche Erklärung, dass man erst als grantig wahrgenommen wird, wenn eine sogenannte FaceReader-Technologie über 5,67 Prozent Verachtung im angeblich neutralen Gesichtsausdruck festmachen kann. Und davon sind laut „Wissenschaft“ Männer wie Frauen gleichermaßen betroffen.

Bisschen biologistischer Blödsinn, dieses Resting Bitch Face

Wenn man jetzt mit Frauen über das Phänomen „Resting Bitch Face“ spricht, fühlen sich immer irgendwie alle angesprochen. „Oh mein Gott, endlich gibt es ein Wort für etwas, das ich schon mein ganzes Leben erlebt habe! Mein Gesicht ist nun mal so geboren! Science! Dabei hasse ich gar nicht alles!“ Jede glaubt, von diesem "Phänomen" betroffen zu sein. Weil jeder schon mal gesagt wurde, doch zu lächeln. Newsflash: Ich glaube ihr seid nicht mit einem Resting Bitch Face, sondern mit einer fetten Portion Patriarchat geboren. Und das Ärgerliche daran ist, dass Artikel, die eigentlich emanzipatorisch gemeint sind, mit diesem frauenspezifischen Wort Frauen weiter stigmatisieren. Man braucht einfach kein eigenes Wort um zu beschreiben, wie grantig oder neutral oder bitchy Frauen dreinschauen. "Resting Bitch Face" ist die wortgewordene Erwartungshaltung an Frauen, freundlich zu schauen. Kommentare, die entlang der Linie "Sag mir nicht, dass ich lächeln soll, ich bin halt mit meinem Resting Bitch Face geboren" argumentieren, lenken vom eigentlichen Problem ab. Können wir uns einfach darauf einigen, das Aussehen von Frauen nicht mehr so oft zu thematisieren? Danke.

Teresa schaut grantig auf Twitter: @teresahavlicek

 

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