Hochschwanger in Zeiten von Corona: „Ich versuch, nicht darüber nachzudenken“

Marta ist in der 40. Schwangerschaftswoche, am heutigen Freitag ist der Geburtstermin für ihr zweites Kind. Wie geht es ihr zwischen Vorwehen und Corona-Nachrichten?

Hochschwangere Frau in Schwarz-Weiß

Als wären die letzten Tage vor einer Geburt nicht auch ohne Corona-Virus aufregend genug: Die ersten Vorwehen, für viele wird es körperlich noch einmal richtig anstrengend, die Gedanken kreisen zwischen Vorfreude, Ungeduld und „bleib doch noch ein bisschen“.
Marta erlebt ihre letzte Zeit als Schwangere in genau dieser Ausnahmesituation: Sie erwartet dieser Tage ihr zweites Kind. Die 31-Jährige gilt als Risikoschwangere, ihre erste Tochter kam als extremes Frühchen zur Welt. Deshalb war sie für die Geburt im AKH Wien angemeldet, eine Routinemaßnahme bei Risiken für Mutter oder Kind. Nachdem die Schwangerschaft aber nun über die 30. Woche hinaus normal verläuft, kann Marta nun im Krankenhaus ihrer Wahl gebären. Nicht erst, seitdem dort medizinisches Personal positiv auf den neuartigen Corona-Virus getestet wurde, ist sie froh über diesen Zustand: „Bei meinem letzten Vorsorgetermin vor zwei Wochen wurden ich relativ schnell durchgewunken. Da hat man schon gemerkt, die Ärzte haben nicht so viel Zeit.“
Weil sie auf Grund ihrer medizinischen Vorgeschichte privat versichert ist, wird Martas Kind nun in einer Privatklinik zur Welt kommen. „Das beruhigt mich schon – im AKH könnte es zum Beispiel sein, dass die Wochenbettstation komplett schließen muss.“ Über mögliche Einschränkungen wegen der Ansteckungsgefahr mit Covid-19 hat sie sich auf der Website der Klinik informiert: Ihr Partner darf aktuell mit in den Kreißsaal, das ältere Kind hat für die gesamte Aufenthaltsdauer von Mama und neuem Geschwisterkind Besuchsverbot – das stellt die Eltern vor eine Herausforderung: „Mila weiß noch nicht, dass sie nicht ins Krankenhaus kommen kann. Abgesehen davon müssen wir wohl oder übel auf die Großeltern zurückgreifen, damit sie auf Mila aufpassen, wenn es losgeht. Auch, wenn wir das eigentlich umgehen wollen, aber es gibt keine Alternative.“

Wenn Oma und Opa doch auf das ältere Geschwisterkind aufpassen müssen

Das ist nicht die einzige Überlegung rund um die Geburt, die Marta und ihren Partner aktuell beschäftigt: Trotz Privileg der Privatklinik ist eine Unsicherheit gegeben. „Es wäre super, wenn es jetzt bald losgehen würde, einfach weil die Infos sich jeden Tag überschlagen und ändern. Die Frage wird auch sein, wie schnell ich das Krankenhaus verlassen kann. Wenn die Geburt ambulant verläuft, ich also gleich danach wieder heimgehe, muss ich mir für die erste Mutter-Kind-Pass-Untersuchung schon nach ein paar Tagen einen Kinderarzt suchen. Das heißt wieder: ein Warteraum voller Menschen.“

Sind diese Herausforderungen aber gemeistert, sieht Marta die Zeit nach der Geburt entspannt: „Wir haben schon viel vorgeplant, Wochenbett ist ja auch ein bisschen wie Quarantäne. Mein Mann hat zwei Wochen Urlaub und ist danach im Papamonat, wir sind also vorbereitet.“ Momentan geht sie auch davon aus, dass ihre Nachsorgehebamme, die in der Nähe wohnt, wie geplant vorbeikommen kann.

„Ich versuche, positiv zu bleiben. Ich bin froh, dass ich termingerecht ein gesundes Kind auf die Welt bringen werde und keine Frühgeburt habe, wo die medizinischen Anforderungen ganz anders sind. Prinzipiell ist eine Geburt eine Geburt. Ich glaub, man muss entspannt bleiben, sonst bringt das alles nix.“ Bei der Kontrolle am heutigen errechneten Geburtstermin waren die Vorsichtsmaßnahmen im Krankenhaus unübersehbar: Bei Marta wurde Fieber gemessen, sie musste einen kurzen Fragebogen mit Angaben zu möglichen Symptonen von Covid-19 ausfüllen. Mögen das die einzigen notwendigen Maßnahmen bleiben.

 

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