Hochbegabte Männer landen in der Wissenschaft, hochbegabte Frauen im Haushalt

Rund 2 % der Bevölkerung ist hochbegabt. Bei Männern bzw. Jungs wird dies aber viel öfter erkannt als bei Frauen und dementsprechend gefördert. Woran liegt das?

Hochbegabte Männer landen in der Wissenschaft, hochbegabte Frauen im Haushalt

Bei Hochbegabten spricht man von Menschen mit einem IQ über 130, allerdings beinhaltet Hochbegabung in vielen Fällen noch mehr. Andrea Brackmann, eine der bekanntesten deutschen Autorinnen zu diesem Thema, drückt es so aus: Hochbegabung ist ein Mehr von allem – Denken, Wahrnehmen, Fühlen. Es beschreibt eine komplexere Persönlichkeitsstruktur.

Bin ich hochbegabt?

Bei Frauen sind die Anzeichen für eine Hochbegabung oft andere, als bei Männern. Das liegt daran, dass wir anders erzogen werden, uns andere Werte etc. anerzogen werden. Viele hochbegabte Frauen erkennen sich in den folgenden Punkten wieder:

  • Beruflich fühlen sich diese Frauen schnell unterfordert, ihr Wissensdurst ist unstillbar und sie haben Interesse in den unterschiedlichen Gebieten, die nicht unbedingt zusammengehören. Deshalb tun sie sich schwer, einen passenden Beruf zu finden. Es fällt ihnen schwer, sich für einen Bereich zu entscheiden oder sie zweifeln dann stark an ihren Fähigkeiten dafür.
  • Sie durchschauen Manipulationsversuche und Lügen schnell und fordern unbedingte Ehrlichkeit. Deshalb meiden manche Menschen ihren Umgang. Außerdem reagieren sie sehr sensibel auf Machtmissbrauch.
  • Obwohl sie sehr ausgeprägte Fähigkeiten haben, leiden sie unter starken Selbstzweifeln. Wenn sie dann erfolgreich sind, glauben sie eher, dass es an Zufällen oder Glück liegt und nicht an ihnen.
  • In Partnerschaften neigen sie dazu sich unter Wert zu verkaufen, sich um ihre Partner*innen finanziell zu kümmern oder die größeren Belastungen auf sich zu nehmen. Sie glauben, dass sie nicht mehr verdienen.
  • Sie hassen Smalltalk.
  • Hochbegabte Frauen stehen oft ungern im Mittelpunkt und ziehen sich dann auch mal ohne Vorwarnung zurück.

Unerkanntes Genie

Manch eine mag das nun lesen und sich wiedererkennen, aber noch nie gehört haben, dass sie hochbegabt sein könnte. Damit ist sie nicht allein. Denn Hochbegabung wird bei Frauen viel seltener erkannt, als bei Männern. Das beginnt bereits in der Kindheit. Hochbegabte Kinder sind in der Schule unterfordert. Das äußert sich bei Buben oft darin, dass sie Schulverweigerer, Unruhestifter, Klassenclowns sind.

Mädchen hingegen ziehen sich zurück, resignieren, bleiben unauffälliger. Sie wurden dazu erzogen, nicht aufzufallen und bleiben daher ruhig. Lehrer*innen erkennen deshalb die Hochbegabung von Mädchen viel seltener, obwohl genau so viele Frauen wie Männer hochbegabt sind. Das führt dazu, dass diese nicht besonders gefördert werden.

Natürlich gibt es hochbegabte Frauen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst. Doch beim Großteil ahnt niemand etwas von ihrer Hochbegabung. Sie wirken im Hintergrund, stehen zum Beispiel hinter erfolgreichen Männern oder erziehen schwierige Kinder. Es sind Frauen, die den Familienbetrieb managen oder sich im Ehrenamt engagieren.

Identitätskrise

Für Frauen im Hintergrund ist es besonders schwierig, bei sich selbst eine Hochbegabung zu vermuten, schließlich definieren sie sich nicht durch ihre Leistung. Allerdings fühlen sie sich immer ein wenig anders, nicht passend. Nicht zu wissen, woran das liegt, kann das Leben ins Ungleichgewicht bringen. Ein bisschen, wie wenn man sich seiner sexuellen Orientierung nicht bewusst ist.

Je eher man also davon wegkommt, Mädchen zu sagen, sie sollen ruhig und unauffällig sein, umso mehr hochbegabte Mädchen könnten erkannt werden. Das würde das Leben dieser Frauen signifikant verändern, ihnen aber auch mehr Chancen geben. Häufig wollen hochbegabte Frauen gar keine Höchstleistungen vollbringen. Aber gerade das Gefühl des Andersseins, ohne dieses erklären zu können, kann langfristig belastend und quälend sein.

 

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