H&M soll tonnenweise neue Kleidung verbrannt haben, um Platz zu machen

Laut einer dänischen TV-Doku soll die schwedische Modekette tonnenweise Kleidung noch vor dem Verkauf verbrennen. Das Unternehmen erklärt, es handle sich dabei ausschließlich um beschädigte oder gesundheitsschädliche Ware.

Die schwedische Modekette H&M und der dänische Textil-Riese Bestseller (mit Marken wie Vero Moda, Jack & Jones, Selected und Only) verbrennen neue Kleidung in Dänemark. Das berichtete jedenfalls das Magazin Operation X des dänischen Senders „TV2“ - und seitdem sorgt der Fall weltweit für Aufsehen.

Das Absurde daran: Seit Jahren wirbt H&M damit, alte Kleidung von KundInnen wiederzuverwerten. Kein Wunder also, dass dem Unternehmen jetzt Heuchelei vorgeworfen wird. Die Modekette habe im Zuge dieser Kampagne in den vergangenen vier Jahren 1.450 Tonnen Kleidung in Dänemark eingesammelt. Im gleichen Zeitraum haben sie aber rund 58 Tonnen Kleidung verbrennen lassen, berichtet „TV2“. Das sind cirka 30.000 Paar Jeans im Jahr. Mehrere MitarbeiterInnen von Verbrennungsanlagen haben dies dem Sender bestätigt. Es handele sich dabei um neue, ungetragene Kleidungsstücke, teils noch mit Preisschildern.

H&M bestritt zunächst die Vorwürfe, bestätigte sie aber dann

Das Unternehmen selbst sagte anfangs, an den Vorwürfen sei nichts dran. "Wenn sich Ware schlecht verkauft, schicken wir sie an andere Verkaufsstellen", betonte die Nachhaltigkeitschefin von H&M Dänemark. Als der Sender dann aber Dokumente aus den Verbrennungsanlagen und Bilder von Lastwagen-Lieferungen öffentlich machte, bestätigte man die Verbrennung. Die Kleidung sei jedoch nur aussortiert worden, wenn sie gesundheitsschädlich oder kaputt gewesen sei, so das Unternehmen. Laut internen Lieferdokumenten lässt H&M in Roskilde schon seit 2013 jedes Jahr durchschnittlich 12 Tonnen nagelneue Kleider verbrennen.

Doch das Argument, es handle sich ausschließlich um schadhafte oder schädliche Ware, wird von den JournalistInnen bezweifelt: Bei einem Test der Kleidung, die verbrannt werden sollte, ist kein Schimmelpilzbefall oder ein zu hoher Bleigehalt festgestellt worden. Deshalb nehmen die Doku-Filmer an, dass die Kleidung verbrannt wird, um mehr Platz für neue Ware zu schaffen. Vielmehr fand das TV-Team sogar einen viel höheren Bleigehalt im Reißverschluss einer H&M Jeans, die sie in einer Filiale in Kopenhagen gekauft hatten. „Der Bleiwert entsprach da einem Siebtel des Grenzwertes", teilte der Sender mit.

Das Schlimmste daran ist aber: damit sind sie offenbar nicht allein. Auch beim Modekonzern Bestseller sollen 49 Tonnen neuer Kleidung in einem Jahr verbrannt worden sein. Dabei handele es sich laut Unternehmen ausschließlich um schadhafte Ware, die nicht wiederverwertet werden kann.

H&M: "Würden keine Sachen einfach so verbrennen"

Der Sender TV2 kritisiert, dass die Modehäuser nicht zugeben, dass sie Ware verbrennen, weil sie nicht verkauft werden kann. "Es geht um Überproduktion. Die ist besonders schlimm in der Modebranche. Denn die unterliegt kurzweiligen Trends. Wenn etwas nicht mehr in Mode ist, ist es für den Verkauf tot", erklärtElse Skjold, Dozentin für nachhaltiges Design an der Kolding Designschule. Während es vor einigen Jahren nur vier Kollektionen im Jahr gab, würde etwa H&M fast jede Woche neue Ware auf den Markt bringen. Kein Wunder also, dass so viel weggeschmissen wird.

Gegenüber dem "Kurier" sagt Kerstin Sellner, Nachhaltigkeitsbeauftragte bei H&M Österreich, dass Kleidung aus zwei Gründen verbrannt wird: "Entweder haben die Sachen beim Transport oder der Lagerung einen Wasserschaden erlitten und haben deshalb angefangen zu schimmeln, oder der Chemikalienwert wurde überschritten. Wir würden keine Sachen einfach so verbrennen."

Kleidungsstücke mit kaputten Fäden oder Flecken dürften laut Sellner zwar nicht mehr verkauft werden, "werden aber gespendet". Ganz zerstörte Ware werde zu Putzlappen, Füllmaterial für Autositze oder ähnlichem weiterverarbeitet.

 

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