Hinchst du schon? Diese Britin macht Putzen zum Volkssport

Hinchen statt Konmari. Nach Aufräumexpertin Marie Kondo kommt nun Mrs Hinch. Die Insta-Sauberfrau, die uns zeigen will, dass putzen glücklich macht.

Die im britischen Essex ansässige Friseurin Sophie Hinchcliffe ist jemand, die in der Vergangenheit vermutlich gerne in die Klischeeschublade "Essex Girl" gesteckt wurde. Als „Essex Girl“ werden in England Frauen bezeichnet, die sehr auf ihr Aussehen bedacht, stark geschminkt und quasi immer zurecht gemacht sind. Diesen Stereotypen folgend wäre etwa auch Daniela Katzenberger ein typisches "Essex Girl" - doch genauso wie Katzenberger erstickt auch Hinchcliffe solche Klischees mit ihrem Sinn für Business im Keim. So hat die Essexer Friseurin Sophie Hinchcliffe hat ihren Putzfimmel zu einem Geschäftsmodell gemacht – und ist damit derzeit so erfolgreich, dass sie so manchen Insta-Rekord bricht.

Mrs. Hinch putzt sich zum Insta-Erfolg

Sophie Hinchcliffe ist Mrs Hinch, ein Instagram-Wunder. Mit nur 228 Beiträgen (Stand 11.2.2019) hat ihr Account schon 1,8 Millionen Follower. Wenn Sie diese Zeilen lesen, sind es vermutlich schon wesentlich mehr. Diese Follower hat Sophie aber keineswegs, weil sie ihren Body in Szene setzt. Tatsächlich ist sie auf den meisten ihrer Posts gar nicht zu sehen. Und in den Stories sieht man maximal ihre Hände, die wischen und polieren. Sophie Hinchcliffe ist ein Instagram-Wunder weil sie putzt und putzt und putzt.

Sie putzt in ihren eigenen vier Wänden, die sie auf Instagram gerne graugefiltert zur Schau stellt. Man erkennt: Mrs Hinch steht weder auf angesagtes nordisches Design noch auf Minimalismus. Ihr Haus ist eines dieser typischen britischen Häuschen, die überall mit Spannteppich ausgelegt sind. Es gibt Schleiflackmöbel und jede Menge Deko in Grau, Weiß und Rosa.

Im Bett des Gästezimmers schläft Cockerspaniel Henry. Der Spaniel und das Bett sind makellos sauber. Es gibt auch einen Mr. Hinch, einen bulligen Typen mit Undercut. Der putzt (klassische Rollenverteilung sei dank) eher selten. Aber einmal durfte er in einer Story „Die Abwasch schlafen legen“. Was im Klartext bedeutet, die Abwasch abends noch mal auf Hochglanz polieren.

#HinchArmy sorgt für Putz-Boom

Mrs Hinch hat lauter putzige Ausdrücke für ihre Putzerei. Sie putzt mit Minkeh (ein antibakerieller Schwamm, der dank ihrer Werbung derzeit ausverkauft ist), Dave (ein Staubwedel), Buddy (das Mikrofasertuch) und Pinkeh (das Schwammtuch). Putzen heißt hinchen und ihre Follower nennen sich Hincher oder Hinch Army.

Supermärkte richten bereits #HinchArmy-Ecken mit Sophies Lieblingsprodukten ein. Procter & Gamble hat ihr bereits eine personalisierte Mrs. Hinch Version von Mr. Proper zugeschickt. Für die Hersteller von Putzmitteln ist Mrs Hinchcliffe ein Segen. Denn sie hat – obwohl gerade mit dem ersten Baby schwanger – keinerlei Berührungsängste mit Chemikalien, Weichspülern oder Lufterfrischern. Der Zweck heiligt die Mittel.

Mrs Hinch hat die genialsten Putzhacks, die sie auch gerne im britischen Frühstücksfernsehen teilt: Sie kratzt Kerzenwachs mit zerschnittenen Kundenkarten aus Plastik weg, sie entfernt hartnäckige Flecken mit einer elektrischen Zahnbürste oder beseitigt Hundehaare mit der Gummilippe des Fensterwischers von den Teppichstiegen.

Putzen als Ausweg aus einer immer schmutzigeren Welt

Mrs Hinch sagt, sie muss jeden Tag mindestens 30 Minuten intensiv putzen, weil sie sich sonst ängstlich und unsicher fühlt. Sie bekommt täglich tausende Mails von Fans, denen es ebenso geht. Menschen, die sagen, dass sie ihr Putz Mojo gefunden haben. Die ihr schreiben, dass sie ob der ganzen Putzerei jetzt endlich entspannt und glücklich sind.

England ist gerade in der Krise: Politische Schlammschlachten, Brexit, Klimawandel. Mrs Hinch und ihre Hinch Army, reagieren darauf indem sie sprichwörtlich erst mal vor der eigenen Tür kehren. Putzen als Ausweg aus einer immer schmutziger werdenden Welt. Das kann man seltsam finden oder auch nicht. Es wird in den sozialen Netzwerken auf jeden Fall begeistert beobachtet.

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