Helferin im Dauereinsatz

Unzählige freiwillige Helfer sind in Österreich grade im Dauereinsatz und engagieren sich in der Flüchtlingsbetreuung. Ingrid Taucher aus Oberschützen, eigentlich AHS-Lehrerin, ist eine von ihnen und aktuell quasi als Vollzeit-Freiwillige aktiv. Und öffnet ihr Haus spontan für eine syrische Familie. Die WIENERIN hat sie besucht.

"Meine Kurzzeit-Familie"

Bevor Ingrid Taucher aus Oberschützen gestern Abend wieder in die Messehalle Oberwart abrauscht, um ihren Nacht-Dienst (von 22:00 bis 03:00 übrigens) als freiwillige Helferin anzutreten und Flüchtlinge zu versorgen, schaut sie noch einmal nach "ihrer Familie". So nennt sie die sieben Menschen aus Syrien, die sie ganz spontan bei sich zu Hause einquartiert hat. "Ich war am Sonntag in der Messehalle, um Kleiderspenden zu bringen und ich konnte einfach nicht mitanschauen, dass da Kinder zum Teil am Boden schlafen", erzählt die AHS-Lehrerin von ihrem schnellen Entschluss, die Leute einfach bei sich übernachten zu lassen. Ein offizielles Okay wurde eingeholt und die Familie durfte mit nach Oberschützen.

Ingrid mit ihren Gästen

Glücklich und bescheiden

"Es hat sie so wahnsinnig glücklich gemacht, dass sie hier eine richtige Dusche haben und die Kinder im Garten spielen können", erzählt Ingrid Taucher vom spontanen Einzug. "Und sie sind auch irrsinnig bemüht, nichts dreckig zu machen und total bescheiden." Die AHS-Lehrerin bringt ihnen Frühstück, lässt sie ihre Waschmaschine benutzen und versorgt sie auch sonst. "Als ich zu Mittag gefragt hab, ob sie Pizza wollen, haben sie abgelehnt, weil sie mir keine Umstände machen wollten. Und dann ist das kleine Mädel total aufgeregt herumgehüpft und hat immer wieder "Pizza, Pizza" gerufen, dann hab ich ihnen natürlich Pizza gebracht."


Ein bisschen verschnaufen

Als "richtig gute Frau" bezeichnet Rami Alnalsshi, der gut Deutsch spricht, seine Gastgeberin Ingrid. Der 25-jährige Elektrotechnikstudent aus Aleppo ist ihr einfach dankbar. 15 Tage lang war er mit den anderen, darunter die zwei- und vierjährigen Mädchen, schon unterwegs gewesen, bis sie alle am Sonntag über Ungarn nach Österreich gekommen sind. Auch Rami wiederholt, was man schon oft von Ankommenden in Österreich gehört hat: "Die Reise war hart und schwierig und als wir nach Oberwart gekommen sind, haben wir sofort etwas zu essen und zu trinken bekommen, die Menschen hier sind wunderbar."

Rami (li) möchte gern fertig studieren

Bei Ingrid Taucher schlafen zu können, bedeutet für ihn Ruhe und Entspannung nach den Strapazen. Auch den Mädchen scheint die sichere Umgebung richtig gut zu tun, die vierjährige Lean zum Beispiel ist ganz übermütig, springt im Wohnzimmer herum und wirft ihren gerade erst geschenkt bekommenen Teddy-Bären in die Luft. "Habibi, habibi", ruft sie ihm zu, was man mit "Mein Schatz, mein Schatz" übersetzen könnte. Bis heute Dienstag bleibt die Familie noch bei Ingrid Taucher, dann wollen die sieben weiter Richtung Deutschland, denn dort warten Verwandte und Rami wünscht sich nichts mehr, als sein Studium abschließen zu können.

Bewegende Begegnungen

Die Begegnungen mit den Ankommenden und auch den Asylwerbern, die dauerhaft in Oberschützen untergebracht sind, bezeichnet Ingrid Taucher als "total lässig, weil sie alle ganz nett und so dankbar sind. Und man kriegt so viel wieder zurück und erlebt so schöne Momente. Meine "Familie" im Haus hat am Nachmittag zum Beispiel einfach in der Wiese gesessen und dort in aller Ruhe Kaffee getrunken. Ich hab drei Terrassen und wir Österreicher glauben, wir müssen überall Sitzgarnituren hinstellen, dabei war das mit dem Sitzen in der Wiese Idylle pur!"

Ingrid Taucher

Ehrenamtlicher Fulltime-Job

Ingrid Taucher engagiert sich für Flüchtlinge, seit in ihrem Heimatort Oberschützen Asylwerber untergebracht sind. Von ihnen wird sie inzwischen sogar "Mutter Ingrid" genannt. "Ich hatte gehört, dass niemand was mit ihnen unternimmt und da dachte ich: Das muss sich ändern". Daraufhin hat sie begonnen, Deutschkurse und Freizeitaktivitäten zu organisieren, Kleiderspenden zu sammeln und Quartiere zu suchen. "Einige dürfen jetzt sogar im Fußballverein mittrainieren und mitspielen, das freut mich irrsinnig", strahlt sie und schaut gleich wieder auf ihr Handy, das sie zur Zeit immer dabei hat. "Mittlerweile ist das alles für mich wirklich zum Vollzeit-Job geworden. Also zu einem ehrenamtlichen, freiwilligen natürlich. Gut, dass ich grad im Sabbatical bin und in diesem Schuljahr nicht unterrichten muss. Deshalb hab ich auch Zeit dafür", erzählt sie und lacht.

Wie weit ihr Einsatz geht, hat sich gezeigt, als jetzt eben auch in Oberwart plötzlich unzählige Flüchtlinge versorgt werden mussten: "Ich find, in solchen Situationen kann man nicht einfach sagen, ich engagier mich eh schon in Oberschützen, das geht mich nichts an, weil wenn die Dimension und die Notlage eine andere ist, dann gibt´s keine Ausreden, dann muss man anpacken."

Links zur Hilfe im Burgenland:

Plattform Asyl Oberschützen auf Facebook

Rotes Kreuz Burgenland auf Facebook

Flüchtlinge Willkommen im Burgenland

 

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