Hawara der Woche: Mit Nippelstickern gegen die Zensur des weiblichen Körpers

Facebook und Instagram scheinen mit männlichen Nippeln kein Problem zu haben, mit weiblichen allerdings schon. Toni Eisner (32) will mit Aufklebern den weiblichen Körper enttabuisieren und auf die absurden Instagram-Richtlinien aufmerksam machen. Unser verdienter "Hawara der Woche".

Nippelsticker

„Ursprünglich ist das alles aus einem Spaß heraus entstanden. Ich war an der Angewandten und da hatten alle irgendwie ihr eigenes Projekt – manche hatten Sticker, andere haben gesprayt. Ich habe das immer bewundert und habe halt dann auch mal Sticker gemacht. Damals habe ich aber mit Arschloch-Stickern begonnen. Die sind aber nicht so gut angekommen“, erinnert sich der Grafikdesigner an die Anfänge schmunzelnd. Die heute aktuellen Nippelsticker – so lustig man sie auch finden möchte – haben ihren Ursprung allerdings in einer ernstzunehmenden Problematik: „Das war 2014; als Facebook und Instagram alle Fotos von stillenden Frauen gesperrt haben und stillende Mütter aus Lokalen geschmissen wurden. In einem Gespräch mit einer Freundin hatte ich dann die Idee, dass Nippelsticker ja eigentlich lustig wären. Damals habe ich dann gleich 1000 Stück drucken lassen.“

Man weiß nicht, ob der Nippel männlich oder weiblich ist. Es geht ja im Endeffekt darum, dass man das Geschlecht nicht auf Basis vom Nippel erkennen kann. Und trotzdem werden auf Facebook oder Instagram immer wieder Fotos von weiblichen Nippeln gelöscht oder gesperrt.

Toni Eisner (32)
Hawara der Woche

Die ersten 1000 Stück erfreuten sich in Tonis damaligem Shared Office und Freund*innenkreis großer Beliebtheit: "Alle fanden es lustig und wollten so einen Sticker haben, also habe ich weitergemacht." Von wem der abgebildete Nippel stammt, ist ein Geheimnis – und tut nichts zur Sache, denn genau darum geht es ja: „Man weiß nicht, ob der Nippel männlich oder weiblich ist. Es geht ja im Endeffekt darum, dass man das Geschlecht nicht auf Basis vom Nippel erkennen kann. Und trotzdem werden auf Facebook oder Instagram immer wieder Fotos von weiblichen Nippeln gelöscht oder gesperrt.“

Warum haben Instagram & Co. mit männlichen Nippeln kein Problem, mit weiblichen hingegen schon?

Ebendieser Zensur ist auch Tonis erster Instagramaccount @omgitsanipple zum Opfer gefallen: „Ich wollte was posten und habe die Benachrichtigung bekommen, dass ich mich nicht einloggen kann, weil entweder Benutzername oder Passwort nicht richtig eingegeben wurde. Einen Tag später und nach gefühlt hundert Versuchen stand dann da, dass ich gegen die Community-Guidelines verstoßen habe. Man kann dann zu Instagram hinschreiben, aber bis jetzt kam da noch nichts zurück.“ Auch auf Anfrage der WIENERIN – sowohl an Instagram direkt, als auch an das Marketing-Team in Deutschland – blieb eine Stellungnahme zur Löschung bis dato aus. „Ich habe mal in den Community-Guidelines gelesen, dass sowas wie ‚Keep your clothes on‘ drinnensteht. Witzig, dass sich Typen dann trotzdem problemlos oben ohne zeigen dürfen“, findet Toni. Wobei – so fair muss man sein – in der aktuellen Version der Community-Richtlinien (hier nachzulesen) macht Instagram gar kein Geheimnis mehr daraus, dass männliche Nacktheit erlaubt und weibliche Nacktheit verboten ist: „Aus verschiedenen Gründen ist die Darstellung von Nacktheit auf Instagram jedoch nicht zulässig. Das gilt auch für Fotos, Videos und einige digital erstellten Inhalte, auf denen Geschlechtsverkehr, Genitalien und Nahaufnahmen nackter Gesäße zu sehen sind. Dazu zählen auch einige Fotos, auf denen Brustwarzen von Frauen zu sehen sind“, steht da etwa geschrieben und Instagram beteuert, man habe „viel Zeit in Überlegungen zu den unterschiedlichen Sichtweisen investiert, durch die eine sichere und offene Umgebung für alle geschaffen werden kann.“ Jo eh. Für alle, die halt männlich sind.

Nippel in allen Formen und Farben gegen die Zensur

Toni Eisner vermutet hinter den Zensur-Maßnahmen „die amerikanische Gesellschaft, die damit ein Problem hat.“ In weiterer Folge würde Instagram dann sehr radikal solche Inhalte löschen, damit sie sich nichts zu Schulden kommen lassen. Tonis Antwort auf die problematische Vorgehensweise der Plattform sind noch mehr Nippel – und zwar in allen Formen und Farben: „Ich will auf jeden Fall noch mehr Diversität schaffen und Nippel in anderen Hautfarben auf Sticker drucken lassen. Vielleicht auch Nippelshirts oder so. Aber ich will da jetzt auch keine Merch-Orgie starten. (lacht) Ich will mir nur die Druckkosten irgendwie finanzieren“, so Toni, der mit dem neuen Instagram-Account @omgitsanipple.2 gerade einen neuen Anlauf gestartet hat. Auf ebendiesem Kanal sind die Nippel aktuell noch alle zensiert, um eine erneute Löschung des Accounts zu verhindern. Wenn es nach ihm ginge, dann wäre ohnehin „alles verboten, was jetzt erlaubt ist und umgekehrt.“ Das heißt konkret: „Ich verstehe nicht, warum man Fotos und Videos von Hinrichtungen und Tierquälerei problemlos ansehen kann. Die sind teilweise nicht mal als ‚sensitive posts‘ markiert. Und Nippel sollten natürlich erlaubt sein – sowohl männliche, als auch weibliche. Weil's ja wurscht ist.“

Wer das Nippelsticker-Projekt unterstützen möchte, kann über den Shop auf www.omgitsanipple.com Aufkleber bestellen "und dann am besten einfach verteilen oder aufs Handy kleben, sodass man den Nippel bei jedem Selfie sieht."

10% des Bestellwerts werden an Pink Ribbon gespendet.

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