Häusliche Gewalt: Nicht in unserem Haus!

StoP ist ein Projekt, das häusliche Gewalt durch Nachbarschaft und Zivilcourage verhindern soll. Jede*r kann helfen. Wie sieht diese Hilfe aus?

Zivilcourage Häusliche Gewalt

Im letzten Jahr stiegen die Zahlen häuslicher Gewalt stark an. Aus diesem Grund fordert das Nachbarschaftsprojekt Stadtteile ohne Partnergewalt mehr Solidarität und Zivilcourage der Bürger*innen ein. "Wir alle dürfen nicht die Augen und Ohren davor verschließen, was in der Nachbarwohnung passiert", so StoP. StoP wurde in Hamburg entwickelt und ist ein gut durchdachtes Projekt, das Nachbarschaft und Community verbessern soll und verknüpft Opferschutzarbeit mit Gemeinschaftsarbeit.

Zivilcourage und häusliche Gewalt

Maria Rösselhuber ist eine der Initiatorinnen, die StoP nun auch in Österreich gestartet haben. Sie ist Geschäftsführerin der Autonomen Frauenhäuser und bezeichnet das Projekt als Verstärkung für Frauenhäuser und Beratungsstellen. Im Zuge des Projekts wird die Zivilgesellschaft in Bezug auf häusliche Gewalt geschult und auf die Thematik aufmerksam gemacht. Dass Nachbar*innen eingebunden werden, ist ein neuer nachhaltiger Ansatz.

Kein Platz für Scham

Ziel ist es, über häusliche Gewalt aufzuklären, Gesprächsrunden mit Nachbar*innen anzustoßen und Frauen einen sicheren Rahmen in ihrem Umfeld zu geben, um um Hilfe zu fragen. Jede*r kann einen Beitrag leisten - in dem Rahmen, in dem er sich wohlfühlt. Das kann eine Kaffeerunde mit Nachbar*innen sein, direkte Mitarbeit im Verein, Aufhängen von Flyern im Wohnhaus oder Befragungen, bei denen von Tür zu Tür gegangen wird. Personen werden dabei gefragt, wie es ihnen geht, ob sie Hilfe brauchen und schonmal Gewalt erlebt haben.

Haben Sie Zucker?

Maria Rösselhuber lädt jede*n herzlich dazu ein, sich zu beteiligen und einen Beitrag zu leisten. "Wenn ich Gewalt oder Schreie aus der Nachbarwohnung mitbekomme, kann ich anläuten, um Zucker fragen und die Gewalt unterbrechen. Dadurch setzen wir ein klares Zeichen: Gewalt wird hier nicht geduldet. Wir hören mit." Wer sich allein nicht traut einzugreifen, hat durch das Projekt Nachbar*innen kennen gelernt, die er*sie um Hilfe bitten kann, sodass man dann zum Beispiel zu zweit vor der Tür steht. Dadurch sollen Frauen, die Opfer von Gewalt sind, merken, dass das ein Thema ist, dass kein Tabu ist. Sie müssen sich dafür nicht schämen, sondern sie bekommen Hilfe.

Männer als Verbündete

Besonders herzlich lädt Maria Rösselhuber Männer dazu ein, sich zu engagieren: "Männer können Verbündete werden, die sagen, dass sie auch keine Gewalt möchten und dulden. Viele hören die schlechten Nachrichten rund um Femizide und häusliche Gewalt und beschweren sich, dass sie nichts machen können. Aber das können sie. Sie können Zivilcourage lernen. Die Ausrede, dass man nichts tun kann, gilt nicht mehr."

Die Vision wäre, dass das Projekt irgendwann in jeder Gemeinde Österreichs angekommen ist und man dadurch Hilfe erfährt. Wer mitarbeiten möchte, kann sich unter www.stop-partnergewalt.at melden.

 

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