Hauptberuf: Blogger - im ständigen Vergleich

"Redet diese Person nur mit mir, weil ich ihr sympathisch bin oder weil sie daraus einen persönlichen Nutzen für sich zieht?" Das Blogger-Geschäft kann sehr oberflächlich und einsam sein. Wir haben mit einer Food-Bloggerin über die Vor- und Nachteile des Bloggerlebens gesprochen.

Es ranken sich viele Gerüchte um den Beruf des Bloggens. Von vielen wird er belächelt, manche können gar nichts damit anfangen.

OCJ/Sebastian Ciuciu


Wir haben mit der Wienerin Julia Fodor, Mit-Gründerin des Food-Blogs "Our Clean Journey", über ihren Job als Bloggerin, falsche Freunde und die Zukunft des Bloggens gesprochen.



Deinen Blog hast du gemeinsam mit deiner deutschen Kollegin Luisa gegründet. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Ich bin vor einigen Jahren beruflich nach München gezogen und war auf der Suche nach einer WG. Dabei bin ich auf Luisa gestoßen. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden.

Wie seid ihr dann auf das Thema Bloggen gekommen?

Luisa war bereits zu dieser Zeit Mode-Bloggerin für ihren Blog Style Roulette. Damals war das noch keine große Sache, ich kannte das „Bloggen“ als Beruf selbst noch nicht - der Job als solches war quasi erst am Entwickeln. Klar gab es einige Events, zu denen man eingeladen wurde, aber das große mediale Interesse kam erst später.

Wann kam der Entschluss selber einen Blog gemeinsam mit Luisa zu starten?

Das entstand eigentlich zufällig. Wir begannen irgendwann unser Essen, das wir im Zuge unserer Umstellung auf das Clean Eating Konzept kochten, auf Instagram zu stellen.

Daraus hat sich in kurzer Zeit eine Community entwickelt. Wir haben viel Feedback bekommen und unser Instagram Feed ist sehr gut angekommen.

Irgendwann haben wir dann beschlossen unseren eigenen Blog „Our Clean Journey“ zu gründen.

Screenshot: instagram.com/ourcleanjourney



„Our Clean Journey“ dreht sich um Clean Eating (mehr dazu hier). Ein Ernährungstrend, der auch durch euren Blog im deutschsprachigen Raum an Bekanntheit gewonnen hat. Wie seid ihr überhaupt darauf gekommen?

Ich glaube wir haben bei australischen Bloggern das erste Mal darüber gelesen und fanden das Konzept so überzeugend, dass wir uns ein Buch bestellt haben und dann schrittweise begannen unsere Ernährung umzustellen.

Was hat sich dadurch für euch geändert? Inwiefern konntet ihr gesundheitlich einen Unterschied zu vorher feststellen?

Mein Blähbauch war nach kurzer Zeit Geschichte, mein Körper hatte viel mehr Energie. Man beginnt sich viel bewusster mit seinem Körper auseinanderzusetzen. Das war auch der Zeitpunkt, an dem Luisa und ich begonnen haben regelmäßig Sport zu machen.


Euren Blog hast du ja gemeinsam mit Luisa gegründet. Mittlerweile ist sie hauptberuflich für ihren Modeblog eingebunden und hat keine Zeit mehr aktiv an dem Blog mitzugestalten. Stört es dich, dass du nun alleine für „euren“ Blog verantwortlich bist?

Nein, eigentlich nicht. Im Gegenteil. Ich bin mein eigener Chef und kann selbstständig arbeiten und meine eigenen Ideen umsetzen.

Man ist sehr isoliert und abgeschottet, wenn man alleine bloggt. Man sitzt den ganzen Tag vor dem Computer und hat kaum soziale Kontakte. Das alles ist nicht gerade förderlich, wenn man einen kreativen Job ausübt.


Wie genau funktioniert denn ein normaler Arbeitstag als Bloggerin?

Naja, als „normal“ kann man keinen Tag wirklich bezeichnen. Das Bloggen an sich ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf.

Prinzipiell komme ich in der Früh ins Büro und poste das erste Foto auf Instagram. Erst dann kümmere ich mich um Anfragen und Mails - ansonsten würde ich in Bürokratie versinken.

Meistens schreibe ich danach an meinem Blogpost. Es kommt öfters vor, dass ich abends zu verschiedenen Events eingeladen bin oder auch mal ein paar Tage geschäftlich auf Reisen. Das muss man natürlich alles in den Blog-Alltag mit einplanen.


Hört sich ganz schön stressig an. Bleibt da noch viel Freizeit übrig?

Social Media ist in deinem Leben immer präsent. Ein „Offline“ gibt es nicht. Aber das ist Beschweren auf sehr hohem Niveau.

Ich habe anfangs fulltime für den Blog gearbeitet. Mit der Zeit habe ich allerdings gemerkt, dass die Kreativität sehr darunter leidet. Man ist sehr isoliert und abgeschottet, wenn man alleine bloggt. Man sitzt den ganzen Tag vor dem Computer und hat kaum soziale Kontakte. Das alles ist nicht gerade förderlich, wenn man einen kreativen Job ausübt.

Noch dazu ist es manchmal sehr viel, wenn der eigene Beruf sich ständig um sich selbst dreht und man dauernd im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht.

Auch meine Freunde und Familie habe ich nicht mehr so oft gesehen, musste oft absagen, weil ich im Büro war.


Woran lag das?

Gerade wenn man vollzeit in seinen Blog involiert ist und sich den ganzen Tag damit beschäftigt, baut man auch einen Druck gegen sich selbst auf. Man beginnt sich selbst an sich zu zweifeln. "Ist das Foto gut genug? Warum hat der andere Blogger mehr Follower auf Instagram als ich?" - Es ist ein ständiger Vergleich.

Ein Vergleich mit einer virtuellen Welt...

Ja. Auch jegliche soziale Interaktion war virtuell, und nicht echt. Das ist mir beim Bloggen sehr abgegangen. Der soziale Kontakt, Gespräche mit meinen Kollegen. Deswegen habe ich dieses Jahr beschlossen, wieder Teilzeit in meinem alten Beruf in den PR Branche einzusteigen.


Geht sich das dann alles mit dem Bloggen überhaupt aus?

Sogar noch besser als vorher. Die kreativen Ideen, die mir vorher oft gefehlt haben, sind jetzt wieder da. Auch wenn ich öfters mal abends mit den Blog zu tun habe.

Dem Blogger-Dasein wird gerne vorgeworfen sehr oberflächlich zu sein, kannst du dem zustimmen?

Es hängt sehr viel vom Äußerlichen ab, das stimmt. Das mag für Bilder gelten, die in einem schönen Setting produziert werden, aber auch für Bekanntschaften, die man auf Events macht. Manchmal frage ich mich bei anderen Bloggern, mit denen ich mich unterhalte: „Wie echt ist diese Unterhaltung? Redet diese Person nur mit mir, weil ich ihr sympathisch bin oder weil sie daraus einen persönlichen Nutzen für sich zieht?“ Man fragt sich dann schon, ob diese Bekanntschaften nur falsche Freunde sind.

Gibt es denn schon Pläne, wie es mit eurem Blog weitergehen soll?

Wir haben im letzten Jahr gleich von mehreren Verlägen das Angebot bekommen ein Buch über „Clean Eating“ herauszubringen, dieses wird im Oktober erscheinen. Das ist natürlich ein großes Projekt in den letzten Monaten gewesen, das sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat.

Man muss aber dazu sagen, dass wir bereits davor mehrere E-Books über Clean Eating veröffentlicht haben, das hat die Arbeit natürlich erleichtert.

Momentan sind Blogger gefragter denn je. Wie denkst du wird sicher das Bloggen weiterentwickeln?

Wir bekommen natürlich viele Anfrage zu Kooperationen mit Firmen. Viele möchten, dass wir die Betreuung für deren Social Media Kanäle übernehmen und Konzepte gemeinsam mit ihnen erarbeiten. Auch das ist etwas, dass mir viel Spaß bereitet und das ich in Zukunft gerne forcieren möchte.

Und natürlich hoffe ich, dass unser Blog weiterhin so erfolgreich bleibt.

 

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