Hat der Serotoninspiegel im Gehirn doch nichts mit Depressionen zu tun?

Seit den 90er Jahren wird bei der Behandlung von Depressionen mit Antidepressiva daran gearbeitet, den Serotoninspiegel zu erhöhen. Nun gibt es Studien, dass diese vielleicht keinen Zusammenhang haben.

Hat der Serotoninspiegel doch nichts mit Depressionen zu tun?

Was führt dazu, dass ein Mensch depressiv wird? Während das nach wie vor nicht gänzlich erforscht bzw. definiert ist, wurde jahrelang davon ausgegangen, dass es damit zu tun hat, bei diesem Menschen zu wenig Botenstoffe Serotonin im Hirn vorhanden sind. Durch dieses Ungleichgewicht würden die Menschen schlechte Stimmung und Antriebslosigkeit erfahren. Diese Hypothese stammt aus dem Jahr 1969, wo Forscher feststellten, dass ein Abbauprodukt des Moleküls in der Gehirnflüssigkeit von depressiven Patient*innen in geringeren Mengen vorkam als bei Gesunden. Und seither wurde mit dieser Theorie gearbeitet, die, wie sich schon in den letzten zwei Jahren herausstellte, falsch sein könnte.

Kein Zusammenhang

Nachdem dies schon länger im Raum stand, hat nun ein Forschungsteam in Großbritannien diese Theorie hinterfragt. Ein Team um Wissenschaftlerin Joanna Moncrieff hat eine Metaanalyse von 17 Studien gemacht und will bewiesen haben, dass es zwischen einer Depression und dem Serotoninspiegel keinen Zusammenhang gibt.

Serotonin beeinflusst in unserem Körper unterschiedlichste Abläufe und Prozesse. Zum Beispiel ist es verantwortlich für die Körpertemperatur, den Appetit, die Emotionen, Schmerzbewertung und den Schlaf-Wach-Rhythmus. Außerhalb des Gehirns hat Serotonin auch Einfluss auf die Weite der Blutgefäße, der Bronchien und des Darms. Viele Medikamente, die gegen Depressionen verschrieben werden, funktionieren auf Basis dessen, dass sie den Serotonin-Spiegel im Gehirn erhöhen sollen.

Unklare Wirkung

Dass Antidepressiva bei vielen Menschen erfolgreich wirken ist unbestritten. Wie nun aber berichtet wurde, hat das Team rund um Moncrieff beweisen, dass man nicht genau weiß, wie die Wirkung hergestellt wird oder funktioniert, wenn es nicht über den Serotonin-Spiegel läuft. "Eine Möglichkeit wäre, dass sie über den Placebo-Effekt wirken", meint die Psychiaterin.

Nicht absetzen!

Diese Ergebnisse löste unter Psycholog*innen und Psychiater*innen hitzige Diskussionen aus, wie man nun weiterhin mit dem Thema Antidepressiva verfahren solle, die seit den 1990 erfolgreich eingesetzt werden. Das Royal College of Psychiatrists stellt die Empfehlung in einem Schreiben aus, dass niemand aufgrund der Studienergebnisse die Antidepressiva absetzen solle. Auch wenn nicht ganz klar ist, wie diese wirken, darf man nicht vergessen, dass diese bei unterschiedlichen Menschen anders wirken. Das kann komplexe Gründe haben. Die ersten Antidepressiva wurden in der Vergangenheit zufällig entdeckt, während eigentlich ein anderes Medikament entwickelt werden sollte.

 

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