Handy-Entzug

Klar gibt’s einen Ausschaltknopf beim Mobiltelefon. Aber der bringt oft ein schlechtes Gewissen. Wir verraten, wie Sie ein Stück unerreichbarer werden, ohne den Job und Freundschaften zu riskieren.

Sind wir jetzt alle handysüchtig?
Ihr Handy ist 24 Stunden täglich an und auch auf dem Nachtkasterl leuchtet das Displaylicht sanft? Sie sind nicht allein. Studien zeigen: 50 Prozent aller Mobiltelefonierer drücken nie den Aus-Knopf. Zählt man deshalb aber gleich zu den Handysüchtigen? Kommt drauf an.

Machen Sie den Selbstcheck: Löst das Handyverbot in Kinos oder Krankenhäusern nervöse Zuckungen bei Ihnen aus, nur weil Sie Ihr soziales Netzwerk nicht auf Knopfdruck erreichen können? Ist der Tag gelaufen, wenn Sie Ihr Telefon zu Hause vergessen haben? Kramen Sie an der Bushaltestelle unsicher nach dem Handy und checken bei Wartezeiten minütlich das Display? Wenn ja, müssen Sie Ihr Mobiltelefon nicht gleich im Fluss versenken. Experten raten zum Soft-Entzug. Schließen Sie mit sich selbst den Deal ab, jede Woche weniger Zeit mit dem Handy zu verbringen. Dauertelefonierer und SMS-Rekordler sollten versuchen, ihre Gesprächs- und SMSAnzahl bis zur nächsten Abrechnung zu halbieren. Und nein, Schummeln mit Ersatzmedien wie Facebook oder Skype ist nicht erlaubt!

Schluss mit der ständigen Erreichbarkeit
Neben den potenziellen Handysüchtigen gibt es auch die Handygenervten. Die, die ihr Telefon gern weniger nutzen würden, sich aber dazu verpflichtet fühlen, ständig
erreichbar zu sein - aus Angst, Anrufer zu verärgern oder sich berufliche Nachteile einzuhandeln. Spannend: Das Unterbewusstsein ist hier oft schlauer und sorgt dafür, dass Mobiltelefone häufig vergessen, verloren oder nicht aufgeladen werden.

Machen Sie sich bewusst: Sie haben ein Recht auf handyfreie Zeiten. Lassen Sie Ihr Diensthandy nur zu Bürozeiten an, Nachrichten werden ohnehin gespeichert. Klar werden am Anfang viele Anrufe nach Feierabend kommen, es dauert, bis man Geschäftspartner „erzieht" - Konsequenz lohnt sich aber in jedem Fall. Sie werden sehen, nach wenigen Wochen gibt's weniger „Bitte um sofortigen Rückruf"-Nachrichten. Falls Sie Ihr Mobiltelefon beruflich wie privat benutzen, programmieren Sie Ihr Handy so, dass nur Freunde und Familie nach Dienstschluss durchkommen - und der Rest an die Mobilbox verwiesen wird.

Sorgen Sie für die richtige Message!
„Hinterlassen Sie bitte Ihre Nachricht nach dem Piep und ich rufe Sie sofort zurück!" Bevor Sie Ihre Sprachbox mit dieser Ansage besprechen - halt! Wollen Sie das wirklich?

Besser ist, berufliche Anrufer per Ansage darum zu bitten, doch ein E-Mail zu schreiben. Die wichtigen Anfragen haben Sie so gleich schwarz auf weiß und können diese nach Rückrufwichtigkeit vorsortieren. Bei Privathandys empfiehlt sich, die Ansage ganz auszuschalten, um das Leben auf Dauer weniger vom Handy diktieren zu lassen. Anrufer in Abwesenheit scheinen ohnehin auf dem Display auf. In dringenden Fällen können Sie immer noch per Textnachricht erreicht werden.

Silvesterwünsche
Zum Jahreswechsel 2009/10 wurden 55,9 Millionen SMS verschickt. 2010/11 wurden mit rund 60 Millionen gerechnet.

Handy-Verbreitung
... liegt in Österreich bei rund 140 Prozent. Das bedeutet, jeder Österreicher hat im Schnitt 1,4 SIM-Karten (Quelle: RTR Telekom Monitor 3/2010)

Vieltelefonierer
Allein in den ersten drei Monaten 2010 wurden in Österreich 5,46 Milliarden Gesprächsminuten vertelefoniert. In der selben Zeit wurden 1,54 Milliarden SMS verschickt.
 

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