Hairgott Eugene Souleiman

Eugene Souleiman ist einer der einflussreichsten Hairstylisten unserer Zeit. Der Londoner ist bekannt für seine ausgefallenen Catwalk-Looks und für seine Engelsgeduld, wenn es um Sonderwünsche der Designer geht. Die WIENERIN traf ihn zum Interview in Monte Carlo.

Eugene wurde angeblich Friseur, weil die Dame am Arbeitsamt fand, er würde wie einer aussehen. Als Assistent des damals legendären Stylisten Trevor Sorbie machte er sich in der Branche schnell einen ­Namen. Durch seine Fähigkeit, Fashion in konkrete Haarbotschaften umzusetzen, wurde er zum Liebling der Mode­welt. Heute frisiert er regelmäßig bei den Shows von Haider Ackermann, Ann Demeulemeester, Calvin Klein, Missoni, Prada und Jil Sander. Als Global Creative Director der Marke Wella Professionals möchte er damit auch Friseure und Fashionistas inspirieren. Der WIENERIN verriet er mehr über seine Arbeit backstage.

Als Hairstylist waren Sie bei vielen namhaften Frühling/Sommer-Schauen involviert. Ihr Eindruck?

Vielfalt statt Konformität. In der Vergangenheit war ein klassisches Model zumeist jung, weiß und dünn. Diesmal schickten die Designer die unterschiedlichsten Typen über die Catwalks. Es waren mehr schwarze und asiatische Mädchen dabei als sonst, aber auch Tänzer, Transvestiten, ja sogar ganz normale Menschen von der Straße. Das ist ein Trend hin zu neuen Schönheitsidealen, den man definitiv feiern sollte!

Sie kreieren die Haarlooks passend zur Mode der Designer. Wie stimmen Sie sich ab?

Das kommt ganz darauf an, um welchen Designer es sich handelt. Ann Demeulemeester trifft sich fünf Tage vor der Show mit mir auf einen Kaffee, zeigt mir Bilder ihrer Kollektion und die Musik, die sie am Catwalk spielen möchte. So habe ich eine Vorstellung, wie sich die Mädchen bewegen werden. Das ist wichtig für die Frisur.

Und wer ist kompliziert?

Stella McCartney. Die möchte, dass das Haar der Models frisiert aussieht, aber eigentlich auch nicht. In meiner Verzweiflung habe ich letztens zum Kreppeisen gegriffen. Obwohl ich gekrepptes Haar eigentlich gar nicht ausstehen kann.

Die unmöglichste Vorgabe?

Karl Lagerfeld wünschte sich, dass ich Kristen Stewarts Haar innerhalb von 30 Minuten in einen Vokuhila wie bei Patty Smith verwandeln sollte. Allerdings hatte die Gute zu diesem Zeitpunkt raspelkurze Haare. Zum Glück reise ich nie ohne meine ­Perückensammlung. In meinem Gepäck sind so viele Haarteile und Frisierutensilien, dass ich auf Flügen regelmäßig 700 Dollar Strafe fürs Übergepäck zahlen muss.

Was ist das Schlimmste an Ihren Catwalk-Jobs?

Der unglaubliche Zeitdruck. Versuchen Sie mal, 40 Models einen New-York-Latin-Hip-Hop-Wet-Look zu verpassen, wenn die Hälfte von ihnen erst 15 Minuten vor Beginn der Schau auftaucht.

Warum tragen Sie eigentlich immer Hut?

Das hängt damit zusammen, dass ich ständig die Haare anderer Leute machen muss. Da habe ich privat einfach keine Lust mehr, mein eigenes Haar zu stylen. Der Hut macht mein Leben leichter.

 

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