Hacking-Angriff: So skurril läuft der Polizeibesuch

Zwei Vorstandsmitglieder des Frauennetzwerkes "Sorority" erzählen, warum es wichtig ist, Hacking-Angriffe anzuzeigen und wie skurril ein Polizeibesuch ablaufen kann.

Gewissermaßen sind wir naiv an das Thema herangegangen. Ja, Feminismus kann man als Internet-Reizwort bezeichnen – wer sich durch die Foren diverser österreichischer Tageszeitungen scrollt, der findet dafür sicherlich eine Anhaltspunkte. Allerdings sind die Vereinsaktivitäten der „Sorority“ auf ein kleines Segment des feministischen Kuchens fokussiert: auf die Gleichstellung von Männern und Frauen am Arbeitsmarkt. Hier könnte man sagen, setzt die „Naivität“ ein: Gleichstellung im Job ist ja wohl alles andere als eine orchideenhafte Spezialforderung von uns radikalen, männerhassenden, dauermenstruierenden, (laut Ronja von Rönne) birkenstocktragenden Monsterfeministinnen, sondern die österreichische Legislative ist da ganz unserer Meinung. Hätten wir einen Verein gegründet, der das Verbot von Diebstahl unterstützt, wären wir sicherlich nicht etliche Male gehackt worden.

Keine Öffentlichkeit für Feminismus

Unsere Websiten www.sorority.at und www.businessriot.at sind bereits einige Male Ziele von Angriffen geworden. Anfänglich haben wir schlichtweg versucht, den Schaden zu begrenzen und uns besser abzusichern. Zur Polizei zu gehen schien uns sinnlos, da die Täter wohl nicht gefasst werden würden. Außerdem vermutet man beim ersten Hack nicht unbedingt eine Struktur hinter den Angriffen. Das ist wohl das, was daran naiv war: Es geht nicht um Inhalte, es geht nicht darum, wie viel oder wenig man fordert. Der springende Punkt ist, dass wir als Frauen für feministische Anliegen Öffentlichkeit beanspruchen – das reicht aus, um ein Ziel zu werden. Nach den ersten Attacken, die für uns auch immer mit einem finanziellen Schaden verbunden waren, folgte eine Weiterleitung unserer Startseite auf lololol.net, zu sehen war ein Gif mit einem Jungen, der vor einem Computer saß. LOL. Ein Lausbubenstreich?

Kein Lausbubenstreich

Unseren Sisters vom Netzwerk Digitalista ist ähnliches passiert, allerdings wurde damals ihre Startseite auf eine Pornoseite umgeleitet. Das einzig Positive an diesen Weiterleitungen ist, dass sie gut kommunizierbar sind. Der Screenshot vom „Lausbubenstreich“ war auch der erste Hack, über den wir unsere Followers unterrichteten. Wir waren mehr als positiv überrascht, welche Unterstützung wir erhielten. Neben Ansporn („wir lassen uns nicht mundtot machen“) haben wir dadurch auch konkrete Angebote bekommen, auf andere Server umzuziehen.

Es geht um Offenlegung

Unsere Entscheidung letztendlich doch zur Polizei zu gehen, ergab sich, nachdem sogar unser Serveradministrator zugab, dass er „so einen koordinierten Angriff noch nie erlebt“ hätte. Es handelte sich um Denial of Service Attacks gegen unsere Website. In dem Moment wurde uns klar, dass nicht entscheidend ist, ob die Täter auszumachen sind. Wichtiger ist, dass durch die Anzeigen alleine endlich offengelegt wird, dass da draußen irgendjemand am Stuhlbein unserer Meinungsfreiheit sägen will.

"Wo ist jetzt der beschädigte Computer?"

Der tatsächliche Polizeibesuch war natürlich relativ unterhaltsam. Weder wir, noch die protokollierenden Beamten wussten, nach welchem Paragraphen vorzugehen sei, was immer wieder zu Wartezeiten führte, da der eine oder andere „Internet-Experte“ auftauchen musste. Man kann auch, das nur als Tipp am Rande, nicht davon ausgehen, dass alle Beteiligten wissen, was ein Server ist oder dass bei einem Hack keine physische Beschädigung eines PC vorliegt. Ebenjener „Internet-Experte“ eröffnete das Gespräch mit uns übrigens mit der Frage, ob wir im Frauenverein eh häkeln und stricken, oder für was das bitte gut sein soll. Wir sind sehr froh, dass wir uns entschieden haben, Anzeige zu erstatten und können allen, die auch davon betroffen sind, raten, es uns gleich zu tun. Das Internet gehört ebenso uns, wie allen anderen. Wir lassen uns sicher nicht von Trollen, Cybermobs oder sonst wem vertreiben. Oder wie es der Polizist zur Verabschiedung gesagt hat: „Ihr seids eh leiwand. Lassts euch nicht unterkriegen!“

Hier geht's zu allen Artikeln zu unserem Themenschwerpunkt Gewalt gegen Frauen im Internet.

Das Video Journalistinnen lesen Hasskommentare finden Sie hier.

Aktuell