Haben sich alle gegen mich verschworen? So erkennen Sie es

Pssst! Schon gehört? Viele Leute fühlen sich gemobbt, obwohl sie es gar nicht werden. Gegen andere gibt es wirklich kleine Verschwörungen in der Firma oder der Familie. Wir haben uns angeschaut, wie man damit umgehen kann und wie man rausfindet, ob man sich ein Komplott nur einbildet.

Gerüchte, Ahnungen, Theorien


Die Kollegin hat ein Pantscherl mit dem Chef und deshalb bekommt sie den tollen Posten und nicht ich. Die zwei Brüder haben sich zusammengetan und tricksen mich bei der Erbschaft aus. Solche Gedanken kann man schon haben, eine Front gegen sich zu vermuten kommt durchaus mal vor; vor allem, wenn Menschen belastenden Situationen ausgesetzt sind und sich ausgeliefert und ohnmächtig fühlen, erklärt Business-Coachin und Lebens- und Sozialberaterin Miriam Knyrim-Mager. „In solchen Fällen neigen sie dazu, die Dinge von innen nach außen zu geben. Dann beschließen sie einfach, der andere ist schuld, und dann fühlt es sich okay an, dass man nichts machen kann. Das ist total praktisch.“

Durch die Verschwörungsbrille schauen


Hat man sich einmal dazu entschlossen, die Dinge so zu sehen, wird auch jedes Puzzleteil ins Bild passen, sagt Knyrim-Mager. Denn dann filtert man, schaut durch eine Verschwörungsbrille und sieht nur die Dinge, die in die eigene Theorie passen. Was dagegen spricht, wird ausgeblendet. „Wenn ich gerade in einer Krise stecke, kann das für kurze Zeit sogar ganz gut sein, weil es helfen kann, dass sich mein inneres Chaos beruhigt.“ Aber eben nur für kurze Zeit. Hält der Zustand an – jemand meidet jedes Familienfest oder bekommt schon Sonntagmittag Bauchkrämpfe, wenn er an den Job denkt –, lohnt es, zu schauen, ob die Verschwörung wirklich eine Verschwörung ist.

Der Verschwörungscheck


Ob man tatsächlich gemobbt wird oder man sich eine Verschwörung gegen sich nur einbildet, kann man (als psychisch gesunder Mensch) am besten durch die Unterstützung von anderen erkennen. Also: Freunde, Familie, Kollegen ansprechen, ob sie gewisse Sachen auch so wahrnehmen. Durch das Feedback sieht man dann meistens klarer. Und für die Nahestehenden gilt: Fängt jemand an, sich in Konstrukten zu verlieren, die mit der Realität nichts zu tun haben, lassen Sie ihn mal reden und hören Sie ihm zu, sagt die Coachin. „Oft ist das für den anderen schon so eine Erleichterung, dass er selber nachzudenken und die Sache zu hinterfragen beginnt.“ Wenn das nicht der Fall ist, halten Sie sich trotzdem mit Ihrer Sicht der Dinge zurück und stellen Sie lieber Fragen im Sinne von „Ich weiß ja, dass du auf deinen Ex-Mann angefressen bist, aber kann es nicht sein, dass du selbst auch einen kleinen Anteil an dem Streit hast?“. „Da ist das Tolle: Auf so eine Frage kann der andere immer noch mit ,Nein‘ antworten, aber sie wirkt trotzdem bei ihm nach und kann etwas in Gang ­setzen“, sagt Miriam Knyrim-Mager.

Krankhafte Vorstellungen


Werden Ideen und Vorstellungen immer fantastischer und exzentrischer, dann können sie auch Anzeichen für eine psychische Erkrankung sein, erklärt Psychiaterin Sandra Weipert. „Man würde von einer wahnhaften Symptomatik sprechen, wenn jemand von Dingen fest überzeugt ist und Sachen für real hält, die nicht mit der Realität des Umfelds übereinstimmen.“ Bei Demenz, unterschiedlichen Arten von Psychosen, Schizophrenie oder wahnhaften Störungen kann das so sein. Bemerkt man solche Erscheinungen, empfiehlt Sandra Weipert eine rasche Abklärung: „Je früher man behandelt, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass das wieder weggeht oder dass es sehr viel besser wird.“

Raus aus dem Kopfkino


Und wie geht so etwas wieder weg, wenn es nichts mit einer Erkrankung zu tun hat? Einzig und allein durch ein Konfliktgespräch, sagt Coachin Knyrim-Mager. Und zwar sowohl bei eingebildeten Verschwörungen als auch bei echten Fronten gegen einen. „Wenn man das Gespräch nicht sucht, geht das Kopfkino ewig weiter und es wird sich genau nichts lösen“, sagt die Expertin. Tja, dann mal Augen zu, Mund auf und durch.

Ohne Gespräch keine Verschwörungs-Lösung. Hier einige Tipps von Miriam Knyrim-Mager, wie das gelingen kann:

  • Innerliche Ruhe. Ruhig bleiben ist das Um und Auf. Und das kann man üben, z. B. mit so einfachen Dingen wie: Stellen Sie sich vor, Sie atmen Sonnenlicht ein und alle negativen Gedanken und Gefühle aus. Geht vor, aber auch während des Gesprächs.
  • Ebenen „entwurschteln“: Halten Sie die Sach- und die Beziehungsebene auseinander. Dröseln Sie vor dem Gespräch auseinander: Was genau macht die andere Person in der Sache und was ist die Emotion, die das bei mir auslöst? Bewusstmachen hilft schon.
  • Brücken bauen. Unterstellen Sie dem anderen keine böse Absicht und geben Sie ihm genug Spielraum, damit Sie auch eine Lösung finden können. Bei Angriffen geht er nur in den Gegenangriff und Fronten können sich zusätzlich verhärten. Sätze wie „Ich nehme an, du hast einen guten Grund gehabt, so zu handeln, kannst du mir erklären, wieso?“, sind gute Brückenpfeiler.
 

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