Haare waschen

92 Millionen Euro für Shampoo und noch einmal 31 Millionen Euro für Conditioner, Balsam, Kuren, Aufbau- und Repair-Cremes: Im Vorjahr haben wir Österreicher für Haarpflege tief in unsere Taschen gegriffen, so das Marktforschungsunternehmen RegioData. Im internationalen Vergleich ist das zwar eine eher geringe Summe, doch sie zeigt: Das Thema Haar beschäftigt uns - mehrfach pro Woche.

Unsere Gesellschaft ist unnötigerweise abhängig von Shampoo und Pflegeprodukten. Eine Sucht, die bei zu häufigem oder gar täglichem Einsatz zu gereizter und fettiger Kopfhaut, Schuppen, Haarausfall und brüchigem Haar führen kann. - Mit Thesen wie diesen sorgt seit einiger Zeit ein Trend für internationale Aufruhr: "No (Sham-)Poo". Der Name ist gleichzeitig Lösung für das Problem, so die Befürworter der Bewegung, die auf herkömmliche Shampoos verzichten. Stattdessen wird das Haar entweder mit Backsoda (Natron) und verdünntem Apfelessig oder gar nur mit Wasser gereinigt. Gut, billig und ökologisch wertvoll, gelangen doch bei dieser Methode weniger Chemikalien in das Abwasser.

Dass diese darüber hinaus funktioniert, demonstrieren AnhängerInnen gern mit ihrer natürlichen Haarpracht:

Auch durch die Wissenschaft erhält die "No Poo"-Bewegung Unterstützung, zumindest teilweise: "Zu hoch dosierte Shampoos können Ablagerungen hinterlassen, die das Haar beschweren und stumpf aussehen lassen", erklärt Dr. med Claudia Borelli, die Leiterin der Einheit für Ästhetische Dermatologie und Laser der Universitätshautklinik Tübingen, "der Intepretation einer zehntägigen Studie zufolge werden durch häufige Haarwäschen mehr Tenside an das Haar absorbiert. Dies könnte zu einem schnelleren Aufziehen von Lipiden auf das Haar führen und für die Beobachtung sprechen, dass häufiges Haarewaschen das Haar tatsächlich fettiger aussehen lässt."

Mehr dazu und Tricks für frisches Haargefühl auch zwischen den Waschgängen gibt es auf Seite 2 >>

Seit 25 Jahren beschäftigt sich "Haaryourveda"-Expertin Balvinder Sidhu mit ihrem Institut „Kaya Veda“ auf ayurvedische Methoden bei Haut- und Haarproblemen.
Ihre Tipps für die Haarpflege:

Vata-Typ (trockene Haare, dünner Körperbau): 1 - 2 x Haarewaschen/ Woche; extrem trockene Kopfhaut mit Öl über Nacht pflegen, am nächsten Morgen wie gewohnt waschen.
Kapha-Typ (kräftiges, fettes Haar, massiger Körperbau): 1 - 2x Haarewaschen/ Woche; bei fettiger Kopfhaut oder Haarausfall: 3x pro Woche Kopfhaut-Peeling
Pitta-Typ (dünnes Haar, mittlerer Körperbau): 2x Haarewaschen/ Woche, Kräuter-Tonikum zur Stärkung des Haars

Nachzulesen in ihrem Buch Das Ayurveda-Glücksbuch: In 6 Stufen zum Herzensziel.
Großartiges Haar durch richtige Pflege

Ist Haarewaschen also schädlich? 
„Wenn man täglich mit Kernseife darauf losgeht, bestimmt", meint die Münchner Dermatologin Dr. Zänker, doch "solange auf haartypgerechte Pflege geachtet wird, ist auch gegen die tägliche Haarwäsche nichts zu sagen." Fettige Haare bekämpft man mit Anti-Fett-Shampoos, die keine rückfettende Wirkung haben und gegen trockene Haare gibt es Shampoos mit mehr feuchtigkeitsspendenden Stoffen (z. B. Weizenkeimöl, Jojoba- oder Mandelöl). Diese sorgen dafür, dass der schützende Feuchtigkeitsfilm erhalten bleibt und machen so die Haare geschmeidiger.

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Nicht nur das womit ist entscheidend, sondern auch das Wie. Mit diesen einfachen Schritten waschen Sie Ihre Haare richtig >>

Wie Ihr Haar auch ohne ständiges Waschen frisch aussieht, verraten wir auf Seite 3 >>

Auch wenn Ihr Haar durch das richtige Waschen nicht leidet, müssen Sie dennoch nicht ständig vor dem Spiegel oder der Waschmuschel stehen. Diese Tricks zaubern ein Haargefühl wie frisch gewaschen:

  • Verwenden Sie Schaumfestiger oder andere Styling-Sprays: Der enthaltene Alkohol sorgt dafür, dass die Kopfhaut weniger schnell nachfettet. Zudem geben diese Produkte dem Haar eine Art Ansatz-Lifting. Dadurch liegt es weniger eng an der Kopfhaut an und kommt so weniger mit dem Haar-Talg in Berührung.

  • Bei einem Pony hilft leichtes Toupieren - so hat das Haar mehr Abstand zur Kopfhaut.

  • Putzen Sie Ihre Bürsten und Kämme einmal pro Woche mit einem Shampoo-Bad, denn Rückstände von Talg, Conditioner oder Styling-Produkten bleiben in ihnen hängen und können das Haar strähnig machen.

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  • Wenn nur der Ansatz fettig ist, können Sie mit Trockenshampoonachhelfen: Einfach eine nicht zu große Menge davon aus rund 30 Zentimeter Entfernung auf den Haaransatzsprühen, mit den Fingerspitzen gut in die Kopfhaut einmassieren und zwei Minuten einwirken lassen. Danach sehr gründlich mit einer Bürste ausbürsten.

  • Bei längerem Haar können Sie die Haarwäsche durch einen eng an den Kopf frisierten tief im Nacken gebundenen Pferdeschwanz verzögen. Kürzeres Haar übersteht die Zeit bis zur nächsten Haarwäsche, wenn es mit etwas Styling-Gel leicht androgyn aus dem Gesicht frisiert wird.

Zwei oder drei Haarwäschen pro Woche reichen auch, doch wer auf das tägliche Haarewaschen nicht verzichten möchte, der greift am besten zu milden Shampoos.

So, jetzt beherrschen auch Sie die Kunst des richtigen Haarewaschens!

 

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