Gruselige Schularztbesuche und fiese Mitschüler*innen: Eure prägendsten Schul-Erinnerungen

Wir haben euch nach euren schönsten und schlimmsten Erinnerungen aus der Schulzeit gefragt. So viel steht fest: Ihr hattet’s wirklich nicht leicht.

Klassenzimer

In wenigen Tagen geht die Schule wieder los. Für manche Grund zur Vorfreude, für andere Auslöser für Nervosität und Panikattacken. Wir haben euch auf Instagram gefragt, welche Momente eure Schulzeit geprägt haben – in positiver oder negativer Weise. Das Ergebnis: Vor allem schlimme Erlebnisse sind euch im Gedächtnis geblieben:

Für einige von euch waren Besuche beim*bei der Schularzt*ärztin ein furchtbares Erlebnis:

"Ich habe vor allem unsere Schularzt-Untersuchungen in schlechter Erinnerung."

"Ich musste in Unterhose mit allen anderen Mädels (die mich sowieso täglich fertig gemacht haben) in einer Reihe stehen und vor allen gewogen werden. Dann sagte der männliche Doktor auch noch vor allen, dass ich aufhören soll, so viele Wurstsemmeln zu essen. Danach habe ich jedes Jahr die Woche vor der Arztuntersuchung Panikattacken bekommen."

"Tag der Schuluntersuchung: Wir mussten uns im Klassenzimmer ausziehen und in Unterwäsche in das Ärztekammerl über den Gang laufen, genau bei mir läutete der Pausengong .... mehr sag ich nicht."

Andere mussten traumatisierende Erfahrungen mit ihren Lehrer*innen machen:

"Ich wurde von einer Lehrperson richtig schlimm gemobbt. Diese Person hat nahezu mein Leben zu dieser Zeit zerstört. Es ging damals von der Direktion, die ihr anfangs die Stange hielt, letztendlich bis zum Stadtschulrat. Ich habe aber noch Schule gewechselt, bevor die Lehrerin gehen musste. Ich habe psychisch so stark darunter gelitten, dass ich schon heftige psychosomatische Probleme hatte, angefangen vom Reizdarm, den ich bis heute habe, bis hin zu Harnwegsinfektionen. Der Schulwechsel hat mir gutgetan, aber kam viel zu spät. Schade, dass die Lehrerin nie wirklich zur Rechenschaft gezogen wurde. Sie hat sogar meinen derzeitigen Beruf mitbestimmt. Ich wollte Lehrerin werden, um es besser zu machen als sie. Die Angst mit ihr an derselben Schule als Kolleginnen zu landen, war trotzdem immer da??"

"Ich hatte im Gymnasium einen Professor, der mir an den Kopf warf, dass ich es als Kind einer Alkoholkranken, wohl im Leben nie so richtig zu etwas bringen werde. Tja, falsch gedacht.?‍"

"Mir hat ein Professor gesagt, dass man es in Österreich als Kind aus einer armen Familie nie zu was bringen wird. Ich hab dann einfach das Land verlassen?"

"Erste Schulwoche in der Hauptschule: Es war meine erste Deutschstunde. Die Lehrerin kam rein, stellte sich vor, kam direkt zu mir und hat vor der ganzen Klasse gefragt: “V e r s t e h s t d u u n s ?”. Ich habe damals nicht verstanden, weshalb sie das gefragt hat und war einfach nur verwirrt. Heute weiß ich den Grund."

Auch mit Mobbing durch Mitschüler*innen und der Angst, nicht "ins Bild" zu passen, hatten einige von euch zu kämpfen:

"Ich habe in der Unterstufe schlimme Erfahrungen mit Mobbing gemacht. Wer nicht ins "Normalbild" passte, wurde fertig gemacht. Der Gruppenzwang war unglaublich stark. Das prägt für den Rest des Lebens (definitiv nicht auf positive Art und Weise)."

"Ich dachte bis ich etwa 28 war, dass mit mir und meinem Körper was nicht stimmt."

"Ich wurde in der Schule (ab meinem 14. Lebensjahr) Mops genannt."

"Wegen Armut hatte ich nie tolle Klamotten. Dafür habe ich mich geschämt."

Ein paar kleine Lichtblicke gab es dann doch noch:

So sind einigen von euch einzelne Unterrichtsfächer in positiver Erinnerung geblieben:

"Kunst, Musik, Deutsch, Englisch"

Eine Userin hat ihr Highlight der Schulzeit mit wenigen Worten unmissverständlich auf den Punkt gebracht:

"Heiße Kerle“

Es hapert mit dem Schulsystem

Dass uns vor allem negative Erlebnisse aus der Schulzeit in Erinnerung bleiben, macht mal wieder deutlich, wie viel es in unserem Schul- und Bildungssystem noch zu tun gibt. Unqualifizierte Lehrpersonen, fehlende pädagogische Skills, mangelhafte Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, Leistungsdruck, Vererbung von Bildungschancen, zu wenig Fokus auf Stärken und Talente, einseitige Unterrichtsmethoden, unzureichende Inklusion – die Liste der Baustellen ist lang.

Studien wie jene der Arbeiterkammer zeigen, welchen Auswirkungen Mobbing (also die systematische Ausgrenzung, Verspottung, Beschimpfung einzelner Personen) auf mentale Gesundheit und Leistung von Schüler*innen haben kann: Opfer leiden oftmals an Schlafstörungen, Verlust des Selbstvertrauens, Schulangst und in extremen Fällen Depressionen – was sich logischerweise häufig auf die Performance der Schüler*innen auswirkt. Dennoch scheint sich in der Praxis wenig zu ändern. Mit Corona kommt nun eine weitere Dimension an Herausforderungen auf uns zu: Es braucht Hygienemaßnahmen, um die Verbreitung des Virus zu verhindern und klare Pläne, wie im Falle einer Infektion vorzugehen ist (wie kann eine Umstellung auf Homeschooling - sollte sie nötig sein - besser gelingen?) – gleichzeitig soll der Unterricht ungestört weiterlaufen (mehr zu den geplanten Regelungen für den Schulstart hier). Es ist zu hoffen, dass bisherige Problemherde aufgrund dessen nicht völlig vergessen werden.

 

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