Grüner Glamour: 5 Schmucklabels und ihr Weg zu mehr Nachhaltigkeit

Schmuckstücke tragen wir gut und gerne ein Leben lang, doch ihre Herstellung ist dennoch oft problematisch. Welche Marken kann man also noch mit gutem Gewissen kaufen? Wir haben uns auf die Suche begeben...

Lillian von Trapp grüner Schmuck

Es kann das erste, selbstgekaufte Schmuckstück sein, der Ehering oder das Armband, das schon seit Teenagerzeiten einen Fixplatz im Schmuckkästchen hat – fest steht: Schmuck wird meist weitaus länger getragen als Kleidung. Seine Herstellung ist dennoch oft problematisch. Vor allem die Gewinnung der verwendeten Materialien kann für Mensch und Umwelt verheerend sein. Umso wichtiger ist es, zu wissen, wie die Stücke entstehen, die uns oft ein Leben lang begleiten. Hier kommen fünf ganz unterschiedliche Marken und DesignerInnen, die auf ihre ebenso eigene Art, versuchen die Schmuckbranche etwas grüner zu machen.

Lilian von Trapp

Grüne Schmucklabels

Lilian von Trapp studierte Jura bevor sie sich 2016 dazu entschloss ein eigenes Label (lilianvontrapp.com) zu gründen. Den entscheidenden Impuls dazu gab der Schmuck ihrer Mutter. Lilian von Trapp hatte ihn kurz vor ihrem Studienabschluss geerbt und umarbeiten lassen. Die neuen, alten Stücke stießen im Bekanntenkreis der Berlinerin auf Begeisterung. Mittlerweile haben Lilian von Trapps zarte Entwürfe Fans auf der ganzen Welt. Ihr Konzept ausschließlich mit Vintage-Diamanten und recyceltem Gold zu arbeiten gilt als wegweisend und vorbildhaft für die Branche, deren Missstände – vor allem wenn es um den Abbau von Edelsteinen und -Metallen geht – überdeckt von traditionsreichen Manufakturen und aufwendigen Herstellungsverfahren nicht selten unsichtbar bleiben. Lilian von Trapp sagt: „Die Zukunft der Umwelt liegt in unseren Händen.“ Zwei Prozent aller Erträge spendet die Designerin an Projekte zur Bekämpfung der Langzeitschäden des herkömmlichen Gold- und Diamantenabbaus.

Pandora

Pandora grüner Schmuck

Als globales Unternehmen, das jährlich riesige Mengen an Schmuck herstellt und verkauft zählt die dänische Marke Pandora ohne Zweifel zu den Big Playern der Schmuckindustrie. Doch anders als viele vergleichbare Brands, bemüht man sich bei Pandora seit jeher um Transparenz, wenn es um Arbeitsbedingungen und Herstellung geht. So gehört das Unternehmen mit seinen Produktionsstandorten in Thailand dem Responsible Jewellery Council an. Diese unabhängige Institution prüft etwa die Quellen der Gold- und Silber-Ressourcen auf ihre Nachhaltigkeit. Ohnehin kämen Pandoras jährlichem Sustainability Report zufolge beinahe hundert Prozent der Sterling-Silberkörner und etwas mehr als 80 Prozent der Goldkörner mittlerweile aus recycelbaren Ressourcen. Was die Produktionsstätten und seine fast 14.000 dort angestellten MitarbeiterInnen betrifft, garantieren die DänInnen neben überdurchschnittlicher Entlohnung auch ein sozial verträgliches, achtsames Arbeitsumfeld. Die Pandora-Produktionsstätte im Norden Thailands wurde darüber hinaus den Leitlinien des LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) folgend konzipiert. All das geschieht bei Pandora übrigens eher beiläufig und ohne großen Marketingwirbel.

Obizzi Goldsmithery

Obizzi grüner Schmuck

Hinter den 900 Jahre alten Mauern des Wiener Palais Obizzi hat sich Stephanie Derhaschnig mit ihrem gleichnamigen Schmucklabel (obizzi.com) niedergelassen. Über den Umweg eines Wirtschaftsstudiums ließ sich Derhaschnig 2013 zur Goldschmiedin ausbilden. Ihr Talent Altes mit Modernem zusammenzubringen zeigt sich in ebenso außergewöhnlichen wie alltagstauglichen Kreationen. Inspirieren lässt sich Derhaschnig häufig im Formenreichtum der Natur. Und auch ein Gefühl der Verantwortung Mensch und Umwelt gegenüber findet sie genau dort: Ihre Schmuckstücke, allesamt Unikate, fertigt die Wienerin aus recycelten und fair gehandelten Edelsteinen und -Metallen. Bei Obizzi vorbeizuschauen lohnt sich übrigens auch wegen des fabelhaft schönen Interiors der Boutique. (1., Schulhof 2)

Tiffany & Co.

Tiffany grüner Schmuck

Dass Tiffany’s für ganz große Handwerkskunst steht, muss hier nicht lange erklärt werden. Für viele ist der New Yorker Traditionsjuwelier der Inbegriff von Glam und Luxus. Neu ist hingegen, dass das Unternehmen nun auch immer lauter davon spricht, wie wichtig es gerade im Luxusbereich sei, nicht nur Sehnsuchtsobjekte, sondern auch Wissen und Informationen anzubieten. In einem ersten Step hat sich Tiffany & Co. dazu bekannt, die Herkunft seiner Diamanten nachvollziehbar zu machen. Bis 2020 möchte die Marke dann den kompletten Fertigungsprozess vom Standort des Diamantenschliffs bis zu den Polierstätten offenlegen. In Tiffany's Nachhaltigkeitsbericht heißt es: „Wir wissen, dass unser geschäftlicher Erfolg untrennbar mit dem Wohl unseres Planeten und seiner natürlichen Ressourcen sowie unserer Mitarbeiter verknüpft ist. Wir engagieren uns für wichtige Belange und ermutigen auch andere, uns bei unserem Engagement für einen tiefgreifenden Wandel zu unterstützen.“ So möchte das Unternehmen etwa unberührte Landschaften vor den schädlichen Auswirkungen des Bergbaus bewahren und sich vermehrt für den Schutz der Menschenrechte in Diamanten-Abbauländern wie Angola und Zimbabwe einsetzen.

SeeMe

SeeMe grüner Schmuck

Mit dem Ziel Gewalt durch Liebe zu ersetzen ging das niederländische Schmucklabel Seeme an den Start. Denn gefertigt werden die filigranen, meist herzförmigen, Stücke von weiblichen Gewaltopfern, die, vor allem im mittleren Osten und Nordafrika, häufig alleinerziehend und von der Familie verstoßen, am Existenzlimit leben. In sicherer Umgebung wird den Frauen Wissen um Materialien und Handwerk beigebracht und so ein selbstständiges, finanziell unabhängiges Leben ermöglicht. Die Idee dazu hatte die gebürtige Italienerin Caterina Occhio nachdem sie 2013 als UN-Entwicklungshelferin Tunesien bereiste. Mittlerweile trägt SeeMe das Fair Trade-Siegel und beliefert mit seinen Goldschmiedinnen auch andere Modelabels.

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