Grundzutaten einer guten Beziehung - aus der Sicht einer Scheidungsanwältin

Rechtsanwältin Katharina Braun erzählt aus Ihrer Praxis. Diesmal: Drei Dinge, die gute Beziehungen brauchen - damit es später keine Scheidungsanwältin braucht.

frau umarmt mann sonnenuntergang wiese

Ein Patentrezept für eine gelingende Beziehung gibt es nicht. Als auf das Familienrecht spezialisierte Rechtsanwältin kann ich jedoch immer die gleichen Punkte feststellen, an denen Paare scheitern. Meiner persönlichen Conclusio zufolge sind folgende drei Punkte ganz entscheidend dafür, dass man es lange gut miteinander aushält:

3 Dinge, die für eine gute Beziehung wichtig sind

1. Eine positive Grundeinstellung

Eine Beziehung mit einem mieselsüchtigen, grantigen Menschen ist nur schwer zu ertragen und macht so gut wie nie glücklich. Gute Momente werden noch schöner und Krisenzeiten leichter bewältigbar mit einem Menschen, der eine positive Grundeinstellung zum Leben hat. Denn wenn es mal nicht so läuft, ist es wichtig, einen Menschen an der Seite zu haben, der aufbaut, Zuversicht gibt. Gemeinsames Lachen, aber auch Lachen über sich selbst, ist ungemein befreiend.

2. Bedingungslose Zuneigung und ehrliche Aufmerksamkeit

Es stimmt: Kleine, gegenseitige Aufmerksamkeiten erhalten nicht nur die Freundschaft, sondern auch die Liebe. Die müssen auch nichts kosten. Der Partner erfreut sich an einer lieben Nachricht auf einem Post-it-Zettel am Kühlschrank, der schönen Blume am Arbeitstisch. Aufmerksamkeiten, an denen der andere merkt, dass an ihn gedacht wurde. Hierzu gehören auch Zugeständnisse, Kompromisse, die man eben macht, weil man den anderen liebhat. So in etwa die Einladungen der Kinder des Partners aus erster Ehe, die es einem vielleicht auch nicht immer einfach gemacht haben, die aber für den Partner eben wichtig sind. Die Aufmerksamkeiten sollten aber nicht mit einer Gegenforderung á la „Ich mache das für dich, dafür musst du jenes für mich machen“ verknüpft werden. Denn das nimmt die Freude am Geben und erzeugt beim Anderen einen Druck, welcher sich wiederum belastend auf die Beziehung auswirkt.

Wichtig ist in einer Partnerschaft auch die körperliche Begegnung. Das gegenseitige Berühren. Sex ist auch ganz viel Kommunikation. Andauernde körperliche Ignoranz wird meist als Ablehnung verstanden. Aussagen wie „Er will immer nur Sex“ sind sicherlich alles andere als lieb, und werden bei Scheidungen immer wieder thematisiert. Dies vor allem dann, wenn der Andere in weiterer Folge Sex mit jemandem anderen hatte.

3. Respekt

Eins habe ich schon oft erlebt: Ein böser Satz kann ein Leben lang schmerzen. Wichtig ist eine Begegnung auf Augenhöhe, den anderen mit all seinen Macken nehmen so wie er ist. Ja, natürlich ist es normal, dass einem der Partner mal gewaltig auf die Nerven geht und man ihn oder sie zum Mond wünscht. Jedoch sollte die Kommunikation nie untergriffig werden. Sätze wie „Du bist ein Looser, „Du bist ja nur eine Hausfrau“ haben in einer guten Beziehung nichts zu suchen. Jeder Partner hat seinen Part in einer Beziehung zu tragen. Deshalb ist es gut, immer wieder gemeinsam abzuklären, was einem als Paar wichtig ist. Wie will man gemeinsam leben? Und zwar ganz individuell, unabhängig von gesellschaftlichen Vorgaben. So kann es durchaus für das eine Paar gut sein, separat zu wohnen und nur am Wochenende und fallweise unter der Woche Zeit miteinander zu verbringen. Kann man die Lebensweise des Anderen nicht akzeptieren, wird wohl die gemeinsame Zukunft endend wollend sein.

Wenn die Beziehung trotzdem nicht läuft

Fühlt man sich mit dem Anderen dauerhaft unglücklicher als alleine, wird man wohl nicht umhin kommen, sich mit der Motivation hinter dem Trotzdem-Zusammenbleibens auseinander zu setzen. Ist es die Angst vor dem Singlesein, vor finanziellen Einbußen? Welche der Ängste ist berechtigt? Ist sie es wert, dafür eine freudlose Beziehung in Kauf zu nehmen?

Auffällig ist zudem, dass die meisten die sexuelle Treue wie einen heiligen Gral vor sich her tragen. Oft höre ich Sätze wie „Egal, wie unglücklich ich mit meinem Partner bin, ich würde ihn oder sie nie betrügen.“ Gleichzeitig packen jedoch dann diese Menschen im Freundeskreis Sachen über den Partner aus, die diesen komplett herabwürdigen und lächerlich machen. Wo fängt hier die Untreue bzw. Illoyalität an? Was wiegt dann schwerer: der körperliche Betrug oder der Verrat mit Worten?

Ich höre oft in meiner Praxis: Ich kann mich doch nicht wegen den Kindern scheiden lassen, die wären so furchtbar arm. Eins kann ich wirklich sagen: Ob man die drei von mir genannten Punkten nun genauso nennt oder ihnen andere Titel gibt – wenn es in einer Beziehung an diesen Grundvoraussetzungen fehlt, steht die Partnerschaft unter keinem guten und schon gar nicht langfristigen Stern. Kinder haben ein Anrecht zu sehen, dass Erwachsene/ihre Eltern liebevoll und respektvoll miteinander umgehen. Sonst werden diese zu Nichtscheidungskinder, denen es später an einem Role Model einer gesunden Beziehung fehlt.

Menschen mit unterschiedlichem Temperament können meiner Meinung nach eine gute befriedigende Beziehung miteinander führen. Ich kenne viele Paare, bei denen die Frau die Gesellige ist, während der Mann gerne zuhause seinen Hobbies nachgeht. Eine perfekte, gänzlich problembefreite Beziehung gibt es nicht.

 

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