Gründe, warum Frauen nicht immer nett sein sollten

Lieb sein hat (leider) meistens niemanden weitergebracht - auch wenn es Frauen ihr Leben lang eingeredet wird.

Nette Frauen lächeln, nicken, sind ruhig, bescheiden und räumen stillschweigend hinter allen anderen Familienmitgliedern auf, ohne zu jammern. Sie putzen, kochen und bleiben auf, um die perfekte Geburtstagsfeier vorzubereiten. Sie versuchen es allen recht zu machen und vergessen dabei vor allem auf eins: sich selbst.

Dass das für die eigene körperliche wie psychische Gesundheit schädlich ist, beweisen nicht zuletzt die Zahlen von Depressionen und Angststörungen unter Frauen. Denn das Zu-nett-Sein führt dazu, dass negative Gefühle, Ängste und Ärgernisse hinuntergeschluckt werden - und irgendwann umso drastischer ausbrechen.

Hier sind ein paar Gründe, warum Frauen nicht immer nett und lieb sein sollten - und ihren inneren "Badass" ruhig rauslassen können:

1: Die Gesundheit leidet

In einem Interview erklärt die britische Psychologin Jacqui Marson, die ein Buch über den Fluch des Nett Seins geschrieben hat: "Gefangene Gefühle sind giftig für unsere Psyche und unseren Körper. Sie fressen uns von innen auf und schwächen unser Immunsystem." Ein bisschen weniger "Natürlich, mach ich sofort" und ein bisschen mehr "Nein, eigentlich habe ich gerade keine Lust drauf" tun also vor allem deiner Gesundheit gut.

2: Dauer-Nett-Sein ist ein Energiefresser

"Frauen und Männer werden sozialisiert, ihre Gefühle unterschiedlich zu zeigen. Während Männer tendenziell eher externalisieren, richten Frauen Aggression eher gegen sich selbst (in Form von Depressionen, Dauerdiäten, etc.). Dieses Gegen-sich-selbst-Richten von Aggression kann auch zu psychogenen Schmerzen und Erschöpfung führen", sagt die psychosoziale Beraterin Bettina Zehetner. Kurzum: immer ständig zu allem Ja und Amen zu sagen, führt schneller zum Energie-Zusammenbruch als man glaubt. Wenn die psychischen und körperlichen Symptome dann auch nicht nach außen kommuniziert werden, wird es gefährlich.

3: Deine Umwelt versteht dich nicht

Die Folge von unterdrückten Gefühlen sind plötzliche Ausraster, die für die Umwelt sehr verwirrend sein können. Wenn die eigentlich so liebe und hilfsbereite Mama beim Abendessen wie aus dem Nichts herumschreit, dann heißt das: hier hat wohl länger etwas unter der Oberfläche gebrodelt und musste hinaus. Das Problem daran: im Nachhinein macht sich die Mutter Vorwürfe - und nicht der Rest der Familie, der ihre Überlastung gar nicht mitgekriegt hat.

4: "Nein" sagen zu können, ist überlebenswichtig

Den Spruch, dass vom Nett Sein allein niemand weitergekommen ist, gibt es leider nicht umsonst. Wer ständig Aufgaben anderer übernimmt, sich zusätzliche Lasten aufhalst und dabei noch lächelnd nickt, obwohl man eigentlich gar keine Lust und Zeit dafür hat, wird irgendwann auch auf der Strecke bleiben. Denn nichts wird in dieser (Berufs-)Welt eher ausgenützt als Nettigkeit.

5: Der Alltag wird dir viel leichter fallen

Sich davon zu verabschieden, was andere Menschen in jeder möglichen Situation von einer denken könnten, ist eine Befreiung. Wer in Situationen wie einem Umtausch im Geschäft nervös wird und das Gefühl hat, etwas Falsches zu machen, kann auf jedem Fall vom Weniger-Nett-Sein profitieren. Diverse Alltagssituationen fallen einer sofort leichter, wenn man sich selbst und seine Wünsche auch einmal in den Vordergrund rückt.

6: Weniger Beziehungsprobleme

Die Angst vor der Konfrontation, vor dem Schlussmachen, vor der Zurückweisung oder Schlimmerem führt in Beziehungen zu ungesunden Abhängigkeiten, die vor allem der "netten" Person darin schaden. Denn die wird weiterhin versuchen, es dem Partner/der Partnerin recht zu machen - unabhängig davon, ob die Folgen für einen selbst fatal sind. Toxische Beziehungen, Partnerschaften und Freundschaften zu erkennen ist wichtig, um sie nicht wieder einzugehen. Und wenn die Beziehung eine weniger nette, dafür selbstsichere Person nicht aushält, dann ist es nicht die richtige.

Wichtig ist dabei jedoch immer: es geht nicht darum, sich in eine rücksichtslose und egoistische Person zu verwandeln - sondern schrittweise das eigene Leben so zu gestalten, dass es einen nicht krank macht. Die Psychologin Marson sagt dazu: "Weil Frauen dazu sozialisiert werden, immer lieb und höflich zu sein, haben sie später Schwierigkeiten damit, auf sich selbst zu achten. Dabei werden sie schnell merken: Eigentlich passiert gar nichts Schlimmes, wenn man sich nicht dauernd entschuldigt oder Aufgaben von anderen nicht sofort übernimmt. Denn sobald du realisierst, wie schädlich das für dich ist, kannst du es nicht mehr ignorieren. Es verändert alles."

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