Große Unterschiede zwischen Mann und Frau

Herzinfarkt tritt bei Männern zwar häufiger auf als bei Frauen, Frauen sterben aber mehr als doppelt so oft daran. Der Wiener Sportkardiologe Manfred Wonisch erläutert die großen Unterschiede bei Symptomen und Risikofaktoren.

Risikofaktoren wirken sich unterschiedlich aus

Die häufigsten Risikofaktoren für koronare Herzerkrankungen: Übergewicht, Bewegungsmangel, erbliche Vorbelastung, Rauchen, Diabetes, Cholesterin, erhöhter Blutdruck. Bei Frauen wirken sie sich jedoch anders aus als bei Männern, erklärt Manfred Wonisch, Sportkardiologe und Primar der Internen Abteilung des Wiener Hartmannspitals:

  • Bei Frauen mit Diabetes ist das Risiko einer Herzerkrankung um das drei- bis siebenfache höher, bei Männern "nur" um das Zwei- bis Dreifache.

  • Höhere Werte des "guten" HDL-Cholesterins haben für Frauen eine höhere Schutzfunktion (ab 50 mg/dl).

  • Erhöhte Triglyzerid-Werte (Blutfett) stellen für Frauen ein höheres Herzinfarkt-Risiko dar (ab 150 mg/dl).

  • Rauchen wirkt sich bei Frauen schädlicher aus als bei Männern: Bei Frauen unter 50 Jahren ist das Rauchen sogar die Hauptursache für Herzerkrankungen.

  • Bei Frauen, die die Pille nehmen, ist das Risiko einer Thrombose, die zu einem Herzinfarkt führen kann, höher.

Die häufigsten Herzinfarkt-Symptome bei Frauen

Bei Männern kündigt sich ein Herzinfarkt meist durch Schmerzen hinter dem Brustbein an, dieses Symptom tritt allerdings nur bei einem Drittel der betroffenen Frauen auf.

Wonisch: „Bei Frauen sind Beschwerden im Oberbauch, Übelkeit, Müdigkeit oder Kurzatmigkeit häufige Symptome. Auch Schlafstörungen treten bei rund der Hälfte der betroffenen Frauen auf.“

Deutlich höhere Sterberate

Auswertungen des deutschen Vivantes-Klinikums Friedrichshain haben ergeben, dass Männer zwar häufiger Herzinfarkte haben, die Sterberate aber deutlich geringer ist. Bei Männern stirbt jeder zwölfte Patient, bei Frauen jede fünfte Patientin.

Frauen sind später gefährdet

„Ein Herzinfarkt tritt bei Männern unter 65 Jahren etwa drei- bis viermal häufiger auf als bei gleichaltrigen Frauen“, erläutert Wonisch. Der Sportkardiologe warnt aber davor, das Risiko für Herzinfarkt bei Frauen zu unterschätzen, denn: „Schon ab dem 55. Lebensjahr versterben wesentlich mehr Frauen an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung als an Brustkrebs.“

Risiko wird unterschätzt

Laut einer Studie am Charité Berlin schätzen Frauen ihr Risiko für Herzerkrankungen deutlich geringer ein als Männer. 62 Prozent der Studienteilnehmerinnen zwischen 25 und 34 Jahren sind der Meinung, dass sie lediglich ein niedriges Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Ein Großteil der Befragten weist jedoch zumindest einen Risikofaktor auf. Ein Viertel der Teilnehmerinnen hat erhöhte Cholesterinwerte, von den Teilnehmerinnen mit krankhaft erhöhtem Blutdruck hielten sich vor der Untersuchung 55 Prozent für völlig gesund.

Gender Medizin

Momentan gibt es in der Therapierung von Herzerkrankungen keine Geschlechterunterschiede. Wonisch: „Es wird allerdings immer wieder kritisiert, dass Medikamente hauptsächlich an Männern getestet werden und die Ergebnisse dann einfach übertragen werden.“

Physikalisch keine Unterschiede

Vom Aufbau her unterscheidet sich das weibliche Herz nicht vom männlichen. „Das Herz der Frau ist zwar im Vergleich zu dem des Mannes kleiner, in Relation zum Gewicht ist die Größe aber dieselbe“, präzisiert Wonisch.

 

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