Großbritannien will Mikroplastik in Kosmetikprodukten verbieten

Gesundheitsschädliches Mikroplastik gibt es in vielen Kosmetikprodukten.

Viele Produkte in unseren Badezimmern beinhalten einen besonders umweltschädlichen Inhaltsstoff: Mikroplastik. Tausende nur millimetergroße Plastikkügelchen können in Zahncreme, Duschgel, Peeling, Gesichtscreme, Seife oder Make-up stecken.

Ohne es zu ahnen, verschmutzen wir etwa beim Zähneputzen unsere Seen, Flüsse und Meere mit Plastikmüll. Aufgrund seiner geringen Größe passiert Mikroplastik meist ungehindert die Kläranlagen. So gelangen ungeahnte Mengen an Plastikmüll in unsere Gewässer und weiter ins Meer. Mikroplastik ist schädlich für die Umwelt und wenn es in der Folge in die Nahrungskette gelangt, dann auch für uns.

Großbritannien plant Verbot von Mikroplastik in Kosmetika

Die britische Regierung will sich jetzt dieses Themas annehmen - und plant ein Verbot von Mikrokügelchen in Kosmetikprodukten, die "abwaschbar sind", wie "The Independent" berichtet. Der Vorschlag kommt jetzt, weil es immer deutlichere Beweise dafür gibt, wie sehr Mikroplastik das Unterwasserleben und auch die menschliche Gesundheit gefährdet. Duschgels, Zahnpasta und andere Reinigungsprodukte sollen von dem Verbot betroffen sein.

Die Verbraucherplattform Codecheck verglich über 103.000 Kosmetikprodukte der Jahre 2014 und 2016. Das ernüchternde Ergebnis: Nach wie vor enthält mehr als jedes dritte Gesichts-und jedes zehnte Körperpeeling Polyethylen, also Mikroplastik. In jedem vierten Duschgel und jedem zehnten Make-up stecken die kleinen Kunststofffasern ebenso drin.

Die Kosmetikindustrie in Großbritannien sträubte sich dagegen, dass Produkte, die "oben bleiben" - wie Make-Up und Sonnenschutzmittel - auch vom Verbot betroffen sind. Mit der Begründung, sie müssten bis zu 90 Prozent ihrer Produkte neu herstellen lassen. Das wäre "schwierig" und "teuer", so der Independent.

Die britische Regierung will ein ExpertInnen-Komitee auf die Frage ansetzen, welche Produkte genau vom Verbot betroffen sein sollen. Wer sich nicht daran hält, wird Warnungen und Sanktionen erhalten. Nächstes Jahr soll das Verbot bereits in Kraft sein - ab 30. Juni 2018 dürfen dann keine solchen Produkte mehr im Handel sein.

KonsumentInnen können sich informieren

"Mikroplastik ist gefährlich, weil es über das Abwasser in unsere Ökosysteme gelangt. Es endet dann nicht nur in den Mägen vieler Tiere, wo es zu physiologischen Störungen und Tumorbildung führt, sondern kommt über die Nahrungskette auch in den menschlichen Organismus", schreibt etwa die BloggerinDariaDaria.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeacehat einen Mikroplastik-Ratgeber herausgegeben, in dem viele Mikroplastik-Produkte gelistet sind. Mit der App "Beat the Microbead" lässt sich außerdem durch einen schnellen Barcode-Scan erkennen, ob im gescannten Produkt Mikroplastik enthalten ist.

Limnologen der Universität Wien haben bei einer Untersuchung des Donauwassers mehr Plastikpartikel als Fischlarven gefunden. Die Donau zwischen Wien und Bratislava transportiert in den Uferbereichen durchschnittlich 317 Plastikpartikel und 275 Fischlarven pro 1000 Kubikmeter Wasser.

Dabei wäre es nicht schwer, Mikroplastik durch natürliche Stoffe zu ersetzen, so Greenpeace: "Mikroplastik und anderen Kunststoffe können jedoch in Kosmetika durch in der Natur vorkommende Stoffe leicht ersetzt werden. In Naturkosmetik werden biologisch abbaubare Inhaltsstoffe wie gemahlene Nuss- oder Kokosschalen, Aprikosen- oder Traubenkerne, Mandelkleie oder Pflanzenpulver ebenso verwendet wie mineralische Stoffe zu denen Salzkristalle, Tonerde, Kreide, Kalk oder Silikate zählen." Die NGO fordert schon lange ein Verbot von umweltschädlichem Mikroplastik in Kosmetika. Auch Schweden hat so ein Verbot bereits angedacht.

So sieht es in Österreich aus

Kosmetikprodukte, die mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet sind, enthalten kein Mikroplastik. In einem Statement von Kosmetik Transparent, dem Sprachrohr der Österreichischen Kosmetikindustrie, aus dem Jahr 2015 haben sich die Markenkosmetik-Hersteller dazu verpflichtet, künftig auf Mikroplastik in Kosmetik zu verzichten.

Dabei müsse, so Kosmetik Transparent, zwischen flüssigem und festem Kunststoff unterschieden werden:

  • Feste Kunststoffpartikel unterscheiden sich von den flüssigen Kunststoffen sowohl durch Größe und Form als auch durch ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften. Feste Partikel sind nur in einigen kosmetischen Mitteln enthalten. So werden bzw. wurden sie z. B. in manchen Produkten zur Körper- oder Gesichtsreinigung eingesetzt, wenn das Produkt einen speziellen Peeling-Effekt aufweisen soll. In der Vergangenheit kamen sie auch in wenigen speziellen Zahnpasten zur Anwendung.
  • Kunststoffe in gelöster Form übernehmen beispielsweise in Haarstyling- und Make-up-Produkten wichtige Funktionen. So wäre ein effektiver Hitzeschutz beim Haarstyling oder eine gute Abdeckungswirkung bei Make-ups ohne diese Polymerverbindungen nicht möglich. Diese Stoffe haben mit Kunststoffpartikeln nichts zu tun und liegen beim Auswaschen oder Abschminken wieder gelöst vor und werden entfernt.

Feste Kunststoffteilchen werden laut diesem Statement bei uns in Österreich nicht mehr eingesetzt, wohl aber flüssige Polymere (z.B. in Haarprodukten als Hitzeschutz).

Generell empfehlen wir jedoch von folgenden Inhaltsstoffen die Finger zu lassen:


- Polyethylen
- Polypropylen
- Polyethylenterophthalat
- Nylon-12
- Nylon-6
- Polyurethan
- Ethylen-Vinylacetat-Copolymere
- Acrylates Copolymer
- Acrylates Crosspolymer
- Polyquaternium-7

Weitere Infos:Link zur Mikroplastik-Studie 2016

 

Aktuell