Gratiszeitung "Heute" macht Ausgabe nur aus Frauenhand

Wie kann Zeitung bzw. Boulevard aussehen, wenn nur Frauen ihn machen? Die Gratiszeitung "Heute" hat es in der Ausgabe von Mittwoch, 14.9.2016 probiert.

Wir lassen normalerweise kein gutes Wort an Gratisblättern wie "Heute" oder "Österreich", zu oft sind die Aufmacher zu reißerisch, sexistisch und rassistisch für unseren Geschmack. Aber man darf nicht außer Acht lassen, wie viele Menschen der Boulevard erreicht und welche Macht diese Art der Berichterstattung auf die Bevölkerung hat. Umso eindrucksvoller, wenn sich so eine Tagezeitung auf ein Experiment einlässt: Wie kann eine Tageszeitung, und wie kann Boulevard aussehen, der ausschließlich von Frauen geschrieben wird?

Am heutigen Mittwoch, 14.9.2016 ist "Heute" Frauensache. Das heißt jedes Ressort, von Politik, Sport, Chronik bis hin zur Chefredaktion, wurde von Frauen gestaltet. Zu ihren bestehenden weiblichen Redakteurinnen hat sich "Heute" dafür führende Journalistinnen des Landes eingeladen: Auch WIENERIN-Chefredakteurin Barbara Haas war mit dabei und hat den gestrigen Tag in der "Heute"-Redaktion verbracht. Außerdem waren Iris Bonavida („Die Presse“), Barbara Toth (Falter), Esther Mitterstiehler (News), Katharina Weinmann (ORF), Barbara Wakolbinger (ORF), Isabella Kubicek (Krone), Steffi Riegler (Krone), Tanja Bauer (Sky) und Elisabeth Auer (ATV) Teil des Redaktions-Teams. Conny Bischofberger von der "Krone" hat die Chefredaktion übernommen.

Denise Auer

Die weibliche Heute-Redaktion beim Meeting.

„Es geht uns nicht darum zu überprüfen, ob Männer oder Frauen die bessere Zeitung machen“, sagt „Heute“-Chefredakteur Dr. Christian Nusser. „Für uns ist es vielmehr spannend zu beobachten, ob sich die Tonalität, die Geschichtenauswahl, der Schreibstil und die optische Präsentation ändern, wenn Frauen das Ruder übernehmen.“

Inhaltlich sind coole Ansätze dabei: Iris Bonavida und Barbara Tóth haben sich beispielsweise vorgestellt, wie die österreichische Regierung aussehen könnte, wenn das gesamte Kabinett weibliche wäre. Esther Mitterstieler hat mit Angela Merkel, Christine Lagarde und Liliane Bettencourt drei mächtige Frauen vorgestellt, und Barbara Haas hat die Diskussion rund einem Burka-Trägerin in einer deutschen Talk-Show thematisiert. Dazu gab's ein differenziertes Pro und Contra zum Burka-Verbot. Aus der Lokalpolitik gab es einen Bericht von VP-Frauen, die sich für kürzere Intervalle der Straßenbahnlinie 5 einsetzten, außerdem gab's Berichte darüber, wie es als Frau bei der Wiener Polizei ist und wie Karrierefrauen ihr Privatleben mit Beruf unter einen Hut kriegen. Auch die oft übersehen Leistungen weiblicher Sportlerinnen wurden thematisiert: Mit so einem Boulevard können wir uns anfreunden!

Hier geht's zum gesamten ePaper der heutigen Ausgabe!

 

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