Goodye, Deutschland!

Schicke NIE den Fan zum Star, es könnte sein Leben verändern!!! So geschehen mit Film-Redakteurin Catherine Gottwald: Sie traf den „König der Löwen“ unter den deutschen Schauspielern. Die Folge: Seit ihrer Begegnung mit Jürgen Vogel sieht sie alles nur mehr aus der Vogelperspektive!

Im Film Gnade geht's um Liebe, Moral, Schuld und Vergebung. Du spielst den deutschen Ingenieur Nils, der mit seiner Familie nach Hammerfest in Norwegen auswandert. Die brutalen Witterungsverhältnisse verändern die Beziehungen unter den Menschen und die Beziehung zwischen Nils und seiner Frau. In einer Szene trägst du einen unglaublich hässlichen schwarz-weißen Norwegerpulli. Requisite oder selbst gewählt?

Jürgen Vogel: Nils ist ein Auswanderer. Er geht nach Hammerfest, hat dort neben seinem Job auch eine Farm mit Schafen. Er will neu anfangen und sein Ding durchziehen. So ein Norweger-Pulli gehört dort dazu. Das ist authentisch. Ich mochte das. Den tragen dort alle. Zugegeben: Schön ist der nicht. Mir ist er auch nach dem Waschen eingelaufen ...

Gnade wirft die zentrale Frage der Zeit auf: Lohnt es sich, für die „Liebe des Lebens" zu kämpfen, wenn der anfängliche Enthusiasmus einmal verpufft ist und auch die Leidenschaft nicht mehr so lodert? Soll man sich da einen Weg zurück erkämpfen oder sich frei eine der anderen Optionen wählen?

Filmbild Gnade

Jürgen Vogel: Gnade gibt dir als Zuschauer die Möglichkeit, dich zu entscheiden, was DU darin siehst. Wenn DU den Film als Liebesfilm interpretierst, finde ich das gut. WIR erzählen damit aber mehrere Geschichten, die mit dem Leben zu tun haben und miteinander verknüpft sind. Mir gefällt an dieser Geschichte, dass Menschen NICHT alles hinschmeißen, wenn's nicht gut läuft. Mir gefällt, dass Nils und seine Frau Maria- wenn auch aus anderen Motiven - bereit sind, in Norwegen einen neunen Anfang zu wagen. Zu Beginn des Filmes ist ihre Ehe eigentlich am Ende. Sie sind stehen geblieben. Aber beide haben den Willen, es noch einmal zu versuchen. Keiner zwingt sie dazu. Heutzutage kann jeder eine Beziehung relativ schnell auflösen und seinen Weg alleine weiter gehen. Das macht man auch sehr oft. Auch mir gefällt es, dass Nils und Maria weitermachen. Tatsächlich entwickelt sich daraus ja auch eine Chance für die beiden ...


Hat dich das Drehbuch von diesem Film überzeugt?

Jürgen Vogel: Mir gefällt der Perspektivenwechsel. Am Anfang sieht alles ganz anders aus als nachher. Ich liebe die Überraschungsmomente und die Veränderung der Charaktere. Das ist ehrlich! Man ist eben nicht nur Arschloch, sondern hat auch andere Anteile. Umgekehrt bist du eben auch nicht immer nur gut.

Derzeit läuft der 23. Bond-Film im Kino. Würdest du gern einmal die Rolle eines Bösewichts übernehmen?

Jürgen Vogel: Wieso Bösewicht? Ich würde viel lieber James Bond spielen!

Jürgen Vogel, geboren 1968 in Hamburg. Schauspieler, Produzent, Sänger. Autodidakt.

Arbeitet vor seinem Durchbruch in Kleine Haie (1992) neben kleinen Film- und Fernsehrollen auch schon mal als Küchenhilfe in der Berliner Bar „Exil“.
Ab Februar 2013 in den deutschen Kinos in Die Quellen des Lebens von Oscar Röhler und frisch besetzt von Sönke Wortmann in der Verfilmung von Charlotte Roches Aufreger-Roman „Schossgebete“.
 

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