Glückwünsche auf Facebook sind die schlimmste Form von Gratulationen

Menschen, die ich auf offener Straße nicht mal gleich erkennen würde, haben mir auf Facebook zum Geburtstag gratuliert. Ganz ehrlich: Bitte hören wir damit auf.

Mitte Juli hatte ich Geburtstag. Noch dazu einen runden Geburtstag. Nicht mehr den Zwanzigsten, sondern jene Art, die mit der unnötigen Frage "Und? Hats weh getan?" verbunden ist. Kurzum: Ich wurde 30.

Gratulationen auf Facbeook: Die unterschiedlichen Typen

Das weiß auch Facebook und das wissen auch meine dort angesiedelten Freunde, weil ich mir freie Zugänglichkeit meines Geburtsjahres entsprechend meines Gemüts eigentlich schnurzpiepegal ist. Bis jetzt. Denn: Meinen runden Geburtstag nahmen auf Facebook besonders viele meiner "Freunde" zum Anlass, dieses lieblose "Alles Gute" auf meiner Pinnwand zu platzieren. Dicht dahinter die "Happy-Birthday!!!"-Abordnung, gepaart mit einem "feier gscheit!", dann die militanten Emoji-Gratulanten (*LUFTBALLON* *LUFTBALLON* * KONFETTI* KONFETTI* *LACHEN* LACHEN* LACHEN* *ZWINKER* ZWINKER*) und nach Mitternacht die "nachträglich noch alles Gute"-Menschen.

Ich habe sie mir heuer genauer angesehen, diese Gratulanten. Vielleicht war es die einzig spürbare Nebenwirkung des voranschreitendes Alters, aber ich wollte mir bewusst machen, bei wem ich den letzten 30 Jahren zum automatisierten Facebook "Alles Gute" wurde.

"10 Prozent der Gratulanten reden eigentlich nie mit dir"

Die Erkenntnis: Mit 50% würde man im Alltag schmerzhaften Smalltalk betreiben müssen, 30% hast du seit dem Kindergarten nicht mehr gesehen, 10% gratulieren dir, weil sie 3000 Facebook-Freunde haben und es eine tägliche Routine ist und die verbleibenden 10% würden dich im echten Leben nicht mal grüßen. Das wars, mein Geburtstdatum ist nicht länger ein Teil von Facebook. "Die, die sich jetzt denken: Hätt' a auch früher machen können, der eitle Zapfen" - stimmt schon, aber es war mir bisher eigentlich immer egal. Aber irgendwann dreht sich der Spieß von "Ich will mit allen gut auskommen" einfach um und hin zu" Ich will mit wenigen richtig gut auskommen".

Da passt die Facebook-Gratulationsorgie nicht rein. Geburtstagswünsche auf Facebook sind für mich die oberflächlichste Art der menschlichen Interaktion. Ich gratuliere niemandem auf Facebook, auch nicht jenen, die mir gratuliert haben. Bin ich deshalb ein schlechter Mensch? Nein, ich rufe meine Freunde an, ich texte mitunter Whatsapp-Romane zu Geburtstagen und feiere weit, weit weg von einem platten "Alles Gute". Gratuliere ich jemandem nicht, werde ich ihm nicht fehlen - sonst hätte jeder von uns seinen Arsch bewegt.

Für mich wäre es sogar nachvollziehbar, wenn die Funktion zum Gratulieren abgeschafft werden würde. Facebook könnte natürlich weiterhin als "Reminder" dienen, die Kommunikation muss jede und jeder aber selbst in die Hand nehmen. Das wird nicht passieren. Viel mehr schlägt Facebook bereits vorgefertigte Glückwünsche vor. In diesem Sinne: "Alles Gute".

 

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