Glückliche Paare täuschen sich meistens selbst

Eine Studie zeigt: glückliche Paare verleugnen die Realität. Sie bilden sich Dinge ein, die nicht da sind und idealisieren ihre PartnerInnen.

Was macht eine glückliche Beziehung aus - den Partner oder die Partnerin so zu sehen, wie er oder sie wirklich ist? Oder sie so zu sehen, wie man es sich selber wünscht? Eine sozialpsychologische Studie weist darauf hin, dass eher letzteres der Fall ist.

Menschen, die glauben, dass ihre PartnerInnen das sind, was sie sich immer schon gewünscht haben, sind zufriedener mit ihrer Beziehung - auch wenn (oder weil) sie sich meistens selbst belügen. Eine Studie aus dem Fachmagazin Psychological Science befragte 200 Paare über mehrere Jahre hinweg getrennt über das Verhalten des Partners/der Partnerin sowie ihr eigenes ab und was sie am anderen gut/schlecht finden und wie der/die ideale PartnerIn für sie sein sollte.

Die perfekte Illusion


Die ForscherInnen analysierten die Ergebnisse dann daraufhin, wer seinen Partner/seine Partnerin idealisiert. Jene, die angaben, den idealen Partner/Partnerin gefunden zu haben - auch wenn dieseR diese Verhaltenszüge gar nicht bei sich sah - idealisierten die Beziehung, so der Studienautor Dale Griffin: "Wenn ich positivere Verhaltensmuster beim Partner sehe, als er sie selbst über sich angibt, dann idealisiere ich ihn."

Die Paare mussten auch angeben, wie zufrieden sie in der Beziehung sind. Und jene, die allzu positive Illusionen über ihre PartnerInnen hatten, sahen sich selbst als glücklicher an als jene, die nicht durch die rosarote Brille schauten. Die Studie besagt: "Menschen, die in ihrer Ehe zufrieden sind, sehen ihre Beziehung als etwas Besseres an als die Beziehung anderer Menschen. Sie sehen auch Fähigkeiten in ihrem Partner, die andere nicht sehen. Menschen in stabilen Beziehungen definieren sogar die Qualitäten neu, die sie sich von einem idealen Partner wünschen, damit sie den Qualitäten ihres eigenen Partners entsprechen." Das könnte auch an einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung liegen - dass die PartnerInnen den Wünschen des Anderen entsprechen wollen und sich bewusst oder unbewusst danach richten.


Erwartung ist nicht gleich Illusion


Dennoch müsse, so die Studienautoren, zwischen Erwartungen und Illusionen unterschieden werden. Erwartungen an den/die PartnerIn zu haben, heißt nicht, dass man glaubt, sie sind wahr - wie das bei Illusionen der Fall ist. Das Problem an allzu positiven Illusionen? Wir sehen unsere PartnerInnen nicht so, wie sie wirklich sind, und das kann zu Machtungleichgewichten und Missbrauch führen. Aber auch in glücklichen, langfristigen Beziehungen sei die "Realität" nicht immer ganz akkurat. Das heißt in anderen Worten: Liebe macht doch ein wenig blind.

 

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