Gleichberechtigung im Kindergarten

Das meint die 4-jährige Tochter von WIENERIN-Redakteurin Eva Jankl. Die Erklärung, warum das so ist, scheint - zumindest für meine Tochter - stichhaltig: „Weil das so ist.“ Die Emanzipation scheint es bis in den Kindergarten jedenfalls noch nicht geschafft zu haben.

„Warum sind Bubensachen mehr wert? Wie kommst du darauf“, frage ich zurück. Ihre Antwort „Weil es so ist.“ Jegliche Gegenargumentation scheint zumindest im ersten Moment zwecklos. Weil der XY und YX und der YZ haben es ihr über längere Zeit so eingetrichtert. Leider mit Erfolg.

Meine Tochter hat derartige Aussagen schon verinnerlicht und aufgegeben zu widersprechen. Mehr noch, sie wiederholt die Phrasen der anderen. „Mama, das ist wirklich so!“, klärt sie mich auf. Und etwas später: „Ich möchte auch lieber ein Bub sein, denn Buben sind viiiel cooler.“

Woher nehmen Kinder derartige Informationen? Von älteren Geschwistern, deren Schulkollegen oder gar von den Eltern? Ich hoffe jedenfalls nicht, dass letzteres der Fall ist. Aber wer weiß. Frauen verdienen je nach Art der Berechnung zwischen 15 und 24 Prozent weniger als Männer. Frauen leisten mehr im Haushalt und bei der Kinderbetreuung und das nicht unbedingt nur, weil sie häufiger in Teilzeitbeschäftigungen (knapp 46 Prozent der Frauen haben einen Teilzeitjob) anzutreffen sind. Aber ist all das schon im Kindergarten angekommen?

Zum Teil sind solche Aussagen sicher auch darauf zurückzuführen. Auch wenn diese Dinge so vor Kindern vermutlich nicht ausgesprochen werden, so bekommen sie mit, dass Mama einfach mehr Zeit mit ihnen verbringt, während Papa Tag für Tag später aus der Arbeit kommt. Und es sind häufig die Mamas, die mit ihnen zum Arzt gehen, Wäsche waschen und den Einkauf erledigen. Nur – und das ist die große Frage - woraus schließen Kinder, dass diese Arbeiten weniger wert sind? Geben wir ihnen vielleicht unbewusst schon diese Werthaltung, der wir selbst ausgesetzt sind, mit? Denn solche Jobs werden schließlich nicht finanziell vergütet und sind so gesehen „weniger wert“.

Das Einzige, das mir zur Verteidigung einfällt, ist, dass es sich halt um Kinder handelt und die Kindergartengruppe einfach zu zwei Dritteln aus Buben besteht. Vor allem bei den 5- bis 6-Jährigen, also den ganz Großen, ist kein einziges Mädchen dabei. Somit gibt es keinen Fürsprecher für die weibliche Seite, der es mit den Älteren aufnehmen könnte.

Der innere Konflikt meiner Tochter ist jedenfalls schnell aus der Welt geschafft. Fürs Erste. Immerhin können Buben nicht Prinzessin werden und das erscheint ihr doch ein gravierender Nachteil. Und Prinzessin zu sein ist nun mal auch cool, ziemlich cool sogar. Und um ganz sicher zu gehen, bitte ich die Pädagogin der Gruppe, dass sie mit den Kindern bespricht, dass Buben- und Mädchensachen nun mal gleich viel wert sind.

 

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