Giftige Pflanze als Verhütungsmittel? Das Internet fällt auf gefährlichen Rat herein

Ein Tweet empfiehlt Polei-Minze als natürliche Empfängnisverhütung. Die Pflanze ist giftig und für den Tod mehrer Frauen verantwortlich.

Natürliche Verhütungsmittel

Verhütungsmittel sind ja so eine Sache. Die meisten davon konzentrieren sich auf den weiblichen Körper, können richtig unangenehme Nebenwirkungen haben und dann ist natürlich auch keine Variante hundertprozentig sicher. (Außer Enthaltsamkeit, aber hey, that's just not for everybody!) Auf der Suche nach dem richtigen Verhütungsmittel kann man also ganz schön verzweifeln und sich sehnlichst einen einfachen Weg wünschen - am besten etwas "natürliches".

"Natürliche" heißt nicht "ungefährlich"

Solch "natürliche Verhütungsmittel" preist eine Infografik kürzlich auf Twitter an. Und schlägt schlicht vor, "Girls" sollten doch etwa einfach Papayas oder Feigen, Wasserpfeffer, Yamwurzeln oder gar die giftige Polei-Minze essen. Bevor jetzt irgendjemand auch nur eine Sekunde lang denken könnte "Oha! Nice Optionen!", sei an dieser Stelle ausdrücklich gesagt: BITTE.NICHT! Das sind keine Verhütungsmittel, das ist eine Ansammlung exotischer Früchte und gefährlicher Gifte. "Dahinter stecken keinerlei wissenschaftliche oder medizinische Erkenntnisse", sagt der Gynäkologe Nathaniel Denicola gegenüber BuzzFeed News. "Es ist es nicht mal wert, genauer darüber nachzudenken, weil es wissenschaftlich so unhaltbar ist."

Giftige Pflanze als Verhütungsmittel angepriesen

Zahlreiche NutzerInnen prangerten die Falschinformation erbost an. Dennoch konnte der "medizinische Rat" tausende Likes und Retweets sammeln, bevor er nach mehreren Meldungen, der Inhalt würde zu Selbstverletzung ermutigen, von der Plattform gelöscht wurde. Zurecht: Eine der propagierten Pflanzen, die Polei-Minze, kann bei Einnahme ernsthaften Schäden an den Nieren, der Leber oder dem zentralen Nervensystem verursachen. Weitere Wirkungen sind Übelkeit, Magenschmerzen, Erbrechen, Blutdrucksteigerung, Lungenversagen, Hirnschäden und, nach größeren Dosen, Tod durch Atemlähmung.

Polei-Minze ist KEIN Verhütungsmittel!

"Polei-Minze verstärkt die Regelblutung und kann einen Schwangerschaftsabbruch herbeiführen", rät der Tweet. In der Antike wurde die Polei-Minze zwar tatsächlich zur Empfängnisverhütung und bei Abtreibungen eingesetzt, die Pflanze ist in diesem Zusammenhang inzwischen aber hauptsächlich für Vergiftungen mit tödlichem Ausgang bekannt. Mehrere Frauen starben, weil sie mit ätherischen Öl oder Tee aus der Pflanze einen Schwangerschaftsabbruch oder das Einsetzen ihrer Periode herbeiführen wollten. Als Heilkraut wurde es früher in der Volksheilkunde vor allem gegen Verdauungsbeschwerden eingesetzt, seit die leberschädigende Wirkung bekannt ist, wird vom Gebrauch ganz allgemein abgeraten. Mit "natürlicher Verhütung" hat die Polei-Minze also nichts zu tun.

Die Erkenntnis des Tages ist also: Glaub nicht alles, was im Internet steht.

 

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