Gibt es ihn wirklich? Den Nagellack, der K.O.-Tropfen erkennt?

Wir würden uns jedenfalls drüber freuen. Denn den Hinweis, ob jemand nach 'nem Schluck vom eigenen Drink einen Filmriss haben könnte, braucht’s schon lang! Es ändert sich ja sonst nix...

Frau hält Glas in Kamera mit Nagellack auf Fingern

Wer gerne feiern geht, weiß: Nie, nie, nie darfst du dein Glas im Club unbeaufsichtigt lassen. Hast du deinen Cocktail auf den Tisch gestellt und für 10 Sekunden auf dein Smartphone geschaut? Neuer Drink! Hat dir ein Dude ein Glas Vodka-Redbull (pfuii) gekauft OHNE, dass du an der Bar gesehen hast, wie das Getränk gemischt wurde? Danke, aber Nein, danke! Hast du deine Freund*innen umarmt und nicht gesehen, was hinter ihrem Rücken mit deinem Drink passiert sein könnte? Neuer Dri- Ok, You get the memo, right?

K.O.-Tropfen kann man mit bloßem Auge nicht erkennen. Man kann die Partydroge nicht riechen und schon gar nicht schmecken. Spätestens, wenn man den Geschmack erkennen würde, wäre es auch schon zu spät. Genau das macht die Tropfen so gefährlich. Ein Beispiel: Gleich zu Beginn der Netflix-Miniserie Stay Close befürchtet Bea, gespielt von Rachel Andrews, dass ihr beim Feiern jemand etwas in ihren Drink gekippt hat. Sofort dippt Bea ihren Zeigefinger in das Glas. Ihr neongrüner Nagellack verfärbt sich schwarz. Schon ist klar, der Drink wurde manipuliert. Können wir so etwas bitte in echt haben?

Die Droge

Wusstest du, dass es DIE K.O.-Tropfen gar nicht gibt? Manchmal benutzen Täter*innen Medikamente, die sie dann in einer Überdosierung verabreichen, manche nehmen Drogen. Die Betäubungsmittel oder Knockout-Tropfen sind auch unter vielen Namen bekannt. Date-Rape-Drogen, Vergewaltigungsdrogen oder eben K.O.-Tropfen. Hauptsächlich verwenden Männer diese Stoffe, um Frauen verkehrsunfähig zu machen. Sie wirken innerhalb von 15 bis 30 Minuten und lösen bei den Betroffenen einen kompletten Blackout aus. Schon klar, dass viele wissen, wie K.O.-Tropfen wirken und dass diese sogar tödlich sein können. Wir wollten trotzdem noch einmal darauf aufmerksam machen. Schließlich sind bei Sexualdelikten oft K.O.-Tropfen im Spiel. Also, gibt es diesen lebensrettenden Nagellack jetzt wirklich oder nicht?

Fact or Fiction?

Wir müssen euch leider enttäuschen. Im echten Leben lässt diese grandiose Erfindung noch auf sich warten. Vor einigen Jahren haben zwar vier Student*innen an der North Carolina University den Versuch gestartet so einen Nagellack auf den Markt zu bringen, die Wirksamkeit des Produkts wurde aber infrage gestellt. Der Hype um die sogenannten "Undercover Colors" war auch schnell wieder verflogen. Hmmm, warum wohl? Und jetzt? Abgesehen davon, dass es kein Frauenproblem sein sollte – welche Schutzmaßnahmen bleiben uns, außer konsequentes Monitoring unserer Drinks?

Erlösung?

Ist ein Armband vielleicht unsere Rettung? Das Armband, das von dem deutschen Start-Up Xantus entwickelt wurde und auf K.O.-Tropfen im Drink hinweisen soll? Es schaut aus, wie ein normales Festival-Band und funktioniert ähnlich wie ein Covid-Test. Zwei, bis drei Tropfen auf das Testfeld. Et voilà: Das Testergebnis gibt es nach zwei Minuten. Das Feld verfärbt sich dann blau oder (hoffentlich) nicht. Klingt, aber eher unpraktisch. Der Toxikologe Professor Florian Eyer am Münchner Universitätsklinikum sagte außerdem in einem Interview: "Diese Armbänder sind aber sehr unsicher. Bei gutem Laborlicht lässt sich die Verfärbung mit etwas Fantasie erkennen. Aber nicht im schummerigen Licht eines Clubs oder einer Bar". Na guad. Gibt es Alternativen?

Problematisch

Die Gründer*innen der "Undercover Colors" brachten schließlich die "SipChips" auf den Markt. Auch diese funktionieren ähnlich wie Covid-Tests. Bis zu drei Minuten muss man auf die Linien warten, die nach dem Tropfen auf dem Chip erscheinen. Dauert also ziemlich lange. Zum Feiern eher suboptimal. Neben den Chips gibt es auch eine Art Strohhalm, den man ins Getränk taucht. Wenn K.O.-Tropfen im Drink sind, leuchtet dieser rot auf. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie ein Täter reagiert, wenn ihm das auffällt. Und auch zu diesen Strohhalmen sagt Professor Eyer: "Auch das ist sehr unsicher". Herrlich! Das bedeutet: Bis es eine Lösung gibt, bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als uns an die Verhaltenstipps für Frauen zu halten, die uns die Polizei 2021 auf den Weg mitgegeben hat. *Sarkasmus Ende.*

Keine Ahnung, ob wir lachen oder weinen sollen.

 

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