Gibt es eine mühsamere Sache als Jeans kaufen? (I don't think so.)

DENIM-GATE. Bevor ihr euer blaues Wunder erlebt, gleich vorweg: Es liegt nicht an unserem Körper, sondern an den Jeansherstellern.

Christl Clear Kolumne April

Mir ist der Schweiß zwischen meinen Brüsten hinuntergeronnen! Dieser Satz ist keine Einleitung für einen sexuellen Text, sondern soll nur veranschaulichen, wie anstrengend es ist, Jeans zu kaufen. Ich war aber trotzdem fest entschlossen, mit mindestens einem Paar nach Hause zu gehen. In allererster Linie, weil meine neu gewonnenen Quarantäne-Kilos das Sitzen und Atmen in Jeans unmöglich machen.

Dass es Frauen gibt, die größere Größen brauchen als 31, dürfte dem Einkäufer des Shops, in dem ich war, allerdings nicht bekannt sein. Die werden nämlich einfach nicht geführt. Ein charmantes "Veroaschst du mich jetzt?" entweicht mir dem netten Verkäufer gegenüber, der mit einem nervösen "Ich weiß, wir haben's schon nach oben weitergegeben. Es ist so diskriminierend!" antwortet.

Verkorkste Größenverhältnisse

Nur damit wir uns verstehen: Die in Österreich meistverkaufte Kleidergröße ist 42. Das wäre im Schnitt Jeans-Size 32. Und ich finde mich im Jahr 2021 in einem renommierten Geschäft wieder, in dem diese Größe nicht geführt wird, aber Size 24 schon? Da machen sich die Schweißperlen auf meinem Dekolleté gleich wieder startklar - aber dieses Mal nicht vor Anstrengung, sondern vor Wut.

Denim und mich verbindet ja ohnehin eine Hassliebe, und das nicht erst seit dem "Size-Gate" vor einigen Tagen. Schon als Teenager habe ich mich gefragt, wieso es Frauen so schwer gemacht wird, Jeanshosen zu kaufen. 20 Jahre später gibt's zumindest so etwas wie einen Stretchanteil, aber wirklich einfacher ist es nicht geworden. Wenn man sie überhaupt übers Knie bekommt, muss man es noch schaffen, sie über die Schenkel und den Hintern zu ziehen. Dann gibt's noch Hürden wie Zippverschlüsse und Passform, die bewältigt werden müssen. Wer dann mit einer qualitativen Jeans nach Hause geht, die nicht auch noch abgeändert werden muss und auch getragen wird, hat in Wahrheit ein modisches Einhorn gefunden. Und wir wissen alle, wie schwer es ist, die zu finden.

Keine Herrensache

Ich für meinen Teil schaue mittlerweile in der Herrenabteilung und werde dort auch meist fündig. Die Hosensäcke sind größer, im Schritt ist ein bisschen mehr Platz -sehr zum Wohle meiner Scheidenflora -, und ich tue der Umwelt etwas Gutes, weil ich so zu einem klassischen Modell gekommen bin, das ich meist länger trage als die überstylishen Jeans, die nach einer Saison schon Abnutzungserscheinungen aufweisen.

Wenn ihr also das nächste Mal Jeans kaufen geht und es mehr als anstrengend ist, denkt an diese Kolumne - und erinnert euch bitte daran, dass das Problem nicht euer Body, sondern die Modeindustrie ist.

 

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