Gibt es die Liebe auf den ersten Blick wirklich?

Der größte Liebesmythos - die Liebe auf den ersten Blick - wurde nun von der Forschung in die Zange genommen.

Es ist wohl einer der größten Liebesmythen unserer Zeit: die Liebe auf den ersten Blick. Einmal gesehen und schon verliebt - viele Paare berichten tatsächlich davon, dass ihnen das so passiert ist. Doch so ganz kann das nicht stimmen, sagen jetzt aktuelle Forschungsergebnisse.

Denn was viele als Liebe bezeichnen, ist in Wirklichkeit: Lust. Zu diesem Ergebnis kommen aktuelle Studien, die im Fachjournal Personal Relationships veröffentlicht wurden. Die ForscherInnen widmeten sich der Frage, ob es die Liebe auf den ersten Blick wirklich gibt.

Das Team von ForscherInnen aus den Niederlanden hat drei Tests zur Liebe auf den ersten Blick gemacht - eine Online-Umfrage, eine Laborstudie und eine Reihe an Speed-Dating-Events.

Bei der Onlineumfrage haben 282 Erwachsene Fragen über ihren aktuellen und vergangenen Beziehungsstatus beantwortet. Ihnen wurden auch sechs Fotos von Fremden gezeigt und sie mussten angeben, ob sie sich ein Treffen mit ihnen vorstellen könnten. Dann haben sie den Grad an Liebe und Anziehung für diese Personen angekreuzt. In der Laborstudie haben 50 StudentInnen eine ähnliche Prozedur durchgemacht - ihnen wurden jedoch viel mehr Fotos vorgelegt. Schlussendlich haben die ForscherInnen auch Speed-Dating-Events besucht und 65 Menschen danach befragt.

Liebe wird mit Lust verwechselt

Von jenen Befragten der ersten beiden Studien, die sich in einer Beziehung befanden, sagten 33 Prozent, dass sie sich beim ersten Blick in ihre PartnerInnen verliebt hätten. Im Laufe der Studie gaben aber nur 8 Prozent der Untersuchten an, sich beim ersten Blick in die Fremden verliebt zu haben (das Gefühl wurde jedoch nie erwidert). Besonders bei Menschen, zu denen sich die Befragten körperlich angezogen fühlten, fühlten sie auch "Liebe auf den ersten Blick". Doch mit Liebe habe das Ganze nichts zu tun, so die ForscherInnen. Viel eher mit "Eros", also Lust. Denn zu Liebe gehören Intimität, Leidenschaft und Hingabe. Alles Dinge, die man beim ersten Mal nicht greifen kann. Stattdessen würden die Menschen sich einfach extrem angezogen zueinander fühlen - etwas, das sie später als "füreinander bestimmt" beschreiben.

Paare, die von der Liebe auf den ersten Blick reden, würden - so die ForscherInnen - ihre jetzigen und bereits gewachsenen Gefühle der Liebe in die erste Begegnung hineinprojizieren. Liebe macht also doch ein wenig blind.

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