"Gib dich doch einfach mit der Antwort zufrieden!"

Der Quotentürke. Sixpack, strahlendes Lächeln und immer einen flotten Spruch auf den Lippen – so kennen und lieben wir Elyas M’Barek. Mit Türkisch für Anfänger und Fack Ju Göhte wurde er über Nacht zum Superstar. Doch wer ist dieser Elyas M’Barek?

Elyas M’Barek hasst Campen. Er war einmal für eine Viertelstunde im Berghain und findet Mülltrennung anstrengend.
Er hat vier Semester BWL studiert und mochte als Jugendlicher die New Kids on the Block. Wie seine beiden Brüder hat auch er einen biblischen Namen, er behauptet von sich selbst, er könne gut küssen, und er hatte in der Schule mal Braids. René Pollesch findet ihn sexy.

Der gebürtige Münchner hat einen österreichischen Pass, einen tunesischen Vater und ist nur 1,75 Meter groß. Wo auch immer er auftaucht, fallen kreischende Teenager in Ohnmacht. Na ja, zumindest fast. Schon seit über zehn Jahren dreht Elyas für Film und Fernsehen. In einem seiner ersten Filme, Mädchen, Mädchen, fiel sein Part größtenteils dem Schnitt zum Opfer. Mit der Rolle des Klischeemachos Cem in Türkisch für Anfänger schaffte er schließlich den Durchbruch. Seither hat Elyas eine steile Karriere hingelegt.

"Deutscher Film war peinlich."

Früher, sagt Elyas, gab es für Menschen mit Migrationshintergrund keine Identifikationsfigur im deutschen Film: „Deutscher Film war peinlich.“ Und jetzt? Darüber möchte ich mit ihm sprechen.

Das Interview findet in einem schwarzen Bürokomplex in einem Münchner Vorort statt. Als ich auf den Parkplatz fahre, hastet Elyas an mir vorbei. Fast hätte ich ihn angefahren. Wenn er eine Rolle spiele, erzählt Elyas, lebe er die Rolle nicht, er sei immer noch er selbst. Was heißt das? Was steckt hinter dem 1.000-Watt-Lächeln?

Ganz der coole Typ von nebenan

Bevor ich mit Elyas sprechen kann, findet eine Pressekonferenz statt. Er ist das neue Testimonial von Sky. „Die natürliche Wahl“, findet Carsten Schmidt, CEO von Sky Deutschland. Die Moderatorin, eine blond gelockte Frau, die nach eigenen Angaben früher mal der Philadelphia-Engel war, erzählt, dass sie sich extra für diesen großen Tag die Zähne gebleicht habe. Sie ist sichtlich nervös, Elyas zu treffen. Der hingegen gibt sich gewohnt lässig und entspannt, ganz der coole Typ von nebenan, den er auch in seinen Filmen immer spielt. Am Ende überreicht der Philadelphia-Engel Elyas ein Handdesinfektionsmittel.

Obwohl Elyas tunesische und österreichische Wurzeln hat, empfindet er sich selbst als Münchner. Elyas erzählt
gerne, dass er in einem großen Park in der Nähe seines Elternhauses in München-Sendling in einem Kirschbaum gesessen und Kerne auf die Vorbeigehenden gespuckt hat.

Eine beschauliche Kindheit

Mit zunehmendem Alter wurde er schlechter in der Schule. Für anderthalb Jahre besuchte er ein katholisches Internat, hielt es dort aber nicht lange aus. Als Teenager war er in verschiedenen Jugendgruppen, zog um die Häuser und schaffte schließlich doch sein Abitur. Von seinem Vater hat er gelernt, wie wichtig durchhalten ist.

Warum muss man bei dir immer alles begründen?

Durch Zufall lernte er eine Casterin kennen, die ihm erste Rollen verschaffte. Beim Casting für Türkisch für Anfänger schaffte er es nicht in die zweite Runde, aber der Regisseur Bora Dagtekin wurde auf ihn aufmerksam und holte ihn schließlich doch ins Boot. Früher spielte er Cem und Mehmet, heute Max, Zeki oder Joseph – ein gelungenes Beispiel für Integration? Das würde ich ihn gerne fragen. Darf ich aber nicht. Verbotene Themen: Privatleben, Flüchtlinge, Frauenrechte. Erlaubte Themen: Österreich und seine Filme. Na gut. Welches Verhältnis hat Elyas zu Österreich? „Natürlich ist das Teil meiner Herkunft. Die Leute wollen mich immer in eine Schublade stecken, ich mache daraus aber kein großes Thema.“

Elyas ist angespannt, er sieht abgekämpft und müde aus. Im Hintergrund wacht seine PR-Managerin über die Situation, während sie scheinbar abwesend auf ihrem Handy herumtippt. Ich frage ihn, warum er Wien toll findet. „Warum muss man bei dir immer alles begründen? Gib dich doch einfach mit der Antwort zufrieden!“

Unangenehme Fragen? Lächelt er einfach weg.

Im Film Der Prinz von Zamunda schlägt sich Eddie Murphy als reicher Prinz inkognito durch New York, um endlich die wahre Liebe zu finden. Elyas mag den Film, weil er eine schöne Geschichte über Ehrlichkeit ist. Zum ersten Mal überhaupt hat er letzten Herbst der Öffentlichkeit eine Freundin vorgestellt: Julia, eine Österreicherin, die in München Medizin studiert. Elyas M’Barek ist wieder voll Medienprofi. Unangenehme Fragen? Lächelt er einfach weg. Zum Beispiel die Frage, was er von Angela Merkels Politik hält. Stattdessen wundert er sich über Richard Lugner. Er spielt mit einem Flaschenöffner, dreht ihn immer wieder zwischen den Fingern. Wenn das Gespräch in eine Richtung geht, die ihm nicht gefällt, knallt er den Flaschenöffner auf den Tisch. Wie weit würde er für eine Rolle gehen? Wie viel Fitnesstraining ist notwendig? „Und wieder dieses Thema! Immer wollt ihr über diesen oberflächlichen Scheiß schreiben, und dann wundert ihr euch!“

Problematisch, sich als Schauspieler politisch zu äußern

Auf Instagram hat Elyas 1,4 Millionen Follower, auf
Facebook über zwei Millionen Likes. Seine Postings sind oberflächlich. Mahlzeiten, Selfies, Schauspielkollegen
beim Herumblödeln. Politische Äußerungen findet man fast nie. Er findet es problematisch, sich als Schauspieler politisch zu äußern, die sozialen Netzwerke bieten in seinen Augen nicht den richtigen Rahmen. Eines sagt er aber dann doch: „Wählt nicht HC Strache!“.

Elyas’ Eltern waren eher skeptisch bezüglich seiner Berufswahl. Vielleicht hätten sie es lieber gesehen,
wenn ihr Sohn einen bürgerlicheren Beruf ergriffen hätte. Gerade mal vier Semester hielt er es an der Uni aus: BWL. Ein Professor machte eine rassistische Bemerkung, und Elyas hängte das Studium an den Nagel. Heute hängt sein Vater die Filmposter seiner Filme als Zeichen der Anerkennung auf. Nachdem Elyas ein paar Jahre in Berlin gelebt hat, ist er mittlerweile wieder zurück in München. Einmal war er für eine Viertelstunde im Berghain, war nach eigenen Angaben aber viel zu spießig dafür. In München fühlt er sich zu Hause, er mag die Beschaulichkeit, die Isar, die Biergärten. Mittlerweile hat er auch eine eigene Bar in München, das Paisano.
Dort sollte man, findet Elyas, unbedingt den Paisano-Spritz probieren, aber nicht wegen ihm kommen.

Wie es beruflich für ihn weitergeht, will ich wissen. Er meinte mal, dass Hollywood keine Option sei. „Das habe ich nie gesagt!“ Ich zeige ihm das Interview, in dem er genau das gesagt hat. „Ach, stimmt, dieses Interview. Na ja, bisher kam einfach kein Angebot aus Hollywood.“ Hat Elyas M’Barek Träume? „Schreib doch einfach irgendwas. Irgendwas, was sich gut anhört.“

Anmerkung der Redaktion: Die verwendetenZitate des digital aufgezeichneten Interviewsmit der WIENERIN wurden von Elyas M’Bareks Management nicht autorisiert.

Am 29. Mai 1982 in München als Sohn eines tunesischen Vaters und einer österreichischen Mutter geboren, spielte Elyas bereits in seiner Schulzeit die Rolle des Blaubart in
Mädchen, Mädchen. Es folgten Filme wie Wholetrain, Die Welle oder Männerherzen. Der Durchbruch gelang ihm mit der ARD-Serie Türkisch für Anfänger.

 

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