Gezeichnet fürs Leben: Im Gespräch mit der Illustratorin Solmaz Farhang

Forschungsergebnisse als Comic-Buch oder 360 Grad Illu? Das „IllustrationHub 2018“ macht‘s möglich: 8 KünstlerInnen treffen auf 8 WissenschaftlerInnen um gemeinsam und auf Augenhöhe zu forschen und gestalten. Die Künstlerin Solmaz Farhang begleitet das Projekt.

Die in Teheran geboren Künstlerin und Illustratorin Solmaz Farhanghat an der Angewandten studiert und 2017 im Rahmen eines Pilotprojekts gemeinsam mit Glenda Hannibal, Expertin für AI und Human Robot Interaction, Forschung zum Thema „Social Robotics“ betrieben und die Ergebnisse in einer 360 Grad-Illustration verarbeitet. Farhangs Erfahrungen gibt sie nun im IllustrationHub 2018, einer eine brandneue Kooperation des Wissens- und Technologietransferzentrums Ost, der UniWien und der Angewandten, an Studierende weiter.

WIENERIN: Kunst hat verschiedene Funktionen in der Gesellschaft, mitunter komplexe oder abstrakte Inhalte wissenschaftliche Inhalte sichtbar zu machen und für Laien zu übersetzen. Das „aesthetic unsabilty principle“ besagt ja, dass Dinge, die ästhetisch aufbereitet sind, eher verwendet werden können. Ist die Rolle der Kunst im IllustrationHub 2018 eher einen kommunikative oder auch eine forschende?

Solmaz Farhang: Definitiv ist es hier ist auch eine forschende Rolle, die die Kunst einnimmt. Mir ist ein bisschen zu allgemein, die Kunst „nur“ als „Sprache der Wissenschaft“ zu bezeichnen. Besonders beim Projekt „Illustration Hub 2018“ geht es darum, sich sowohl von künstlerischer-, als auch von (Geistes)wissenschaftlicher Seite mit einer Thematik intensiv auseinander zusetzten. Die Kunst wird hier zur Forscherin, die ihre Perspektive einbringt. Hier wird eine neue gemeinsame Sprache gefunden. Es ist auch Teil des Arbeitsprozesses herauszufinden, welche Form von Kunst zu dem jeweiligen Forschungsthema passt. Kunst ist so vielschichtig.

IllustrationHub 2018 bedeutet also nicht, dass bereits fertige wissenschaftliche Projekte illustriert werden, sondern dass neue Erkenntnisse zu wissenschaftlichen Themen im transdiziplinären Dialog zu gewonnen werden...

Richtig. In der Vergangenheit war die Kunst oft „technische Übersetzerin“ wissenschaftlicher Inhalte. Wir suchen aber die „Kultur des Dialogs“. Wir KünstlerInnen wollen Wissenschaft nicht nur als Tool nutzen und umgekehrt kann Kunst viel mehr als nur komplexe, wissenschaftliche Inhalte laienverständlich zu übersetzen.

Social Robotics Illu von Solmaz Farhang

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen beim IllustrationHub 2018?

Die Fachjury, der ich auch angehöre, wählt jeweils fünf Künstler- und fünf Wissenschaftlerlinnen aus. Bei einem Kick-off-Meeting treffen alle erstmals aufeinander und stellen fest, wer mit wem, wie arbeiten möchte. Die Wissenschaft definiert beispielsweise den Rahmen, die Methodik und die Vorgehensweise der Arbeit und die Kunst erweitert die Suchfelder durch fiktive Szenarien und liefert neue Ideen. Die Verwendung von Tools und Materialien wird diskutiert. Es ist ein Prozess. Das ist das Ziel. Am Ende wird es eine Präsentation an der Angewandten geben. Auszustellen gibt KünstlerInnen Motivation.

Wer/welche Seite profitiert von diesem Projekt?

Von Anfang an war es unser Ziel, dass beide Seiten von dieser Zusammenarbeit profitieren, sonst wäre es ja keine wirkliche Kollaboration. KünstlerInnen lieben die Herausforderung und WissenschaftlerInnen sind gern Teil eines Kunstprojekts. wäre ja keine wirkliche Kollaboration/Zusammenarbeit. Das Endergebnis der Arbeit ist ein Gemeinschaftsprodukt, also nicht das Kunstwerk einer Person und nicht ihre wissenschaftliche Forschung, sondern es ist etwas, was Neues außerhalb der bisherigen Sphären.

Erzeugt diese Zusammenarbeit Erkenntnisgewinn?

Ja. Auf jeden Fall.

Werden Künstler wegen der oft spielerischen oder dekorativ anmutenden Auseinandersetzung mit einem Thema von wissenschaftlicher Seite als Partner in der Zusammenarbeit ernst genommen?

Hoffentlich. In meinem Fall war es so. Natürlich kommt es darauf an, mit wem man arbeitet. Aber meiner Erfahrung nach, kann man das schaffen. Wenn KünstlerInnen sich und ihre Arbeit ernst nehmen, dann wird von wissenschaftlicher Seite auch dieses „Spiel“ (künstlerischer Zugang/Ansatz) ernst genommen. Diese Zusammenarbeit auf Augenhöhe kann man sehr genießen.

Steckt Wissenschaft in ihrer Methodik und ihrem Jargon ein bisschen fest?

Das kommt auf den wissenschaftlichen Bereich an. In der Quantenphysik habe ich Leute gesehen, die mich mit ihrer künstlerischen Kreativität total überrascht und beeindruckt haben.

Brauchen umgekehrt KünstlerInnen den Input der WissenschaftlerInnen als „Kreativspritze“? Warum beteiligen sich KünstlerInnen an diesem Projekt?

Aus Neugierde. Für KünstlerInnen kann alles inspirierend sein.

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