Gewalt-Opfer: "Polizei riet mir, meine Haare zu färben und mich weniger aufreizend zu kleiden"

Der Fall einer jungen Frau aus Wien, die von mehreren Männer am Wiener Westbahnhof bedrängt wurde, lässt aufhorchen. Es ist aber nicht nur die Gewalttat, die Sorgen bereitet, sondern auch die fragwürdigen Ratschläge, die die junge Frau danach von einigen Wiener Polizeibeamten erhielt.

Dass die Wiener Polizei ihre Kompetenzen in Sachen Frauensicherheit selbst nicht besonders hoch einschätzt, ist spätestens seit der Aussage des Wiener Polizeipräsidenten Gerhard Pürstl ("Frauen sollten nachts generell in Begleitung unterwegs sein") kein Geheimnis mehr.

Man würde allerdings denken, dass nach dem Shitstorm und der massenhaften Kritik an seiner Einstellung, ein Umdenken in Wiens Polizeidienststellen stattgefunden hat.

Ab 20 Uhr sollten Frauen nicht mehr allein auf die Straße gehen

Falsch gedacht, wie nun ein Bericht der Gratiszeitung "Heute" bestätigt. Darin schildert eine 20-Jährige von einem Gewaltangriff gegen sie am Wiener Westbahnhof. Insgesamt vier Männer gingen dort auf die Studentin los und bedrängten sie mit Gewalt.


Als sie den Vorfall der Polizei meldete, reagierte diese allerdings ganz anders, als erhofft.

"Die erklärten mir, dass Frauen nach 20 Uhr nicht mehr alleine auf die Straße gehen sollten", schildert die Studentin im Heute-Interview. Und weiter: "Sie rieten mir, die Haare anders zu färben und mich weniger aufreizend zu kleiden. Indirekt heißt das, dass ich selbst schuld bin - eine Frechheit. (...) Ich sehe nicht ein, warum ich mich zurücknehmen sollte."

Dass Polizeibeamten in Wien offenbar immer noch denken, dass Frauen Schuld sind, wenn sie von Männern angegriffen werden, zeigt, wie groß der Aufholbedarf auch in Österreich noch ist.

Nicht blöde Ratschläge geben, sondern handeln!

Frauen sollten sich niemals (und schon gar nicht vor der Polizei) dafür rechtfertigen, welche Haarfarbe sie haben oder Kleidung sie tragen. Keiner dieser Punkte ist ein Grund für einen Gewaltangriff und keiner dieser Punkte gibt irgendjemandem die Legitimation dafür, Frauen als "Freiwild" zu behandeln.

Statt Frauen also im Jahr 2016 (!) darauf hinzuweisen, wie sie auszusehen haben oder ab wann sie das Haus nicht mehr ohne Begleitung verlassen dürfen, sollte die Wiener Polizei lieber versuchen sexuelle Gewalt zu verhindern und anfangen, Männer in die Pflicht zu nehmen.

Update: Auf Anfrage bei der Pressestelle der Landespolizeidirektion Wien erhielten wir folgende Antwort: "Derzeit wird die Angelegenheit geprüft. Die Polizei ist seit bekannt werden des Vorfalles bemüht, Kontakt zu dem Opfer herzustellen. Dies verlief jedoch bisher negativ. Sollte aber eine derartige Aussage von einem Beamten getätigt worden sein, so bedauert die LPD Wien dies sehr. Diese Auskunft entspricht nämlich in keinster Weise den polizeilichen Präventionsmaßnahmen".

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