Gewalt gegen Frauen: "Selber schuld, wenn das Kleid zu kurz ist"

Ein Videoprojekt zeigt, welch absurde Argumentation bei sexueller Gewalt immer noch betrieben und wie damit Frauen die Schuld an Übergriffen gegeben wird.

Täter-Opfer-Umkehr

Frauen werden begrapscht, ihnen wird auf der Straße hinterhergepfiffen, sie sind prüde, wenn sie sich dagegen wehren oder bei Vergewaltigungen selbst Schuld, weil sie sich nicht genug gewehrt hätten. Das ist die Welt, in der wir leben und die Argumentation, die bei sexualisierter Gewalt immer und immer wieder kommt – von der Gesellschaft, in Kommentarspalten und in Medienberichten. (Der Verein der Autonomen Frauenhäuser hat bereits 2014 einen Leitfaden zur gewaltfreien Berichterstattung veröffentlicht, mehr dazu hier!)

Wie absurd diese Umkehr von Täter und Opfer ist, zeigt ein Videoprojekt von Browser Ballet: Eine Frau wird gecatcalled – und am Ende von der Polizei mitgenommen. Der arme Mann, der ihr nachgepfiffen hat, hatte ja schließlich keine andere Wahl. Er war betrunken und ihr Kleid zu kurz.

"Lustig, wenn es nicht so wahr wäre", steht in den Kommentaren unter dem Video. Denn diese Rechtfertigungen, diesen Täterschutz, den kennt man aus dem Diskurs über sexuelle Gewalt. Der ist immer noch geprägt von Retraumatisiserung, Verharmlosung und Victim-Blaming, Frauen wird die Schuld gegeben. Nur: Es ist niemals das Kleid, das zu kurz ist. Es sind niemals die Lippen, die zu rot geschminkt waren. Es ist niemals der Alkohol, den das Opfer zu viel getrunken hat. Es ist niemals die Frau, die allein unterwegs ist. Es ist immer der Täter, der sich selbst zum Täter macht.

 

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