Gesunde Bekanntschaft

WIENERIN-Redakteurin Marion Genetti hatte für ihre Kolumne "Geniessen" ein "gesundes" Date mit einem TCM-Experten. Ob Sie sich wiedergetroffen haben, erfahren Sie hier.

Hmm, ich sehe eine Nierenschwäche", sagte der Fremde, als er mir tief in die Augen schaute. Okay, ich hatte in solchen Momenten schon Aufbauenderes gehört. Aber im Gegensatz zu den üblichen „Hast du dir wehgetan, als du vom Himmel gefallen bist?"-Sprüchen fand ich diese Anmache fast schon originell. Zudem war ich selbst schuld. Ich hatte den Typen, der sich neben mich an die Theke gelehnt und als TCM-Experte vorgestellt hatte, ja auch um eine Schnelldiagnose gebeten.Und ja, wir haben uns wiedergesehen. Ich wollte den Komplettcheck.Gefühlte 200 Mal habe ich ihm an jenem Nachmittag meine Zunge entgegengestreckt. Ihn in meine Nasenlöcher schauen lassen.Und meinen Stuhl - und ich meine damit nicht mein Sitzmöbel - detailliert beschrieben.

Das Resultat? Während ich diese Zeilen schreibe, nippe ich an einem grauslichen Petersilienwurzeltee, darin aufgelöst Tabletten mit Namen wie Kalium sulfuricum und knabbere Unmengen an Walnüssen (nierenreinigend!). Obendrein brennt in meiner Küche gerade der Hirse-Reisbrei an, den ich vier Stunden lang köcheln lassen muss - mein Abendessen. Und mein neues Apothekerschränkchen ist jetzt schon randvoll. Fragen Sie mich bitte nicht, warum ich das alles mache. Ich schätze, es ist eine Mischung aus dem „Nutzt's nix, schadet's nix"-Prinzip und den vertrauenerweckenden Grübchen des Ernährungsgurus.

Ob es ein drittes Treffen geben wird? Steht noch in den Sternen. Falls nicht, weiß ich zumindest, worüber ich mit meiner nächsten Barbekanntschaft reden werde: übers Wetter.

Buchtipp

An apple a day ...
Käse oder Wurst? „Ist wurscht“, schreibt Ursula Dolinga in
Iss einen Apfel oder was du willst. Hauptsache, es schmeckt.
Novum Publishing. € 13,50.
 

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