Gerhard Zadrobilek

Exradrennfahrer und Wirtschaftscoach Gerhard Zadrobilek züchtet als einziger Österreicher japanische Wagyurinder, deren Fleisch als Kobe-Beef bekannt ist und als bestes Fleisch der Welt gilt. Wir haben den Nebenerwerbslandwirt auf seinem Bauernhof in Laab am Walde besucht.

Nur wenige Kilometer vom großstädtischen Treiben in Wien entfernt, hat sich Gerhard Zadrobilek mitten im Wienerwald ein 22 Hektar großes, sehr versteckt gelegenes Idyll geschaffen. Nach einer abenteuerlichen Anfahrt über Wald- und Forstwege erreichen wir seinen Bauernhof, den der Ex-Dancing-Star selbst errichtet hat, wie er gleich bei der Begrüßung stolz erwähnt: „Das Haus habe ich aus Holz gebaut, das nur bei Vollmond geschlägert wurde." Von der westseitigen Terrasse aus haben wir einen wunderbaren Ausblick auf die Tiere, den Stall, die Weiden und die strahlende Sonne am tiefblauen Himmel.

„Derzeit habe ich einen Tierbestand von 30 Rindern", beginnt Zadrobilek zu erzählen. „14 davon sind Wagyurinder, der Rest der Truppe besteht aus Fleckvieh und Hochlandrindern, die ich aber auflöse." Uns interessieren vor allem die edlen schwarzen Wagyurinder (wa: japanisch, gyu: Rind; sie werden in der Region Kobe in Japan gezüchtet), deren Name Gourmets auf der ganzen Welt in Ekstase zu versetzen vermag und deren Fleisch in Feinschmeckerkreisen auch „Kaviar des Rindfleischs" genannt wird - nicht nur, weil es so sündhaft teuer ist, sondern auch, weil es so fein und weich ist, dass man es löffeln kann.


„Die Idee, Wagyurinder zu züchten, fand ich geil!" Restaurantbetreiber Peter Rössler vom Livingstone in Wien hat ihn vor vier Jahren auf die Idee gebracht, sich der aufwendigen Zucht der exklusiven Rinderrasse zu widmen, erzählt Zadrobilek. Und, meint der Nebenerwerbslandwirt, der seit 20 Jahren Hochlandrinder züchtet, weiter: „Die Idee, hier in Österreich der Erste zu sein, der diese Spezialrasse züchtet, fand ich einfach geil!" Also kaufte Zadrobilek insgesamt 35 Embryonen von einer kanadischen Wagyuherde und ließ sie von heimischen Kühen als „Leihmütter" (© Zadrobilek) austragen. Doch der anfängliche Enthusiasmus wich bald der beinharten Realität, wie Zadrobilek ernüchtert feststellen musste: „Dass die Zucht so aufwendig und kostenintensiv ist, damit habe ich nicht gerechnet. Bis jetzt habe ich 50 000 Euro investiert, und ein Ende ist nicht in Sicht."

Fest anpacken! 15 Stunden pro Woche arbeitet Zadrobilek mit seinen Tieren und für sie - angefangen vom Füttern bis zum Streicheln. „Nur melken muss ich sie nicht", scherzt er.


Auch der Erfolg lässt (noch) auf sich warten. Zadrobilek: „Insgesamt habe ich 35 Embryonen verpflanzt, daraus sind leider nur 14 Kälber entstanden. Und davon wieder nur fünf weibliche. Da ich für eine Reinzuchtherde, die mein großes Ziel ist, einen Mutterkuhstand von mindestens 15 Tieren brauche, habe ich noch einen weiten Weg vor mir." Zweifel, dass sich der Aufwand nicht lohnen könnte, kommen dem Wirtschaftstrainer, der das Fleisch über seine Website (www.zadrobilek.com) vermarkten und verkaufen wird, nicht.

Mitten im Wienerwald in Niederösterreich (in Laab am Walde) züchtet Exradprofi Gerhard Zadrobilek Wagyurinder. Seine Lieblingskuh „Kazuko“ („Friedenskind“) ist so zutraulich, dass sie ihm wie ein Haustier zuläuft, wenn er sie ruft. Neben seiner Arbeit als Nebenerwerbslandwirt ist Zadrobilek erfolgreicher Wirt- schaftscoach. Zusätzlich hat er die Sportlerplattform „upmove“ (www.upmove.eu) gegründet, die sich an Mountainbike- und Tourenskibegeisterte wendet.
Gutes Fleisch
von Thomas Ruhl, Wolfgang und Stephan Otto
Edition Fackelträger, € 69,-

Das Buch wurde 2009 zum besten Kochbuch der Welt gewählt.

Laut rechnet er vor: „Ein Stier wiegt rund 700 Kilogramm, für das Kilo Filet bekommt ein Züchter derzeit 300 Euro, für ein Filetsteak im Restaurant werden so um die 200 Euro verlangt werden können ..." Und er resümiert: „Summa summarum sollte sich das Ganze in fünf Jahren für mich rentieren. Und das wird es auch, denn das Kobe-Beef wird in den nächsten Jahren sicher ein großes Thema in Europa."

Wagyu - Der Kaviar Des Rindfleischs. Einen Garanten dafür sieht Zadrobilek, der zwischendurch seiner Lieblingskuh „Kazuko" den Rücken krault, in der außergewöhnlichen Qualität des Kobe-Beefs: „Durch den hohen intramuskulären Fettgehalt ist das Fleisch unglaublich zart und hat eine extrem feine und gleichmäßige Marmorierung. Es zerfl ießt auf der Zunge und ist so weich, dass man es löffeln könnte." Möglich wird das einerseits durch die Genetik, weshalb Zadrobilek großen Wert darauf gelegt hat, reinrassige Embryonen zu erwerben und keine eingekreuzten - was gar nicht so leicht war, denn in Japan gelten die Wagyurinder beziehungsweise das von ihnen stammende Kobe-Beef als nationales Kulturgut, Exporte von Tieren sind daher bereits seit Jahren verboten, wie Zadrobilek anmerkt. Seinen Weg in die Topgastronomie, etwa in New York und auch teilweise in Europa, fand die Rasse über Herden in Amerika und Kanada, die dort via Embryonentransfers gegründet werden konnten.

InlineBild (abb8aaa9)Bauernhofidyll in Laab am Walde.

Neben der Rasse sind auch die richtige Fütterung und Haltung der Tiere ausschlaggebend für die Qualität des Fleischs. Zadrobilek, der auf seinem Hof fast alles selbst macht („Nur melken muss ich nicht"): „Meine Rinder dürfen auf der Weide frei herumlaufen und bekommen eine Mischung aus eiweißreicher Gras silage, Getreide- und Kraftfutter." Nachsatz: „Antibiotika und Wachstumshormone sind natürlich tabu und Letztere obendrein bei uns verboten."

Für seine Hochlandrinder hatte Zadrobilek sogar Bio-Status. Wegen der Embryonentransfers, die nicht den Biorichtlinien entsprechen, konnte er ihn für die Wagyurinder aber nicht aufrechterhalten. Zadrobilek: „Das ändert aber nichts daran, dass die Tiere trotzdem völlig natürlich gehalten werden. Und sobald ich eine Reinzuchtherde habe, werde ich wieder den Bio-Status beantragen." Die Mär, dass die Tiere täglich stundenlang massiert werden müssten, um die hervorragende Fleischqualität zu liefern, und zudem Bier trinken sollten, verweist er mit einem Schmunzeln ins Reich der Mythen und Sagen: „Ein Marketinggag."

Erste Schlachtung im Mai. Die Wagyus wachsen recht langsam. Von der Geburt weg brauchen sie ungefähr drei bis vier Jahre, bis sie ihr Schlachtgewicht von etwa 700 Kilogramm erreichen. Einer von Zadrobileks Stieren hat nun dieses Gewicht erreicht und wird deshalb demnächst geschlachtet. „Das wird ein großer Moment für mich werden! Denn da wird sich zeigen, wie gut die Qualität des Fleischs ist und ob ich bei der Fütterung und Haltung alles richtig gemacht habe", sagt Zadrobilek, dem beim Gedanken an den ersten Bissen sichtlich schon das Wasser im Mund zusammenläuft.

So will er das Beef de luxe von ausgesuchten Köchen zubereiten lassen, damit die Gourmets des Landes auch wirklich begeistert sind. Selbstverständlich können sich auch private Interessenten bei ihm melden, und auch für sich selbst wird der Sportler ein paar Stückerln auf die Seite legen. Sein Rezept: „Wie ein Steak zubereiten, ohne Gewürze, damit man den satten, runden Geschmack des Fleischs voll und ganz auskosten kann."

 

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