Genieß deine Jugend: Fühlen sich deine 20er auch so schwierig an?

Es sollte die beste Zeit deines Lebens sein. Noch jung, aber finanziell unabhängig, auf einem klaren Weg in die Zukunft, viele Freunde, eine Party nach der Anderen. Deine 20er sind nicht so, sondern fühlen sich extrem schwierig an? Du bist nicht allein!

20er

Sind wir mal ganz ehrlich. Die 20er sind schwierig. Alle sprechen immer darüber, wie viel Spaß man in dieser Phase haben soll und das haben wir auch, aber nicht nur. Die 20er sind geprägt von der ersten festen Beziehung (nein, nicht dieses Teenager-Ding, das wir davor gemacht haben. Fix-Fix) und der ersten Trennung, wo man vielleicht schon eine Wohnung auseinander teilen muss. Es sind die Jahre wo wir studieren und tausendmal hinterfragen, ob es die richtige Richtung ist. Wo wir mindestens einen Scheiß-Job haben, nur um zu lernen, was wir nicht mehr akzeptieren in der Zukunft. Die Jahre zwischen 20 und 30 sind eine Zeit der Findung aber auch eine in der man sich immer wieder selbst verliert. Neon-Autor Oliver Stolle sagt dazu: "Und so leben wir im Taumel scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten mehrere Leben auf Probe."

Aussortieren, bevor es sich verfestigt

Comedian Taylor Tomlinson hat dazu ein Netflix-Special, in dem sie über die Erfahrungen mit Mitte 20 spricht und nennt es eine Quarter-Life-Crisis. Sie erklärt darin: "Ich habe viel an mir gearbeitet in meinen Zwanzigern, weil wenn du das nicht tust, dann werden sich all die Scheiß-Teile deiner Persönlichkeit verfestigen und das ist dann ab 30 deine Persönlichkeit." Und obwohl das als Joke gemeint ist, können viele Menschen in ihren Zwanzigern verstehen, was sie meint. Aber warum sind unsere 20er so schwierig? Oder kommt es uns nur so vor?

Ständiger Wandel

In der Vergangenheit wurden klassische Entwicklungsziele wie der Auszug aus dem Elternhaus, eine feste Partnerschaft, berufliche Stabilität und finanzielle Unabhängigkeit als Zeichen des Erwachsenwerdens definiert. Heute sind diese Ziele zum Teil schwieriger abzuhaken. Das liegt an immer längeren Ausbildungszeiten und einem schwierigen Arbeitsmarkt. Somit sind diese Muster nicht mehr zeitgemäß.

Als Millenials sind wir in einer Zeit des ständigen Wandels aufgewachsen: Internet, Globlisierung, Klimawandel, Finanzkrise und Terorrismus haben unser Leben von Kindheit auf ständig verändert und verunsichert. Außerdem sagen Expert*innen, dass wir die erste Generation seit dem zweiten Weltkrieg sein werden, die nicht mehr Wohlstand als ihre Eltern erwarten wird und den Lebensstandard der letzten Generation wahrscheinlich nicht mal halten werden können. Jackpot, oder?

Kleine Chamäleons

Wir sind also mit ständiger Verunsicherung aufgewachsen und dem Wissen, dass wir eigentlich in dieser Gesellschaft nicht viel erreichen können. Keine Generation zuvor wurde aber von ihren Eltern so behütet und gefördert und keine Generation hatte je so viele Möglichkeiten. Psychologe Klaus Hurrelmann sagt in Psychologie Heute: "Ein*e Ypsiloner*in muss eine Persönlichkeit entwickeln, die erlaubt, auf diese massiven Veränderungen zu reagieren, ohne sich von ihnen treiben zu lassen. Er*sie muss in der Lage sein, seine*ihre Lebensplanung immer wieder neu den gewandelten Realitäten anzupassen."

Längeres Erwachsenwerden

Wir haben somit mit ganz anderen Herausforderungen zu kämpfen, als die Generationen vor uns. Du hattest schon den Rohbau deines Hauses gebaut in meinem Alter fertig, Onkel Herbert? Cool. Warum erzählst du mir das und was hat es mit mir zu tun? Ich brauche noch etwas Zeit.

Der amerikanische Psychologieprofessor definierte im Jahr 2000 eine neue Phase, die emerging adulthood heißt. In dieser Phase entwickelt sich das Erwachsensein. Es ist keine Verlängerung der Jugend, sondern zieht sich vom Jugendalter in die späten Zwanziger, in der junge Menschen "semi-autonom" sind. Sie sind zwar unabhängig und erwachsen, aber immer noch emotional oder finanziell von den Eltern abhängig. Viele Menschen Mitte zwanzig finden sich darin wieder.

Mehr psychische Probleme

Expert*innen glauben, dass diese verlängerte Entwicklungsphase und die Jahre zwischen 20 und 30 an unserer Generation nicht spurlos vorübergegangen sind bzw. vorübergehen. 35 % der jungen Menschen sollen daran leiden, dass sie so viele Möglichkeiten in ihrem Leben haben und nicht wissen, was die richtige Wahl ist. Sie probieren sich aus, kommen aber nicht zum Ziel. Das kann in einer Depression enden. Zusätzlich wird bemerkt, dass unsere Generation weniger bereit ist, sich zu binden (Hallo beziehungsunfähig!). Weder im Beruf, noch in der Partnerschaft.

Psychische Probleme nehmen bei Millenials überproportional zu. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts weisen junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren in Deutschland mittlerweile die höchste Zwölf-Monats-Prävalenz psychischer Erkrankungen auf: 30 Prozent der Männer zwischen 18 und 34 Jahren sowie 43 Prozent der jungen Frauen erfüllen derzeit die Kriterien einer psychischen Störung, zeigen also Symptome einer Depression, Angststörung oder Sucht.

Wir ändern die Welt

Was sagt uns das, Onkel Herbert und Tante Susanne? Eure Lebensrealitäten haben nichts mit mir zu tun. Und uns immer wieder darauf hinzuweisen wie erwachsen ihr damals wart, erhöht nur den Druck. Denn was klar ist: Die Generation Y wird neu definieren, was es heißt gut zu leben. Das glaubt auch Psychologe Klaus Hurrelmann: "Dabei zählt nicht immer mehr Wohlstand, sondern eine Kombination aus materiellem Wohlstand, Zeit für Freunde und Familie, Bildung, guten Arbeitsbedingungen und ökologisch intakter Umwelt." Na schau. Es ist ja nicht alles schlecht, nur weil es neu ist.

 

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