Genie mit Tarnkappe

Philip Seymour Hoffman hat die Neben- zur Hauptrolle erkoren. Und bewegt sich bekannt unerkannt durch Hollywood.

Aus welchen Kassenschlagern kennen Sie den Typen rechts im Bild? Falls Sie länger als 30 Sekunden überlegen müssen: Das liegt nicht an Ihrem Gedächtnis, sondern an Philip Seymour Hoffman selbst. Der hat nämlich die Neben- zur Hauptrolle erkoren. Und bewegt sich bekannt unerkannt durch Hollywood.

Text Peter Hiess Fotos Peggy Sirota/Corbis OUTLINE, 2008 Twentieth Century Fox

Ein guter Schauspieler ist jemand, den du auf der Straße nicht wieder­erkennst – und auch nicht im Kino. Einer, der hinter seinen Rollen verschwindet anstatt hinter Tonnen von Make-up und Special-effects. Einer, bei dem du ungläubig staunst, wenn dir jemand erzählt, dass der Kerl auch in einem anderen deiner Lieblingsfilme schon diese eine Nebenfigur gespielt hat, an die du heute noch denkst. Einer, der dir nicht dauernd von Illustrierten-Covers entgegengrinst und der als Hitler-Attentäter nicht genau die gleiche Visage in die Kamera hält wie als Superagent auf unmöglicher Mission. (Ja, daher kennst du ihn übrigens auch, aus Mission Impossible III, wo er eine fantastische Bösewichtrolle als Waffenhändler ge­spielt hat …)

Philip Seymour Hoffman ist kein guter Schauspieler. Er ist exzellent. Das wissen seine Regisseure, das geben die Kollegen zu, das sieht auch das breite Publikum schön langsam ein. Geahnt haben sie es alle schon lange – aber sie waren sich halt nie sicher, ob sie ihn nicht mit jemand anderem verwechselt hatten. Mit seinen 1,77 Metern ist er zwar kein Riese, aber immerhin größer als viele seiner Starkollegen, die sich und der Welt im Zwergenland Hollywood dauernd etwas beweisen müssen. Er ist dunkelblond, nicht gerade der Schlankste, hat einen Mund wie ein Amstettner Kaffeehaus-Intellektueller und einen riesigen Kopf.

Warum man sich abseits der Optik und des Talents so schwer tut, Hoffman auf dem Radar zu haben? Weil er ohne Starallüren auskommt, kein Partytiger ist und über seine Karriere sagt: „Erfolg ist nicht das, was dich glücklich macht – ganz und gar nicht. Erfolg bedeutet vielmehr, dass du tust, was dich glücklich macht, und dass du im besten Fall ein erfülltes Leben führen kannst. Ich bin glücklich, wenn ich das Gefühl habe, gute Arbeit geleistet zu haben. Das mit dem Erfolg ist dann nur mehr die Garnierung.“

In Filmen wie Boogie Nights, Almost Famous und Roter Drache haben Sie Philip Seymour Hoffman bereits gesehen, die Hauptrolle in der Filmbiografie Capote brachte ihm sogar einen Oscar ein und zur Zeit ist der exzellent-unscheinbare Schauspieler im Kinofilm Radio Rock Revolution zu sehen:

"Verdammt, woher kenn ich den Kerl noch ...?" - diese Frage stellt sich nun nicht mehr!

 

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