Genderneutrale Namen: Island revolutioniert Nachnamenregelung

In Island hängt der Nachname vom Geschlecht ab - das Land trennt dabei strikt in zwei Geschlechter. Bis jetzt: Eine Ende Juni im Parlament beschlossene Regel hebt diese Trennung nun auf, künftig gibt es auch eine genderneutrale Variante.

Island führt genderneutrale Nachnamen ein

"-dottìr" für die Mädchen, "-son" für die Buben. Das isländische Namenssystem lässt keine großen Faxen zu. An erster Stelle des Nachnamens steht der Vorname des Vaters oder (seltener, weil auch hier: Hallo, Patriarchat!) der Mutter, daran wird eine geschlechtsabhängige Endung gehängt. Die isländische Musikerin Björk heißt mit vollem Namen etwa Björk Guðmundsdóttir, was soviel wie Björk, Tochter des Guðmundur bedeutet. Der isländische Fußballer Heiðar Helguson heißt wörtlich Heiðar, Sohn der Helga.

Ein Mädchen kann nicht "Alex" heißen

Und auch sonst ist man namenstechnisch recht streng unterwegs. Das "Mannanafnanefnd" wacht als Komitee über die Vornamen der IsländerInnen. Es entscheidet, welche Namen vergeben werden dürfen - und welche nicht. Gültige Namen werden ins Namensregister aufgenommen, häufig wird über die Aufnahme ausländischer Namen diskutiert. Das Komitee achtet dabei besonders auf die Geschlechtertrennung. Die Zeitschrift "Iceland Review" berichtet von einem Mädchen, das nicht Alex genannt werden durfte. Laut Ansicht der Behörde sei das ausschließlich ein männlicher Vorname. Im Jahr 2013 musste die damals 15 Jahre alte Blaer Bjarkadóttir Runarsdóttir vor Gericht um ihren Namen kämpfen. Sie war aufgefordert worden, ihren Namen zu ändern, weil dieser als männlicher Vorname eingetragen war. Letztlich durfte sie den Namen behalten, wie orf.at berichtet.

Ab jetzt: Geschlechterneutrale Vor- und Nachnamen für IsländerInnen

Das Komitee verliert nun aber einiges an Kompetenzen: Laut eines neuen Gesetzes zur Geschlechterautonomie darf im Namensregister künftig nicht mehr zwischen männlich und weiblich unterscheiden. Personen haben außerdem die Möglichkeit, ihr Geschlecht als "X" einzutragen, wie es nach Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes seit 2018 auch in Österreich möglich ist. Anders als hierzulande ist für den Eintrag in Island die "gelebte Realität" ausschlaggebend, wie die "Iceland Review" berichtet. In Österreich haben nur intersexuelle Menschen oder jene, bei denen das Geschlecht aus einem anderen Grund nicht eindeutig bestimmt werden kann, einen Anspruch auf das X im Pass.

Die Abkehr von der Zwei-Geschlechter-Einteilung revolutioniert auch das strenge Nachnamensystem: Zusätzlich zu den Endungen "-dóttir" und "son" gibt es nun auch die Endung "-bur", was soviel wie "Kind" bedeutet. Wer ein "X" im Pass hat, kann sich für die genderneutrale Variante entscheiden. Aus "Johannsdóttir" wird etwa nach Wunsch dann "Johannsbur". Alternativ kann die Endung auch ganz weggelassen werden. Das war bisher nur Isländerinnen und Isländern mit ausländischem Namen möglich, wie etwa der isländischen Sängerin Emiliana Torrini.

Meldeamt erwartet großen Andrang

Im isländischen Meldeamt rechnet man mit zahlreichen Namensänderungen. Viele Menschen hätten auf diese Gesetzesänderung gewartet, sagt Margret Hauksdóttir in der "Iceland Review". Die Änderung kann mittels Onlineformular angesucht werden. Wenn der Name bereits im Namensregister existiere, werde die Änderung "drei bis fünf Tage" dauern und so schnell und unkompliziert erledigt sein, so Hauksdóttir.

 

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