Gendern stört den Lesefluss? Stimmt nicht!

Eine neue Studie zeigt: Texte, in denen Frauen ausdrücklich benannt werden, sind nicht unverständlicher. #sorrynotsorry lieber KritikerInnen der gendersensiblen Sprache.

Gendersensible Sprache ist super verständlich.

"Aus Gründen der Verständlichkeit werden im Text nur männliche Formen verwendet", tönt es aus Erklärungsversuchen der selbst ernannten RetterInnen der deutschen Sprache, die von Binnen-I, Schrägstrich und Gendersternchen völlig aus der Fassung gebracht werden. "Frauen sind selbstverständlich mitgemeint."

Eine Untersuchung des Instituts für Pädagogische Psychologie der TU Braunschweig hat diese "Gründe der Verständlichkeit" nun eindeutig widerlegt. In einem Experiment bewerteten 355 StudentInnen vier Versionen eines Stromliefervertrages eines deutschen Stromversorgers: den Originaltext im generischen Maskulinum, eine gendergerechte Version der Originalfassung, in dem etwa der Kontoinhaber um die "Kontoinhaberin" ergänzt wurde, und je eine von ExpertInnen für Textverständnis überarbeitete Version, einmal gendergerecht und einmal mit Beidnennungen. Sowohl die ursprüngliche, als auch die überarbeite Version wurden durch die Ergänzung der weiblichen Form jeweils länger.

Bei der Bewertung der Textverständlichkeit zeigte sich dann: Es gibt keinen Unterschied zwischen den rein männlichen und den gendergerechten Versionen. Nochmal zum Mitschreiben: Keinen!

Textqualität hat Einfluss, Gendersternchen nicht

Was für das Verständnis tatsächlich zählt, ist die Textqualität. So bewerteten die TeilnehmerInnen den von Fachleuten optimierten Text als deutlich verständlicher, dem tut auch die Berücksichtung der weiblichen Form keinen Abbruch. Die Textqualität an sich entscheidet also darüber, ob ein Text schwer oder leicht verständlich ist – nicht die gendersensible Formulierung.

Somit wäre eines der am lautesten und vehementesten Argumente widerlegt und wir sollten uns mal rein auf die Vorteile der gendersensiblen Sprache konzentrieren können. Studien belegen immerhin: Wird nur in der männlichen Form geschrieben, stellen sich LeserInnen auch nur Männer vor. Werden in einem Text sowohl männliche, als auch weibliche und neutrale Formen verwendet, ist auch die Vorstellung ausgewogener, betont die TU Braunschweig. Andere Experimente hätten außerdem gezeigt: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau für eine Position im Management als geeignet bewertet wird, ist deutlich höher, wenn in der Stellenausschreibung sowohl die männliche als auch die weibliche Form verwendet wird. So ganz ohne Verständnisprobleme.

 

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