Genderfluide Mode: Alles fließt

Modisches Schubladendenken? Ziemlich "last season"! Schließlich hat Design (nicht erst seit gestern) viel mehr zu bieten als starre Geschlechtergrenzen – wie diese Menschen und ihre Looks eindrucksvoll zeigen.

Genderfluide Mode

18. Jahrhundert

Männer in Strumpfhosen
Dass das modische Gender Bending keine Erfindung des 21. Jahrhunderts ist, zeigt ein Blick in die Geschichte: Bis zur Französischen Revolution waren es nämlich die Männer, die sich herausputzten und als das schöne Geschlecht ­galten. Absatzschuhe, Pe­rücken und verschwenderische Stoffmengen machten hochrangige Herren zu wahren Hin­guckern.

1935

Tragende Rolle
Nicht umsonst trägt die weit geschnittene Hose mit hohem Bund bis heute ihren Vornamen: Marlene Dietrich gilt als Pionierin, wenn es um das Auflösen starrer Dresscodes geht. Die deutsche Filmschauspielerin liebte Herren­anzüge und sorgte damit regelmäßig für Empörung.

Ziggy Stardust

1972

Let’s glamrock
David Bowies Bühnenpersona Ziggy Stardust ist Kult und überwand Geschlechtergrenzen mit schillernder Mühelosigkeit. Von den glamou­rösen Overalls zur exaltierten Attitüde – Bowies unvergessliche Auftritte dienen quer durch alle Kreativ­bereiche noch heute als Inspiration und blieben ebenso im kollektiven Popgedächtnis wie der Sound, den der britische Musiker kreierte.

1981

Buzz cut und XL-Dekolleté
Die Selbstverständlichkeit, mit der Grace Jones infrage ­stellte, wie sich Weiblichkeit nach außen hin definiert, machte die jamai­kanische Künstlerin zur Ikone der Disco-Ära und ebnete den Weg für nonbinäre Geschlechteridentitäten, setzte sie aber auch offenem Hass und Anfeindungen aus. Vielen war ihr Look zu laut, zu verwirrend. Grace Jones war’s egal – zum Glück.

Harry Styles groß

2019

Wann ist ein Mann ein Mann?
Er trägt Perlen und Spitze, ließ sich für das Cover der US-Vogue in einem Gucci-Abendkleid fotografieren und tanzt in seinem jüngsten Video in roten Pailletten: Harry Styles gilt als Fashion-Pin-up einer ganzen Generation. Was der Sänger trägt, wird Trend – bleibt nur zu hoffen, dass er sich irgendwann nicht mehr dafür erklären muss.

2021

Wechselwirkung
Das Traditionslabel ­Gucci steht ebenso für eine neue Form der ­Genderfluidität wie die Kreationen von ­Design-Newcomer Harris Reed. Beide sind Teil der Ausstellung ­Fashioning Mascu­linities im Londoner Victoria and Albert Museum – auch dort werden aktuell Geschlechtergrenzen hinterfragt.

Genderfluide Mode Kristen Stewart

2022

Anziehungssache
Während sie für ihre Rolle im Film Spencer noch in Tüllroben und Kostüme schlüpfen musste, ­konnte Kristen Stewart auf dem roten Teppich der diesjährigen Oscars dann doch deutlich mehr sie selbst sein: Die Schauspielerin kam in einer extra­freizügigen Smoking-Inter­pretation des Modehauses Chanel und an der Hand ihrer Verlobten Dylan Meyer zur Verleihung.

 

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