Gender Pay Gap: "Gleich ist gleich" - oder doch nicht?

Frauen werden schlechter bezahlt als Männer: Ein Fakt, den man nicht schönreden kann. Eine fingierte Stellenanzeige will nicht nur am Equal Pay Day darauf aufmerksam machen.

"Das österreichische Gleichbehandlungsgesetz verlangt seit dem Jahr 1985 die geschlechtsneutrale [Anm. also weder ausschließlich an Männer noch ausschließlich an Frauen adressiert] Ausschreibung von Stellen. Aus guten Gründen. Denn die Formulierung von Stellenausschreibungen hat Einfluss auf das Bewerbungsverhalten sowie auf die tatsächliche Stellenbesetzung. Die Stellenausschreibung ist die erste Möglichkeit, einen Menschen aufgrund seines Geschlechts in der Arbeitswelt zu diskriminieren – oder nicht. Diskriminierungen sind aber keine Kavaliersdelikte, sondern Menschenrechtsverletzungen. Sie verletzen das Menschenrecht auf Gleichbehandlung und betreffen mehrheitlich Frauen."

So steht's in einem unabhängigen Bericht der österreichischen Gleichbehandlungsanwaltschaft. Unternehmen sind also seit Mitte der 1980er Jahre verpflichtet, ihre Stellen für alle Menschen auszuschreiben, andernfalls drohen Strafen. Etwas schwieriger gestalten sich Strafen bei der Gehaltsdiskriminierung: Die muss man erst einmal nachweisen können. Tatsache ist: Frauen verdienen in Österreich im Schnitt 19,9 Prozent weniger als Männer. Um Unterschiede im Beschäftigungsverhältnis wie Teilzeit bereinigt, also im direkten Vergleich ganzjährig Vollzeit Beschäftigter liegt der Unterschied immer noch bei 15, 6 Prozent (Statistik Austria).

Mit einer Aktion anlässlich des am heutigen 21. Oktober stattfindenden Equal Pay Day in Österreich will die Wiener Agentur Toman+Meyer darauf aufmerksam machen, dass Gleichberechtigung in der Stellenausschreibung noch lange nicht Gleichberechtigung bei der Bezahlung bedeutet.

Facebook-Anzeige zeigt klar: Frauen werden schlechter bezahlt als Männer

#gleichistgleich Facebook Stellenanzeigen Gender Pay Gap

Via Facebook streut die Agentur unter dem Auftraggeber-Pseudonym "Gnutlah [Haltung rückwärts, Anm.] & Partner" Jobanzeigen inklusive klarer Gehaltsangaben. Während die Positionsbeschreibung noch gleichberechtigt ist, sieht es beim Gehalt ganz anders aus: So bekommt der Bürokaufmann 2.500 Euro, die Bürokauffrau nur mehr 2.250.

Wer auf die Anzeige klickt, landet auf der Landing Page gleichistgleich.at. Dort ist zu lesen: "Der Gender Pay Gap ist kein Mythos!" mitsamt der Forderung "Wir als Gesellschaft müssen diese Willkür beenden!". Toman+Meyer-Geschäftsführer Thomas Meyer will mit der Aktion den Gender Pay Gap plakativer machen: "Zu oft wird das Problem abstrahiert oder zu komplex dargestellt. Es ist, was es ist: Frauen werden benachteiligt. Und wenn sich das etwas konkreter in unseren Köpfen manifestiert, kann auch dagegen gearbeitet werden", ist Meyer überzeugt.

"Es ist, was es ist: Frauen werden benachteiligt"

Als Unternehmer lege er selbst einen starken Fokus auf Gleichberechtigung und setzt als Chef mehr auf Klarheit als auf Gehaltstransparenz, denn die führe laut ersten Umfragen nach Einführung eines entsprechenden Gesetzes in Deutschland nicht unbedingt zu Gleichberechtigung. "Es braucht eine klare Regelung in den Kollektivverträgen innerhalb der Überzahlung: Mit einer klaren Formulierung der Aufgabengebiete geht eine Verpflichtung zur gleichen Bezahlung einher. Genauso mach ich das auch: gleiche Arbeit, gleiches Geld. Punkt."

Screenshot gleichistgleich.at
 

Aktuell